Huiiibibberschwitz! – Eine Freifahrt auf der Klima-Achterbahn

Auch wenn der handelsübliche Meckerfritze vermutlich wie immer eher anderer Meinung ist, finde ich persönlich, dass die derzeit vorherrschende Jahreszeit den Titel “Supersommer 2015” mehr als verdient hat. Zugegebenermassen kreuche ich zwar eher wie ein Dörrfisch auf dem Trockenen herum, wenn die Temperaturen an der 40-Grad-Marke kratzen – aber zumindest hier bei uns im Rheinland haben die Hitzephasen nie so lange angedauert, dass es wirklich an die körperliche und geistige Substanz geht.

Jedesmal, wenn die Körpertemperatur nach tagelanger Hitzeeinwirkung kurz vor dem Siedepunkt steht, ziehen die Wettergötter ein kühles Regen-Ass dem Ärmel und sorgen für angenehme Nächte mit Tiefschlafphase und allem Zipp und Zapp, und einen frischgrünen Garten…und wenn dann nach ein paar Tagen Herbstwetter die Seele wieder bockig mit dem Fuss aufstampft und anklagend auf das Wort “August” im Kalender zeigt, folgt im Nullkommanottich das nächste Hoch und kippt strahlenweise Sonne über Mensch und Natur. Kann man sagen, was man will – ick find’ ditt bombe!  apfelernte Allerdings, ich muss gestehen – diese Temperaturstürze und -anstiege um (gefühlte) 30 Grad innerhalb (gefühlter) 2-3 Stunden verlangen meiner körpereigenen Flexibilität derzeit doch so einiges ab. (Man ist ja keine Zwanzisch mehr. Nämlich.) Zum Beispiel habe ich gestern am frühen Morgen bereits fröstelnderweise das Brennholz vor dem Bollerofen aufgeschichtet, um die Bude bei der abendlichen Heimkehr ohne Umschweife in eine muckelig-warme Wohnstube aufheizen zu können, und den Kater angewiesen, sich pünktlich 19.00 Uhr als kuschelpuschelige Pelzdecke auf meinem Schoß einzufinden. Doch als mich am Feierabend das Firmengemäuer wieder ausspuckt, stehe ich plötzlich mitten im Hochsommer, bin umgeben von Menschen in kurzärmeligen T-Shirts gegenüber und wähne mich – bekleidet mit Langarmshirt und feschem Halstüchlein –  im falschen und vor allem schweißtreibenden Film. Und auch der Kater flüchtet panisch vor meinen 37-Grad-warmen Grapschehändchen und wirft sich im Garten unter den schattigen Holunderbusch.

Da heute “LAUFEN!” auf der Feierabend-Tagesordnung steht, hatte ich mir die dafür benötigte Gewandung bereits am frühen Morgen in den Weg gelegt. Nun tausche ich aber lieber die 3/4-Buxe, Shirt und Weste gegen maximalkurze Minimalstbestoffung aus- der fliegende Wechsel von schottischen Highlands zu tropischem Regenwald innerhalb weniger Stunden war heute morgen ja noch nicht abzusehen. Da muss man flexibel sein, muss man da. Vor der Haustüre klatscht mir eine Ladung feuchtwarme schwüle Luft ins Gesicht wie ein nasser Lappen. Mein Kreislauf verdreht die trüben Augen und tastet mit zittrigen Fingern nach der Riechsalzflasche.

Ob ich es unter diesen Wetter-Umständen als bekennende Hitze-Pussy überhaupt schaffe, einen Läuferfuß vor den anderen zu setzen, steht wohl in den gleichen Sternen, die mir gerade vor den Augen herumflimmern – aber im Forst ist es ja ganz bestimmt kühl und schattig (die Hoffnung stirbt halt zuletzt) und überhaupt bin ich ja derzeit sowas wie ein laufender Waldorfschüler. Vollkommen ohne Pläne, Vorgaben und Ambitionen kann ich nämlich einfach so herumlaufen, wie mir der Lust-und-Laune-Schnabel gewachsen ist, und da macht auch ‘ne dezente Schläpplichkeit im Gebälk nix aus. Und ausserdem – auch wenn ich diesen Umstand immer noch nach dem “Ich-seh-dich-nicht-also-bist-du-auch-nicht-da!”-Prinzip konsequent ignoriere – erlaubt mein Blödes-Arschmakrelen-Mistknie ohnehin nur kurze Strecken. Also ab dafür, alles kann, nix muss.
Juppheidi.

Mühsam schleppe ich mich durch den Sternen-Nebel auf meiner Netzhaut hindurch schwitzend den ersten Hügel hoch. Bedauerlicherweise hält sich der Forst nicht an meine Anweisung, gefälligst kühl zu sein und so fühle ich mich nach wenigen Minuten schon leicht angebraten- und selbst über die Kniescheiben (auf denen heute morgen beim Hallo-Wach-Kaffee noch ein leichtes Wolldeckchen ruhte, weil es mich ach!-so fröstelte) rinnt der Schweiß.

Nach mehr oder minder erfolgreich absolvierter Minimalrunde fühle ich mich wie ein Schokoladenkeks auf Ober- und Unterhitze und muss grinsen, als mein Blick auf das “Übergangsjäckchen” auf meinem Beifahrersitz fällt, dass ich heute morgen sicherheitshalber eingepackt habe. Das lass’ ich mal lieber da liegen, das gute Stück – wer weiß, vielleicht ist ja morgen wieder Herbst.
Wird ja nicht langweilig, der Sommer 2015.

spaetsommer

6 Gedanken zu „Huiiibibberschwitz! – Eine Freifahrt auf der Klima-Achterbahn

  1. nido00

    Uiui 40 Grad bei euch? Da muss ich mich ja gar nicht nach Hause sehnen. Tapfer, dass du die Minimalrunde angegangen bist! Und jetzt wünsche ich dir, dass es wieder 30 Grad nach unten purzelt.
    Herzlichen Gruß!

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  2. Blumenmond

    Liebe Daniela,

    ich nehm ihn auch einfach so, wie er kommt. Dank diversen Apps und sonstigem neumodischen Kram schaffe ich es auch meist, die 30° Temperaturunterschied bewerkstelligt zu bekommen. 🙂 Laufen “muss” ich ja im Moment nicht. Aber der Regen, der gerade aufs Dachfenster prasselt, gefällt mir auch gut.

    Gruß
    Anja

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  3. wortgestoeber

    Hallo Daniela,
    Du rettest mir den Tag, ich muß dir recht geben , sicher im Augenblick es regnet, aber ich kann ja aus bekannten Gründen sowieso nicht Rad fahren , einen feinen Sommer haben wir. Und so über 30 Grad , das brauch ich nicht die Samtpfote braucht das auch nicht, dafür ich muss es gestehen ,ich habe schon einen Winterpulli eingekauft…. aber nur weil er da war und ich ihn schon so lange gesucht habe;-)
    LG Wortgestoeber

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  4. Volker

    Also dieser Supersommer ist ja an uns Nordwestdeutschen glücklicher Weise meistens ganz gut vorbeigegangen, kam das es mal zwei Tage hintereinander über 30 Grad warm war. Mir war und ist es recht.

    Mit freundlichen Grüßen aus dem 18° frischen und leicht regnerischen Oldenburg. Herrlich so durchatemen zu können 😎

    Volker

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  5. Bianca

    Ich finde den Sommer super, wie er ist. Obwohl ich Hitze auch gaaar nicht mag. Aber Sommer ist Sommer, und so soll er auch sein. Andere freuen sich.
    Wenn jetzt der Herbst noch goldig ist, dann wäre es ein Träumchen!

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