Ein letztes Tänzchen mit Frau Sommer

“Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen, graue Nebel wallen, kühler weht der Wind.”
(Herbstlied von Johann Gaudenz)


herbstDa nun zusätzlich zum “kühler wehenden Wind” auch die frühe Dunkelheit in den Startlöchern steht, müssen Freundin Fritzi und ich uns heute doch tatsächlich schon beeilen, wenn wir noch ein letztes Mal Seit’ an Seit’ durch den heimischen Forst flitzen wollen, bevor die Laternenrunden-Saison beginnt. “Beeilung” ist allerdings ein Schlagwort, dass in Verbindung mit “Laufen” bei uns Beiden eher Schmollschnuten statt Begeisterungsstürme hervorruft – aber es nützt nix, der Sommer wartet nun mal nicht auf uns. Zum Glück haben uns die Wettergötter für diese Abschiedsrunde noch einen sonnigen Tag geschenkt, an dem es nicht zusätzlich noch vorzeitig dämmert wie an den beiden Trübtassentagen vorher. Dennoch scheint sich das Abendlicht schon seinen goldschimmernden Pyjama angezogen zu haben, als ich mit Bleifuß zum Waldparkplatz sause, wo Fritzi schon gestiefelt und gespornt auf mich wartet. Auch wenn wir im Vorfeld minutiös berechnet haben, dass wir auf jeden Fall noch eine Minirunde schaffen, bevor der Himmels-Nachwächter die Tageslichter auspustet und die Sternlein entzündet, fällt die Begrüssung eher zackig aus. “Bereit?” “Jawohl!” “Los geht das!”

Der Wald ist schon in tiefe Schatten getaucht, aber die glitzernden Restsonnenstrahlen hoch droben in den Baumwipfeln winken uns frohlockend zu. Hoch das Bein! Nachdem uns am ersten knackigen Anstieg schon nach wenigen Minuten die Lungenflügel an den Ohren rauswinken, ermahnen wir uns zur Langsamkeit (erstmalig für dieses Jahr, vermutlich. “Langsam” können wir sonst nämlich ganz prima.). Wenn wir weiter so affenartig rennen, müssen wir am Ende noch die Sonnenstrahlen gegen ein weißes Licht am Ende eines Tunnels eintauschen – und auf vorzeitiges Ableben hat heute keiner von uns so richtig Lust.

Mit schnaufenden Atemwegen erreichen wir das Plateau und erfreuen uns quietschend an jedem einzigen goldenen Lichtfleck auf dem Waldboden, durch den wir grazilen Fußes hindurchlaufen dürfen. Da hat Frau Sommer aber wahrhaftig nochmal alles gegeben und wir fühlen uns überaus reich beschenkt.

Und die anfängliche übertriebene Eile zahlt sich am Ende unserer Runde tatsächlich aus, als hinter der letzten Kurve nicht wie befürchtet der schwarze Dunkelmann wartet, sondern uns die immer noch kräftig schimmernde Abendsonne liebevoll in den Arm nimmt und uns einen gigantischen Herbst und einen schönen Winter wünscht. Wir bedanken uns artig beim Universum für diesen grandiosen Sommer, der wirklich keinerlei Outdoorwünsche offen gelassen hat.

10676177_782866218448100_1644049528708575229_nBis zur nächsten Gelegenheit für ein fritzmohrsches Feierabendläufchen werden nun leider erstmal fast 4 Wochen ins Land ziehen – und bis dahin wird’s vermutlich zur 8. Stunde am Abend endgültig stockefinster sein. Dann werden halt wieder die Stirnlampen hervorgekramt und im Wald ausgeführt, und ganz bestimmt werden unsere Glühwürmchenläufe (untermalt mit 5-minütlichem “BLEND’ MICH NICHT AN!!” – “Tschuldigung!”) wieder genauso lustig wie unsere Sommerausflüge.
Alles hat seine Zeit.
Auch die Dunkelheit.

5 thoughts on “Ein letztes Tänzchen mit Frau Sommer

  1. Frau Fröhlich

    Ja, über diesen Sommer kann man sich eigentlich wirklich nicht beklagen. Er hatte viel Sonne zu bieten und viel Wärme … äh, Hitze 😉

    Mir war es meist schon zu warm, deshalb freue ich mich jetzt auf den Herbst. Überlege aber gerade, wo ich die Herbst-/Wintermonate walken soll (hab ja dieses Jahr damit erst begonnen), denn allein im Stockfinstern muss ich jetzt auch nicht durch die Feldern rennen.

    LG Frauke

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