Freitags im Büro – oder “Say it in english!”

“Wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach’ Limonade draus!”

Das Leben ist bekanntermaßen nicht immer ein Wunschkonzert, und nicht jeder Punkt auf der “Pflichten-To-Do-Liste” ist Anlass zu ausgelassenen Freudentänzen. Wenn man aber zumindest versucht, die unliebsamen Punkte  hin und wieder mit ein bißchen Blödsinn und Jux zu garnieren, ist am Ende meist alles halb so wild.


Normalerweise befinde ich mich in der äußerst luxuriösen Lage, den Freitag als solchen wörtlich nehmen und bereits Donnerstagabend die Wochenendklingel läuten zu dürfen – aber in der Urlaubszeit ist meine Anwesenheit im Büro hin und wieder eben auch an 5 Tagen in der Woche erforderlich. Und so quäle ich mich am heutigen Unfreitag unter dem Absingen grummeliger “Verdammterfuckmist!”-Opern unter dem kuscheligen Laken hervor, nachdem mein Wecker mich mit seinem hysterischen Geplärre aus dem Nachtschlaf gerissen hat. 5 Tage am Stück arbeiten..unmenschlich ist das.

englischDas einzige Gute an diesem Tag ist der Umstand, dass mein Chef und ich vor einer Weile aus einer albenen Laune heraus den “English-speaking-friday” in unserem Büro eingeführt haben und ebenjenen mit Inbrunst zelebrieren. El Cheffe spricht zwar eigentlich ziemlich fließend Englisch, rostet aber vokabulär hin und wieder ein wenig ein – und mein eigenen Kenntnisse  sind nur mit allerbestem Willen als “rudimentär” zu bezeichnen. So sprechen wir also freitags Englisch miteinander – und haben dadurch zumindest immer was zu lachen.

“Good morning boss, what’s up?” posaune ich zur Begrüßung und werfe meine Provianttasche nonchalant über den Stuhl. Mein Wortschatz wäre damit auch nahezu gänzlich ausgeschöpft, von mir aus muss ich heute nix mehr sagen. Kommt meinem Chef sicher auch entgegen, der behauptet nämlich gelegentlich, ich sei ‘ne Labertasche. Fälschlicherweise, natürlich.

Das Chefgehirn ist aber im Gegensatz zu meinem schon warmgelaufen und er erläutert mir sofort einige Aufgaben, die es heute zu erledigen gilt. “In english, please” natürlich – und ich bemühe mich, nicht allzu debil aus der Wäsche zu gucken und das ultimative “Understanding” vorzutäuschen.

Nach ein wenig Smalltalk übers Wetter “Isn’t it hot?” – “Yes, but not so hot as yesterday!” – “Hm, hmm…yes, ähm…right!” vertiefe ich mich – ganz gegen meine Gewohnheit – schweigend in meine Arbeit. Das ist auch einer der Vorteile des “English-speaking-fridays”…wenn man sich erst den gesamten Hirnkasten nach Formulierungen und Vokabeln auskratzen muss, spricht man nur dann, wenn man wirklich was Essentielles zu sagen hat. Und das ist augenscheinlich seltener, als man sonst so denkt. So kann dann auch rasch ein “silent friday” aus der Sache werden.

“Jemanden zur Minna machen” bedeutet so viel wie “Jemanden zurechtweisen/in den Senkel stellen” – und diese Redewendung wird bei uns immer gerne benutzt, weil sie so nett und freundlich klingt, und auch irgendwie harmlos. Andere Menschen zusammenscheißen ist ja nicht so wirklich nett, aber zur Minna machen ist doch irgendwie niedlich. Das tut auch gar nicht weh.

“Oh, bugger!” brummelt mein Brötchengeber aus dem Nachbarbüro und kommt herangestapft, um mir den papiernen Anlass seines Unmutes zu präsentieren und mir eine Anweisung zu erteilen: “Would you please call Mr. H. and..ähm…” – wir werfen uns ratlose Blicke zu – “Hmm…transform him into a minna?” schlage ich hilfsbereit vor. Nachdem wir uns gründlich ausgekichert haben, wähle ich die Nummer der Minna in spe – blöderweise kommt so eine empörte Zurechtweisung aber ziemlich unglaubhaft daher, wenn man sich unter allen Umständen das Lachen verbeißen muss. Nun ja, Herr H. kichert ein bißchen mit und gelobt mehr oder minder überzeugend umgehende Besserung. Na also. It runs doch.

Und weil das Leben bekanntermaßen aus Geben und Nehmen besteht, ruft nur wenige Augenblicke später eine Dame an, um wiederum MICH zur Minna zu machen – nicht ganz unberechtigerweise, wie ich zugeben muss, aber wie überall macht hier auch der Ton die Musik. “Fuck off, you fuckin’ fuck!” brummele ich, nachdem ich den Hörer aufgeknallt habe, trinke einen großen Schluck aus meinem Wasserglas (Mohrbrief-Leser wissen, warum) und befinde mein Englisch ganz uneitel für “absolutely brilliant”. Man braucht ja nicht immer einen großen Vokabelschatz, um sich auszudrücken – less is nämlich more, manchmal.

Am Ende des Tages (und der empörend langen Arbeitswoche!) habe ich mal wieder ein paar neue Vokabeln gelernt und mehr gelacht als sonst an Arbeitstagen üblich. Und jetzt heißt es “Nur noch 2x Englisch-Sprechen” – dann ist der Freitag für mich endlich wieder ein Freitag, so wie er sein sollte. Can’t wait.

19 thoughts on “Freitags im Büro – oder “Say it in english!”

  1. Elke

    Hallo Daniela,
    I become green of Neid that you have freitags free….
    Hätte ich auch gern.
    Aber mal ehrlich: Ohne den Freitag verpasst Du ja erstens den Englisch-Konversationskurs und zweitens auch noch viel Spaß…!
    Ich weiß nicht, was ich bevorszugen würde …. villeicht könnt ihr ja den Fremdsprachentag auf Montags legen, da fängt die Woche gleich spaßig an!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Naja, I have auch ein bisschen weniger Geld because of the FREItag, aber das isser mir wert 😉
      Und ich glaube, montags ist mein Hirn noch nicht in Englisch-Laune – da muss ich rumgrummeln, müde sein und schlechte Laune haben. Alles geht ja nun auch nicht 😉

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  2. Blumenmond

    Nee.. jetzt hab ich hier so nen schönen englischen Text eingetippt und wordpress sagt mir, dass das Captcha falsch ist.. Jetzt nicht mehr, nicht mit mir. There becomes yes the dog in the pan crazy.

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  3. Anne

    Herrlich! Marvellous … oder so! Manchmal würde ich mir fast wünschen, dass auch wir im Arbeitsalltag mehr Englisch sprechen. Dann wäre die Konversation auf den internationalen Konferenzen leichter und zumindest gefühlt weniger peinlich. 😎

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Dann führ’ das doch mal ein bei euch im Büro. Ich finde, so einen Tag lang kann man das schon machen und man lernt echt was 😉

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  4. When the cat is away

    Das klingt nach einem Arbeitsplatz, in dem das Arbeitsklima stimmt! Finde ich toll, dass ihr einen englischen (oder eben schweigenden) Freitag macht! Im Übrigen glaube ich dass dein Englisch besser ist, als du zugibst. ODER aber du liest meinen Blog nur indem du jedes Wort nachschlägst!

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    1. mohrblog Beitragsautor

      In Wirklichkeit gucke ich mir bei dir nur die Katzenbilder an und schreibe irgendwas, von dem ich glaube, dass es zum Thema passen könnte 😉 Nein, Verstehen klappt ganz gut, gerade wenn mich ein Thema interessiert….aber meine eigenen Gedanken in Englisch umsetzen kann ich leider nicht so gut. Deswegen kommentiere ich bei dir ja auch immer in Deutsch.

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      1. When the cat is away

        Ich werde dich darauf hinweisen, falls du mal an einem Freitag auf deutsch antwortest! Und von wegen nur Bilder anschauen und zusammenreimen. Du antwortest auf das, was ich schreibe! Basta. Ok, das war italienisch.

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  5. Bianca

    Hört sich herrlich an, dein Freitag im Büro! Obwohl so ein freier Freitag auch nicht zu verachten ist. Noch 2x, dann kannst du das erstmal wieder hinter dir lassen! Yeah!!!

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Genau – und heute (Mittwoch) ist auch schon “Bergfest” in Bezug auf die 3-wöchige Urlaubsvertretung. Läuft 😉

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  6. Lizzy

    Wer in Bayern lebt, braucht eigentlich keinen Fremdsprachentag mehr – obwohl ich anfangs vorschlug, auf Englisch zu wechseln damit ich auch was mitbekomme 🙂

    Ab Januar 2016 habe auch ich grundsätzlich FREItage *juchhuuu*

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  7. Volker

    Oh, Du in mehrfacher Hinsicht Glückliche.

    Grundsätzlich freitags frei und einen Chef mit dem man lachen kann. Das ist zuviel des Arbeitsguten, als dass ich es an einem frühen Dienstagmorgen ertragen könnte.

    Mein Ansinnen auf einen freien Freitag ist gerade wieder auf den Sanktnimmerleinstag verschoben und damit auch der Grund, damit ich wenigstens freitags was zu lachen habe.

    Mal gucken ob ich heute jemanden finde, den ich zum Frustabbau into a minna transformen kann 😉

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Naja, es ist ja nicht alles FREItags- und Chefgold was glänzt. Aber ich kann eigentlich nicht klagen, ich habs schon gut getroffen 😉
      Du könntest ja deinen Chef zur Minna machen, weil er dir freitags nicht frei gibt. Zwei Minnafliegen mit einer Klappe 😉

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  8. Terragina

    Hi Dani,

    oh das glaube ich Dir gerne, dass Du Deinen FREItag sehr vermisst. Ich würde meinen freien Freitag auch nur im äußersten Notfall hergeben. Bislang blieb es mir auch erspart, freitags für irgendwelche Kollegen einzuspringen.

    Das mit dem “English-speaking-Friday” finde ich irgendwie cool und wenn es dann noch so ein lustiger Tag war, war er bestimmt auch recht kurzweilig. Wenn ich Minna höre, denke ich übrigens unwillkürlich an Waschmaschine. 😉

    Viele liebe Grüße zu Dir und einen schönen Dienstag,
    Kerstin

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Fein, du auch im FREItagsclub 😉 Ja, der Tag ist schon Gold wert, ich bin auch nach 3 Jahren noch superdankbar, dass das hier bei uns in der Firma so möglich gemacht wurde.

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