Frau Mohr und Herr eTrex – “The Beginning”

Der Akku meiner betagten Forerunnerin ist mittlerweile so schwach auf der Brust, dass das Gerät meistens schon nach 2-3 Stunden hysterisch “Batterie schwach!” kreischt – was eine 15 km-Wanderung in unbekanntem Terrain immer zu einem ziemlich unentspannten Wettlauf mit der Zeit macht. Alles, was an Streckenlänge darüber hinausgeht, wird schon fast unmöglich – 20 km in 3 Stunden runterzurocken schaffe ich je nach Höhenmeterdichte noch nicht mal in Laufschuhen. Geschweige denn auf Schusters Rappen.

Bei meiner Wanderung mit Mungo und Balou habe ich seinerzeit schon neugierig das orange kleine Kästchen beäugt, dass meinem Wandergefährten so verlässlich den rechten Weg gewiesen hat. So richtig mit Karte und Ortsangaben und Wegen und allem Zipp und Zapp – nicht bloß mit ‘ner schnöden “schwarzen Linie auf grauem Grund” wie der rote Klumpen an meinem eigenen Handgelenk. Nachdem die Forerunnerin sich nun offensichtlich auf einen Lebensabend in der Elektroschrotthalde vorzubereiten scheint und ich ohnehin schon länger für ausgiebige Wanderungen ein leistungsfähigeres GPS-Teilchen haben wollte, zog dann vor einer guten Woche ein sportlicher, jungdynamischer “eTrex 20” bei mir ein.

eTrexBlöderweise gehöre ich zur der Sorte Mensch, die zwar alles können und wissen,  aber nix lernen wollen und die sich wünschen, dass endlich mal jemand die Theorie des Nürnberger Trichters in die Praxis umsetzt. Ich würde sofort das erste Exemplar dieser mechanischen Lernhilfe kaufen. Unbesehen. Gebrauchsanweisungen und komplizierte Abfolgen im Handling sind mir demnach ein Graus, und so guckte ich mir Herrn eTrex nach dem Auspacken zuerst mal ein wenig ratlos an, beäugte die Knöpfchen und das beiliegende “Quick-Start-Manual” und legte ihn nach dieser Amtshandlung vorsichtig wieder zurück in den Karton. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Bloß nix überstürzen.

Am Folgetag gelang es mir dann ziemlich problemlos, das Batteriefach zu finden, zu öffnen und die zwei erforderlichen Batterien einzulegen. Derart beflügelt von meinem Ersterfolg drückte ich dann gleich euphorisch auf das “On”-Knöpfchen rechts oben und das Display begrüßte mich mit einem fröhlichen Leuchten. Ha – Liebe auf den ersten Blick ist ein Scheiß dagegen. Die Sache läuft.

Als Erstes fragt mich Herr eTrex, in welcher Sprache ich zukünftig mit ihm kommunizieren möchte und ich ordne mit 2x Knöpfchendrücken die “Amtsprache Deutsch” an. Die vielen kleinen Felder auf dem Display machen deutlich, dass ich hier wohl ein Gerät mit mächtig vielen Funktionen erworben habe. “Karte”, “Routenplaner” und “Flächenberechnung” finde ich für meine Zwecke durchaus sinnvoll, aber Funktionen wie “Jagen und Angeln” oder gar “Mann über Bord” lassen mich irritiert die Augenbraue hochziehen. Aber damit kann ich mich ja immer noch befassen, wenn ich mal in See stechen sollte – vorerst will ich ja nur Wandern und sonst nix.

etrex1Ich beschliesse als Erstes einen Testmarsch auf  einer bekannten Strecke, und zwar dem Waldbreitbacher Wiedtraum – die Gegend im Wiedtal kenne ich mittlerweile so gut, dass ich mir notfalls auch zutrauen würde,  komplett ohne technische Hilfsmittel aus dem Wald rausfinden zu können. Das Übertragen des GPS-Tracks aufs Gerät funktioniert so easy-peasy, dass ich mir ein Begeisterungsquietschen nicht verkneifen kann – einfach den eTrex an den PC anschließen (ohne dass ich irgendeinen Treiber oder Software installieren muss) und den Track via Copy & Paste ins Laufwerk “GPX” schieben und fertig ist die Laube. Im Feld “Trackmanager” finde ich den Wiedtraum auch sofort wieder, und könnte nach Klick auf “Karte anzeigen” wohl auch direkt losmarschieren, wenn ich mit “Go!” bestätigen würde.

Rock’n Roll, Herr Trexter – und ab ins Wiedtal!

Auf dem Parkplatz angekommen, drücke ich auch erwartungsfroh “Go!” und folge selbst auch ebenfalls diesem Marschbefehl. Munter wandere ich der Morgensonne entgegen. Aber – wo ist denn nun der Track? Der eTrex zeigt ganz folgsam alle Straßen um mich herum an, und auch einige gestrichelte Linien, aber so richtig kapiere ich nicht, wohin ich jetzt gehen sollte, wenn ich den Weg nicht kennen würde. Aber naja…ich kenne ihn ja, also stapfe ich einfach mal bergan über den Kreuzweg Richtung Marienhaus. Vielleicht liegt der Track ja irgendwo im Wald und wird unterwegs vom eTrexter aufgesammelt.

Aber auch hoch drüben auf der Höh’ zeigt sich keine deutliche “Bitte hier entlang!”-Linie auf dem Display und ich ziehe einen Schmollmund. Meinen hirneigenen Einwand, dass ich vielleicht doch vorher einen kurzen Blick in die Bedienungsanleitung hätte werfen sollen, wische ich mit einem empörten Brummeln vom Tisch. Bedienungsanleitungen sind für Feiglinge und Kontrollfreaks. Aber – das kann doch alles hier so nicht richtig sein? Oder bin ich blöd zu döselig, um den Track zu erkennen? Ich kneife die Augen zusammen und vergrößere das Display, um irgendwo zwischen den Linien eine Richtungsanweisung zu erkennen. Nüschte.
Blöder eTrex!
Der kommt weg!
Der kann nix!
Doofding, das.

Dennoch ist der Tag zu schön, um mir von arbeitsunwilliger Technik die Wanderlust verhageln zu lassen. Dann marschiere ich halt als Prinzessin Vogelfrei durch den Forst und mache wir – widdewiddewitt! – die Streckenwelt wie sie mir gefällt. Ich brauch’ kein GPS-Gerät, ich nicht. Pah.

Nachdem ich ein paar Stunden später meinen Parkplatz wieder erreiche, dämmert mir plötzlich eine leise Erkenntnis. Ähem. Das…kann doch nicht…also, das wäre ja..aber SICHER! Um meine Vermutung zu bestätigen, laufe ich flott mal einen Kilometer in die andere Richtung, an der Wied entlang und bäm! – da schlängelt sich eine hellblaue Linie ganz unschuldig über mein Display, zwinkert mir zu und kichert “Ist was? Ich war doch die ganze Zeit hier!”

Ich muss laut lachen und leiste dem zu Unrecht der Arbeitsunwilligkeit beschuldigten Herrn Trexter Abbitte. In meiner schusseligen Gedankenlosigkeit hatte ich mir zwar den Track für den “Waldbreitbacher Wiedtraum” aufs Gerät geladen, bin aber zerstreuterweise zum Startpunkt des “Wiedtal Ultra” gefahren und sogleich folgsam in die Richtung der Ultrarecken marschiert. Aber die Strecke des W.U.T.  geht nun mal in eine komplett andere Richtung und der Lauf startet auch woanders als der Waldbreitbacher Wiedtraum.

Eine Trottelfunktion ist wohl trotz aller Features im GPS-Gerät nicht eingebaut. Das sollten die Garmin-Entwickler vielleicht mal überdenken.
“Hirn über Bord”.
Es gäbe Bedarf.


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7 thoughts on “Frau Mohr und Herr eTrex – “The Beginning”

  1. Elke

    Hallo Daniela,
    interessantes Teil! Verstehe ich das richtig, dann braucht man keine extra Wanderkarte mehr kaufen, sondern kann sich Routen herunterladen? ODer gehen auch einfach “Karten ohne bestimmte Wanderroute”?
    Liebe Grüße
    Elke

    1. mohrblog Beitragsautor

      Man kann sich Routen runterladen oder selbst zusammenstellen, oder auch einfach “frei Schnauze” marschieren – das Teilchen zeigt dir immer an, wo du gerade bist und welche Wege um dich herum sind, sogar Pfade. Wenn du dich verläufst, kannst du dich auch zum Startpunkt “zurückbringen” lassen.

      So ganz habe ich das alles noch nicht raus, aber wir haben ja noch Zeit, der eTrex und ich 😉

  2. wortgestoeber

    Hallo Daniela,
    willkommen im Tal der Doofen, Ich mag auch keine Gebrauchsanweisungen , darum geht auch regelmäßig was daneben.Eben genau wie bei dir mit diesem Routenplaner fürs laufen….
    Ich musste sehr lachen
    LG Wortgestoeber

  3. Juja

    Herrlich! Glückwunsch zum neuen Wandergefährten. Ich kenne ihn entfernt. Ihr werdet viel Freude miteinander haben. Besonders die Option, ihn mit zwei stinknormalen handelsüblichen AA-Batterien statt geräteinternem Akku zu betreiben, machen ihn zum Traumkameraden für Ultra-Ultra-Aktionen (mehrtägige Touren ohne Steckdose in greifbarer Nähe)… Ich bin fast ein bisschen neidisch! (Aber nur fast. Ich liebe meinen kleinen Edgie. Trotz oder gerade wegen seiner Fehler, wie man das in einer guten Beziehung so macht.)

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