montagsmohr – Von den Coué’schen Wunderformeln

“Aber auf die Gefahr hin, verrückt zu erscheinen, behaupte ich: zahlreiche Menschen sind nur deshalb seelisch oder körperlich krank, weil sie sich vorstellen, körperlich oder seelisch krank zu sein.”
(Émile Coué)


Letzte Woche habe ich ja schon ausgiebig über meine Selbst-Experimente mit Affirmationen geschrieben, und auch heute bleibe ich noch beim Thema “Kraft der Gedanken” oder “Du bist, was du denkst.”

In irgendeinem Buch habe ich im Rahmen der Affirmations-Recherche über Èmile Coué gelesen, einem französischen Apotheker und dem “godfather of affirmation”, sozusagen. Er stellte fest, dass seine Kunden viel schneller gesund wurden, wenn er ihnen die Arznei mit einem motivierenden Sätzchen überreichte, etwa “Damit wird es ihnen schnell besser gehen” oder “Dieses Medikament wird sie sicher schnell gesund machen”. Coué erkannte dadurch ziemlich flott, dass es wichtig war, in den Patienten die Zuversicht auf ihre Heilung zu festigen. Damit hatte er das Grundprinzip der Autosuggestion erkannt – und das bedeutet im Grunde nichts Anderes, als dass es möglich ist, sich selbst mental “zu programmieren”, um die Dinge zu erreichen, die man sich wünscht.

(Wer Lust und Zeit hat, ein bisschen tiefer in die Materie einzutauchen, kann sich mal durch diese Seite schmökern – “Grundlagen der Autosuggestion“)

Als Affirmations-Allrounder nach dem Motto “Geht immer, passt immer” empfahl Monsieur Coué, sich den einfachen Satz „Es geht mir mit jedem Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser!“ lebenslang täglich morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem Einschlummern verbal einzubläuen – und da ich finde, dass gegen Wohlbefinden nun aber wirklich nix einzuwenden ist, habe ich mir dieses tägliche Gemurmel tatsächlich angewöhnt. Ich muss gestehen, ich bin dabei mal mehr, mal weniger konsequent, manchmal vergesse ich besagte Coué’sche Gemurmel sogar über Wochen komplett. Mein Kopf ist ja eh immer schon so voll mit allem möglichen Blödsinn, da fällt so ein Sätzchen schon mal gerne hinten runter, wenn vorne neues Input reinflattert.
Aber was mir immer wieder aufs Neue auffällt, wenn ich mir das Sätzchen wieder ins Gedächtnis rufe und beginne, es abends runterzuspulen: Sämtliche Sorgen, Nöte und blöde Gedanken haben ja die lästige Angewohnheit, sich vor allem abends vor dem Einschlafen gnadenlos über einen herzumachen. Wenn die ganzen äußeren Einflüsse wie Radio, Internet, Handy oder auch Ablenkungen durch Sport, Lesen, Gespräche etc. sich ihren Schlafanzug angezogen und zur Ruhe gelegt haben, ist der Kopf quasi ungeschützt. Und das heißt dann oft “Feuer frei!” für quälende Gedanken. Wenn man sich aber aufs Herunterleiern ebenjenes Sätzchens konzentriert, erschwert man damit den Sorgenteufelchen, ihr perfides Spiel mit der Hirnstube zu treiben weil gerade die Coué’sche Wunderformel darin herumschwirrt und den Platz wegnimmt. Und man trimmt sich im gleichen Atemzug auch noch auf eine positive Grundstimmung. Somit wirkt die Coué’sche Formel sozusagen doppelt und ist – wie ich finde – auf jeden Fall ‘nen Versuch wert. Und nicht gleich entmutigen lassen, wenn es nicht auf Anhieb klappt, weil der Kopf gerade zu voll und schwer ist – Affirmationen sind tatsächlich Übungssache. Laufen hat ja bei den meisten auch nicht gleich beim ersten Versuch geklappt.

Und wer das jetzt schon schräg findet, der sollte am besten schnell wegklicken, denn jetzt wird es noch ein wenig…ähm..”interessanter”.  Ich zitiere mal ganz frech aus Wikipedia:

“Bei akuten Schmerzen oder Beschwerden, gleich ob körperlicher oder seelischer Natur, gab Coué den Rat, die Hand auf die betroffene Stelle oder die Stirne zu legen und möglichst schnell zu wiederholen: „Es geht vorbei. Es geht vorbei. Es geht vorbei …“, bis die Symptome abklängen. Die Selbstbehandlung sei bei Bedarf zu wiederholen, bei regelmäßiger Anwendung werde sich der Erfolg immer schneller einstellen und die Symptome immer seltener erscheinen, bis sie schließlich ganz verschwunden seien.”

Das klingt jetzt schon ein bisschen nach Eso-Hokuspokus, oder? Fand’ ich beim ersten Lesen auch, aber andererseits kann sowas ja nun mal auch nicht schaden. Das einzige, was passieren kann, ist dass einen die Mitmenschen für bekloppt halten, wenn sie einen beim Verletzungen-Bequatschen erwischen. Da muss man dann halt einfach aufpassen, dass man ungestört ist.

Ich habe mich zu der Zeit, als ich zum ersten Mal über Autosugggestion, Affirmationen, Couè etc. pp. gelesen habe, mit einem ziemlich lästigen Ausschlag am linken Auge rumgeschlagen. Mit Cortisonsalbe konnte ich den juckenden Flecken zwar immer flott den Garaus machen, aber ohne Salbe kam der Ausschlag immer postwendend zurück. Eine allergische Reaktion auf Seifen, Cremes oder ähnliches konnte ich ausschließen, da ich in dieser Hinsicht nichts verändert hatte, bevor der Ausschlag kam.
Und dann stand da eben in meinem Buch was von “Es geht vorbei!”-Gemurmel. Schräges Zeugs. Schlimmer konnte es aber ja nun nicht werden, also legte ich fortan regelmässig die Finger aufs Auge und brummelte “Es ist vorbei, es ist vorbei!” vor mich hin. Die Gegenwartsform schien mir als ungeduldiger Quengelgeist ratsamer zu sein. Und ob es nun an meinen heilsamen Fingerspitzen lag oder Zufall war oder was auch immer – nach ein paar Tagen war der Ausschlag weg und ist nie wieder gekommen.
In die Flucht gequatscht, sozusagen.

IMG_0661Und nachdem ich mich nun schon seit Frühjahr diesen Jahres mit einer lästigen Knie-Malaise herumschlage, die einfach nicht verschwinden wollte, fiel mir irgendwann vor einigenTagen der gute alte Coué wieder ein mit seiner Gesundungsformel. Und als ich schließlich mein morsches Knie eine Weile fleißig betatscht und bemurmelt und ihm eindringlich eingebläut habe, dass “es” nun vorbei ist, bin ich am vergangenen Wochenende zum ersten Mal seit langem 8 km schmerzfrei gelaufen. Darauf ein dreifach donnerndes “Hipp, hipp, Couéee!”
Natürlich bin ich mir total im Klaren, dass so ein Abklingen von Beschwerden mindestens zwölfzig verschiedene Gründe haben kann – und bei mir spielt wohl auch der Umstand, dass ich seit einer Weile so konsequent wie eben möglich wieder mit Krafttraining, Dehnungsgedöns und Black-Roll-Gekugele angefangen habe, eine nicht ganz unerhebliche Rolle.
Aber ich bin sicher – der gute Herr Coué hat zumindest einen kleinen Teil dazu beigetragen.

Und wenn nicht, dann hat er zumindest nicht geschadet.


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5 Gedanken zu „montagsmohr – Von den Coué’schen Wunderformeln

  1. Franz Josef Neffe

    Natürlich war Coué ein ausgezeichneter Apotheker. Schließlich wollte ihn der Besitzer der größten Apotheke in Troyes als seinen Kompagnon und Nachfolger haben, als er noch in der Ausbildung war. Aber den Placeboeffekt hat Coué nicht augenzwinkernd beim Medikamentenverkauf entdeckt. Das konnten nicht nur die Apotheker schon Jahrhunderte vorher.
    Coué hatte das Glück, eine wunderbare Frau kennenzulernen und zu heiraten: Lucie Lemoine, die Tochter eines weltberühmten Pflanzenzüchters und Honoratioren der Stadt Nancy.
    Nancy war damals eines der zwei Weltzentren moderner Psychologie. Die Nancyer Hypnose-Schule mit Prof. H.-M.Bernheim und Dr.A.A.Liébault lag in lebhaftem Wettstreit mit der Pariser Schule von J-M.Charcot. Durch seinen Schwiegervater wurde Coué mit Liébault und Charcot bekannt, da er sich brennend für die Hypnose und ihre Möglichkeiten interessierte.
    Bernheim und Liébault wussten längst aus ihren praktischen Erfahrungen, dass man im Wachzustand dieselben Ergebnisse erzielen kann wie in tiefer Trance. Als Mediziner waren sie aber wohl zu sehr in der Materie verfangen und nicht nahe genug am menschlichen Alltag, als dass sie daraus größere praktische Konsequenzen gezogen hätten. Das machte dann Coué in zwei genialen Schritten.
    Zuerst ließ er das Hypnotisieren weg und arbeitete nur noch mit Suggestion. Dann ging er aber noch einen entscheidenden Schritt weiter, indem er die Betroffenen selbst durch bewusste Autosuggestion zum Gestalter ihrer Entwicklung werden ließ.
    In den 1910er Jahren war er endgültig nach Nancy gezogen und da kamen jedes Jahr schon einige zehntausend Hilfesuchende aus aller Welt in seine (täglich vier zweistündigen) unentgeltlichen öffentlichen Sitzungen. Da davon nur immer erstaunliche Erfolge berichtet wurden, wurde der Zustrom immer größer und Coué besuchte viele Städte Europas, war 1923 und 1924 in die USA eingeladen und machte 1925 noch zwei mehrwöchige Tourneen durch die Schweiz.
    “Ich habe nie jemand geheilt” empfing er seine Besucher. “Die Kraft, die Sie mir zuschreiben, müssen Sie bei sich selbst suchen.” und es zwar sein Ziel, allen den einfachen Umgang mit dieser eigenen Kraft zu zeigen und ihn zu lehren. Er ließ dafür in “Vorübungen” immer einfache Experimente machen, z.B. die Hände verschränken und eine Minute lang wiederholen, dass man sie nicht öffnen kann. Wenn dann die meisten die Hände nicht auseinanderbrachten, kommentierte er lächelnd: “Wer so gut denken kann wie Sie, der sollte nie denken: Ich kann nicht!” und “Wer so etwas einmal erlebt hat, der weiß, was Denken ist.”
    Darauf kam es Coué an. Man ging nicht einfach geheilt oder wenigstens deutlich gebessert von ihm, man hatte eine neue Einstellung zum Leben und zu sich selbst.
    Coué war ein geschickter Pädagoge. Ella Boyce Kirk, die erste amerikanische Schulrätin kam gehbehindert zu ihm. Kein einziger der Vorversuche klappte bei ihr, aber Coué meinte: “Für´s erste Mal war das schon ganz gut.”
    Wenn wir Coués Autosuggestion mit der heute modernen Pädagogik vergleichen, ist nicht zu übersehen, wie elegant Coué all die Probleme löst, die die Pädagogik mit ihren Anstrengungen nur vergrößert und vermehrt. Ich habe mir deshalb erlaubt, mit der neuen Ich-kann-Schule, die Coués Psychologie bestätigt, eine praktisch funktionierende Pädagogik zum Vergleichen und Erproben anzubieten.
    Coués Autosuggestion ist aber nicht nur das funktionierende Alternativmodell zur Pädagogik. Coués Zeitgenosse S.Freud hat im Prinzip dasselbe gemacht wie Coué, nur verkehrt herum. Die Psychoanalyse ist eine geniale THEORIE, mit der man immer tiefer INS PROBLEM HINEIN gerät – der Idealfall für die GOÄ (Gebührenordnung Ärzte). Coué hatte für Theorie keine Zeit; seine Autosuggestion ist DIE PRAXIS AUS DEN PROBLEMEN HINAUS – der Supergau für die GOÄ. Damit dürfte auch verstehbar sein, warum man Freud bekanntgemacht und Coué in der Versenkung verschwinden lassen hat. Die Details kann man mit Quellenverweis und vielen praktischen Infos im “Lebensschlüssel Autosuggestion” nachlesen.
    Coués weltberühmtes, in über 20 Sprachen übersetztes Buch über Autosuggestion gehört als Seelische Erste Hilfe in jede Hausapotheke. Es enthält die praktisch nützlichste und am effizientesten praktikable Psychologie unserer Zeit. Wenn man es genau und dafür auch immer wieder liest, durchschaut man die vordergründigen Interpretationen, mit denen man uns auf vordergründige Techniken ablenkt, und erkennt wieviel mehr da an hoch effizienten Feinheiten für uns bereitliegt.
    Ich erforsche dieses Gebiet seit bald 40 Jahren und habe damit nie aufgehört, weil es immer wieder noch Feineres zu entdecken und damit Wirkungsmöglichkeiten zu erkennen gibt. So wünsche ich allen damit besten Erfolg.
    Franz Josef Neffe

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  2. Blumenmond

    Hmm… vielleicht sollte ich mir auch mal die Hand auf den Allerwertesten legen und was vor mich hinmurmeln. 9 Monate Laufpause sind genug und Schmerzen sind auf Dauer auch irgendwie doof. Schaden kanns ja nicht.

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  3. Andrea

    Ich glaube schon, dass sich in gewisser Hinsicht, Krankheiten durch nennen wir es “negative Schwingungen” beeinflussen lassen.
    Jemand der immer mit sich und dem Leid der Welt hadert, ist anfälliger, so scheint es mir zumindest.

    Ich bespreche ab heute Abend mal meinen Ellenbogen, genannt Rüdiger (der nervende Ulnaris-Nerv), schaden kann es nicht und vielleicht hilft es sogar 🙂

    LG
    Andrea

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  4. Krissi

    Huhu liebste bunte Frau,

    danke, dieser Text ist grossartig.
    Ich, als absolute Anti-Eso-Tante kann zum Beispiel, wunderbar Warzen besprechen. Mit messbarem Erfolg.
    Bisschen Selbstvertrauen unt automatisch wird das Leben leichter ! (haha leichtgesagt…) Bin immer wieder aufs neue erstaunt, was alles möglich ist.

    nen liebe Gruß
    die Krissi

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  5. Elke

    Hallo Daniela,
    spannendes Thema. Auf Neudeutsch ja auch gern mit “Self-fulfilling Prophecy” tituliert. Leider klappt das ja allzu gern bei negativen Sachen, nach dem Motto “Hach, das geht bestimmt schief” und schwupps stolpert man mit der randvollen Kaffeetasse auf dem Weg zum Sessel 😉
    Muss mal wieder mehr die positive Anwendungsformel rauskramen, danke für die Erinnerung daran.
    Klappt das auch im Büro, bei blöden Kollegen…?
    Ma sehen!
    Liebe Grüße
    Elke

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