Archiv für den Monat: September 2015

montagsmohr – Wie man Selbstzweifel in Grund und Boden quasselt

selbstzeifelObwohl ich im Grunde meines Verstandes absolut felsenfest davon überzeugt bin, einer der tollsten, schönsten, schlauesten und charakterfestesten Menschen dieses Universums zu sein, nisten im staubigen Keller meines Geistes nun schon seit über 40 Jahren ziemlich fiese kleine Dämonen mit dem uncoolen Namen “Selbstzweifel”. Egal, welches Projekt oder welche Aufgabe ich mir auch im Laufe des Lebens auf die Fahne geschrieben habe – sobald sich mir die erste Hürde zwischen die Füße wirft, fallen mich diese perfiden Biester aus dem Hinterhalt an, um mich mit hämischem Hohngelächter, langer Nase und „Du kannst das doch eh nicht!“, “War doch klar, dass das nix gibt!” und „Du bist ‘ne Pfeife, nänänääää!“-Geschrei zu drangsalieren. Gerade in jüngeren Jahren haben mich diese Mistviecher dermaßen schnell und effizient entmutigt, dass ich nicht selten bereits beim ersten Stolperstein alles hingeschmissen und mich heulend darin bestätigt gesehen habe, dass ich halt schlicht und ergreifend ‘ne Niete bin. Eine Niete, die nix kann und nix wird und nix drauf hat. Und dreimal schwarzer Kater.

Blöderweise habe ich ja unpassend dazu ständig neue Ideen und Pläne, und da sind diese ständigen Quälgeister im Kopf wirklich eine Plage – und so habe ich mir im Laufe der Zeit eine Art Koexistenz mit den vermaledeiten Selbstzweifeln angewöhnt. Die Mistviecher kommen zwar regelmäßig aus ihren dunklen Löchern und sägen penetrant am Ego-Thron, aber wenn ich einfach nicht hinhöre und mich bemühe, die Schmähgesänge zu ignorieren, kann ich mich schon einigermaßen passabel durchs Dasein manövrieren. Das Ganze hat so ein bisschen Ähnlichkeit mit einer grottenhässlichen Tapete im Lieblingszimmer – irgendwann gewöhnt man sich dran, einfach nicht so genau hinzugucken. Trotzdem ist die Tapete immer da.

Affirmationen? Was ist das denn für’n Eso-Quatsch?!

Dennoch ist ja auch konsequentes Ignorieren eine Form von Aktivität und somit eben halt anstrengend. Als ich mich 2012 für den Rennsteiglauf angemeldet habe, schien mir mal eine Änderung der Taktik vonnöten und so bin ich auf der Suche nach Methoden zur Stärkung, Umprogrammierung und/oder fulminanten Neugestaltung meines Egos in den Weiten des Internets ziemlich fix über das Schlagwort „Affirmationen“ gestolpert. Affirmationen, so lernte ich, sind sowas wie Lebensformeln, die positive Dinge anziehen sollen und „Wirklichkeit schaffen“ können. Das klassische „Alles wird gut“-Gefasel also. Huah. Meine innere Esotherik-Warnklingel begann zwar gleich, extrem hektisch zu schellen und rot zu leuchten, hielt mich aber nicht davon ab, mich näher damit zu befassen. Man sollte ja grundsätzlich immer aufgeschlossen sein, Eso-Bimbam hin oder her. Und wenn ich eh schon dabei war, konnte ich neben den Selbstzweifeldämonen dann auch das peinlich berührte “Also, ich WEISS ja nicht, das klingt schon arg hippie-yoga-mässig”-Gefühl ignorieren. Geht ja in einem Abwasch.

Ich las und lernte, dass Gedanken im Allgemeinen und positive Affirmationen im Speziellen das Unterbewusst derart bestärken und beeinflussen können, dass durch eine Änderung der inneren Einstellung fortan nur noch gute Dinge im Leben angezogen werden. Wenn ich mir also in Bezug auf den Rennsteig konsequent und mit Nachdruck einrede, dass ich 72 km lockerflockig auf einer Arschbacke laufen kann, wird mein Unterbewusstsein durch diesen Affirmationsdauerbeschuss irgendwann so bestärkt dass auch mein Verstand diese irrsinnige Aussage glauben und für bare Münze halten wird. Positive Gedanken ziehen also positive Ereignisse an, negative Gedanken eben nicht. Klingt ja im Grunde einleuchtend, wenn auch irgendwie’n bisschen einfach. Aber positiv Denken schadet zumindest schon mal nicht, für den Anfang.

Strickanleitung für das passende Affirmationsgerüst

Nachdem ich meiner inneren Eso-Warnklingel ein paar Urlaubstage auf den Kanaren spendiert hatte, machte ich mich zugegebenermaßen etwas zögerlich daran, die für meine Situation passenden Affirmationen zu stricken. Mangels Erfahrung im Unterbewusstseinsumprogrammierungsbereich hielt ich mich dabei ganz folgsam an die im Buch beschriebenen Regeln. Demnach sollten Affirmationen nämlich immer in der Gegenwartsform benutzt werden. Mit Sätzen wie „Ich werde das Ziel in Schmiedefeld erreichen“ oder „Ich möchte die 72 km schaffen“ kann das Unterbewusstsein scheinbar genauso wenig anfangen wie mit Verneinungen á la „Ich werde nicht aufgeben“ oder „Ich will keine ängstliche, winselnde Bangbüx mehr sein“. Die Anweisungen sollten dabei so präzise und unmissverständlich wie möglich formuliert werden. Kam mir im Grunde ja auch sehr entgegen, warum sich mit irreführendem Geschwafel aufhalten?

In der Selbstheilungsszene steht wohl scheinbar Dankbarkeit und Selbstliebe ziemlich hoch im Kurs, zumindest bin ich ständig darüber gestolpert. Aber watteweichharmonische Sätze wie „Ich bin dankbar für meinen starken schönen Körper und vertraue liebevoll auf meine göttliche Ultralauffähigkeit“ würde ich selbst untergrößter mentaler Kraftaufwendung und einer halben Flasche Rum nicht über die Hirnrinde bringen. Also entschied ich mich nach kurzem Grübeln für die schlichten Formeln „Ich bin eine starke und ausdauernde Ultraläuferin“ (höre ich Gekicher auf den billigen Plätzen?) und „Ich kann 75 km mühelos und fröhlich laufen“. (Da ich nicht wusste, wie präzise so eine Affirmation wirkt, habe ich mir sicherheitshalber noch 3 km als Puffer obendrauf gelegt, sicher ist sicher.) Mein Verstand kicherte zwar höchst amüsiert in sich rein und feixt „Das glaubste doch wohl selber nicht, Frollein!“ als ich mein neues Motivations-Mantra in Schönschrift auf Papier pinselte, aber laut Lehrbuch hat der Verstand bei dieser Sache hier sowieso erstmal nix zu melden. Die Affirmationen sind fürs Unterbewusstsein bestimmt, und das hat wohl die Neigung, alles was man ihm mit Nachdruck eintrichtert kritiklos und folgsam anzunehmen.
Und wehe, wenn nicht.

Nun denn, mit dieser Sammlung garantiert hochwirksamer Glaubenssätze waren jetzt also
sozusagen meine Trainingsgeräte fertig, jetzt ging’s ans mentale Sporteln. Es reicht ja nicht, sich diese Sätze fein säuberlich aufzuschreiben und dann in der Schublade neben den Harry-Potter-Hörbüchern verstauben zu lassen – ich musste sie meinem oftmals recht begriffsstutzigen Geist auch vehement und mit Nachdruck einbläuen.

Heute ist ein guter Tag zum…äh…Affirmieren!

Die beste Zeit dafür ist – laut Lehrbuch – morgens nach dem Aufwachen oder abends kurz vor dem Einschlafen, weil da der bewusste Verstand noch oder schon auf Sparflamme läuft und man somit die Affirmationen am besten an der „Abteilung für Logik“ vorbeischmuggeln und direkt ins Unterbewusstsein einschleusen kann. Wie man dabei vorgeht, bleibt wohl den eigenen Vorlieben überlassen. Im Buch wurde vorgeschlagen, sich die Sätze innerlich aufzusagen, laut auszusprechen oder gar zu singen. Ferner kann man sie täglich morgens neu aufschreiben oder laut von bereits bestehenden Zetteln ablesen, als Bildschirmschoner einrichten, sich selbst per E-Mail schicken, an die Zimmerwände oder die Innenseite der Autowindschutzscheibe malen oder sich großflächig in Farbe auf den Bauch tätowieren lassen.

Da ich dieser Methode der Selbstbewusstseinsbestärkung allerdings nach wie vor ein wenig
verhalten gegenüberstand,  mussten die Praktiken „Auswändiglernen und bei jeder Gelegenheit unauffällig vor sich hinbrabbeln“ und „Morgens und abends lautstark gedanklich rumplärren“ für erste genügen. Da solche Wort wohl teilweise erst nach 100x Aufsagen/Plärren/Singen/Lesen irgendeine Form von Wirkung zeigen (hängt davon ab, wie stark die Widerspenstigkeit des eigenen Unterbewusstseins ausgeprägt ist), kann man auf jeden Fall nicht früh genug damit anfangen und seine Leitsätze auch gar nicht oft genug runterspulen.

„Ich bin eine starke und ausdauernde Ultraläuferin“

Im Schutze der Dunkelheit meiner abendlichen Bettstatt begann mein Gehirn zaghaft mit „Ich bin eine starke und ausdauernde Ultraläuferin“. Die Worte kamen mir nur schwer über die Hirnzellen und innerlichst peinlichst berührt zog ich mir genierlich die Bettdecke über mein errötetes Haupt. „Starke Ultraläuferin, my ass. Was glaubste eigentlich, wer Du bist, Frollein?“ Mein Verstand wurde von Lachkrämpfen geschüttelt, warf Konfetti und amüsierte sich köstlich.

Glücklicherweise wird in der Affirmations-Gebrauchsanweisung mehrfach darauf hingewiesen, dass es gerade am Anfang vollkommen schnurz ist, ob man selbst daran glaubt, was man da so vor sich hinfaselt und herunterbetet. Man sollte einfach so gut wie es eben geht versuchen, den Vernunftsgegenspielern so wenig Beachtung wie möglich zu schenken und die Glaubensätze einfach immer wieder mit Nachdruck wiederholen. Irgendwann kommen die schon im Unterbewusstsein an, beißen sich fest und machen die Vernunft mundtot. Und mit nerviger Penetranz habe ich ja glücklicherweise im allgemeinen wenig Probleme, also weiter im Text – „Ich kann 75 km mühelos und fröhlich laufen“
Das Ganze leierte ich fortan täglich morgens und abends und auf dem Weg zur Arbeit im Auto vor mich hin – und ganz egal, was man von diesen Methoden hält oder nicht…am Ende bin ich nach 72 km in Schmiedefeld ins Ziel gelaufen.
Ohne Dämonen im Schlepptau.
Die hab’ ich nämlich mundtot affirmiert.

ziel
Und ihr so? Heute schon affirmiert?


Nachtrag: Natürlich lassen sich tiefsitzende Selbstzweifel nicht einfach so innerhalb kürzester Zeit totquatschen und natürlich lassen mich die Viecher auch heute noch nicht komplett in Ruhe, wie man an der Gegenwartsform der obigen Einleitung erkennen kann. Aber mittlerweile halte ich konsequent dagegen. Weil ich nämlich eine total starke und ausdauernde Ultraläuferin bin.
Unter anderem.

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Dornröschens schlimmster Alptraum – Wiedweg Etappe 8

20150914_092208Auch nach 15 Jahren (mal mehr, mal weniger) wilder Ehe vermag der Herzmann mich immer noch zu überraschen. Als wenn der Vorschlag “Wir könnten ja wandern gehen” im Rahmen der Urlaubstagsgestaltung nicht schon unverhofft genug mitten in den Raum gestellt wäre,  lässt er noch zusätzlich ein fröhliches “Ich hab’ da schon mal ‘ne Route rausgesucht!” aus seinem Mund purzeln – und guckt dabei so unbeteiligt, als wären frischfrommfröhliche gemeinsame Wanderungen bei uns so normal wie chipskauende Big-Bang-Theory-Abende auf der heimischen Couch. Ich bin zwar dezent irritiert, nehme den Vorschlag aber dennoch maximalbegeistert an. “Wandern geht schließlich immer.” (Und wieder ein Taler in die Kalauerkasse.)

Aus Gründen, die sich mir zwar noch nicht ganz erschlossen haben, aber dennoch wohlwollend zur Kenntnis genommen werden, hat sich der Herr die Schluß-Etappe des Wiedweges ausgeguckt. Mir ist alles recht, Hauptsache man ist an der frischen Luft. Und immerhin liegt der Wiedweg quasi vor der Haustür (was clevere Lesefüchse bereits aus der Silbe “-wied” im Namen meines Wohnortes ableiten können) und ich bin bisher nur zufällig mal kleinere Wiedweg-Stückchen abmarschiert.

Die Etappe 8 startet in Datzeroth, und wir beschließen eine Anreise mit dem Bus. Als unerfahrener Omnibus-Rookie bestehe ich darauf, die Fahrpläne schon am Vortag akribisch zu studieren und Abfahrtshaltestelle und -uhrzeit genau zu eruieren. Der Herzmann beteiligt sich nur mässig enthusiastisch an der Reiseplanung – er wäre am Wandertag vermutlich einfach gemächlich zu irgendeinem der zahlreichen Schilder mit grünem “H” geschlappt und hätte den Busfahrer gefragt, ob er uns vielleicht bis Datzeroth mitnehmen könnte. Falls er zufällig in die Richtung fährt und es keine Umstände macht.
Mit so einem bohemehaften Laissez-Faire kann ich jedoch nicht arbeiten. Und so finden wir uns an diesem Morgen pünkt!-lich! 9:34 Uhr mit Klappstullen im Rucksack an der Bushaltestelle Molkteplatz ein. (Genauer gesagt – ICH mit Klappstullen und Rucksack und Getränkeflaschen. Der Herr hat’n Taschentuch und ‘ne Packung Kippen in die Hosentasche gestopft. Der ist ja eher genügsam.)

P1000952Am Startpunkt angekommen, weist uns das weiße “W” auf grünem Grund auch flott auf den rechten Weg, und wir stapfen los. “Ich hab’ den Weg extra ausgesucht, weil ich keinen Bock, ständig irgendwelche Berge hochzulatschen” verkündet mein Wandergefährte und augenblicklich zeigt ihm die Markierung eine lange Nase, indem sie den Richtungspfeil Richtung “Anstieg links oben” lenkt.
Der Herzmann rümpft die Nase. “Watt’n Scheiß!” Nun gut, man hätte das vielleicht im Vorfeld erahnen können, wenn man die Wanderwegbeschreibung gelesen hätte. Da war nämlich ziemlich eindeutig “Von Datzeroth führt der Wiedweg über einen schmalen Pfad den Hang hinauf” die Rede. Ich verkneife mir unter größter Mühe ein schadenfrohes Kichern und folge dem vor-sich-grummelnden Herrn den Berg hoch. Das kommt von dieser schlunzigen Planlosigkeit. Da steht man nämlich plötzlich vor unerwarteten Anstiegen, steht man da.
Aber ich sag’ nix.
Nix sag’ ich.
Gaar nix.

P1000959Wenige Augenblicke später könnte ich vor lauter Japsen noch nicht mal mehr was sagen, selbst wenn ich gewollt hätte, denn der Wiedweg hat mächtig Knack – und Mister No-Sports stapft im gleichen unfuckingfassbaren Stechschritt vorneweg, der mich schon beim Volkswandern im Mai fassungslos zurückgelassen hat. Aber die Ausdauergötter verteilen ihre Geschenke offensichtlich ziemlich wahllos.

Oben angekommen präsentiert sich der Wiedweg zwar optisch durchaus charmant, aber in himmelschreiend schlechtem Zustand. Das Holzgeländer, das wohl vor Jahren mal den Weg sichern sollte, liegt größtenteils in Einzelteilen auf selbigem herum und zahlreiche querliegende Baumstämme verwandeln das Wandern in einen Hindernislauf mit Kletterparcours. “Wir sind ja noch voll jung und beweglich und so” lügen wir uns selbst Zuversicht in die Taschen und kraxeln rutschend und leise fluchend über die hinderlichen Barrieren – immer den Steilhang Richtung Hauptstraße im Nacken, bzw. in der rechten Schulter. “Also, für so ‘ne klassische Wander-Rentnergang wäre das hier aber nix!” bemerkt der Herzmann treffend und zündend sich erstmal einhändig balancierend ‘nen Glimmstängel an. Soviel Zeit muss sein.

Auch wenn auf dem Weg tatsächlich zwischendurch immer mal wieder ein wenig landschaftliche Schönheit durchblitzt, bin ich mir langsam sicher, dass diese Art Rutschpartie nicht nur Wander-Rentnergangs nix ist, sondern auch für jungdynamische Wanderfrauen wie meinereiner. Nachdem der Holzstamm-Hindernislauf mehr oder weniger erfolgreich beendet ist, hat sich der Weg nun  auch noch einen grünbraunen Tarnumhang übergezogen – das ohnehin schon ziemlich schmale Pfädchen ist komplett von glitschigen Dornenbüschen und Brennesseln überwuchert, und wären nicht dennoch unübersehbare Wiedweg-Markierungen an die Bäume getackert, würden wir uns wohl “verlaufen” glauben. “Bestimmt wird’s gleich besser, das KANN ja nicht so weitergehen” sprechen wir uns Mut zu und hangeln uns mit klatschnassen Hosenbeinen und Brennessel-Pusteln an den Armen durch die wildwuchernde Botanik über rutschige Schiefersteine. Der Weg ist eigentlich noch nicht mal mehr als “unpassierbar” zu beschreiben, sondern schlicht und ergreifend nicht vorhanden. Da ist kein Weg mehr, bloss ein halsbrecherischer, glitschiger Abhang unter hüfthohen Dornenhecken. “Hier könnte Dornröschen von mir aus pennen bis sie schwarz wird, ich würd’ sie nicht retten kommen!” brummelt der Herr vor mir.

The Wanderqueen is not amused – ein Scheiß ist das hier, jawohl. “Da kann man sich echt übel auf’s Maul legen!” knurre ich orakelnd und lasse meinen Worten auch gleich Taten folgen, untermalt von wildem Gefluche und höchstempörtem Gekreische. Der Herzmann fischt mich zwar heldenhaft umgehend behende aus dem Dornbusch, wird aber dennoch erstmal kräftig ausgeschimpft. Für den schlechten Weg kann er zwar überhaupt nix, ist aber selbstverständlich trotzdem dran schuld. Nützt ja nix.

Ich würde ja gerne bockig mit dem Fuß aufstampfen, aber dazu isses zu rutschig. Mein Wander- und Lebensgefährte ist krisenerprobt (ich sag nur “15 Jahre”) und versucht sich in akzeptabler Lösungsfindung.

“Am besten gehen wir zurück und dann an der Wied entlang weiter!”
“Du spinnst wohl! Ich geh’ auf KEINEN Fall durch die Dornen zurück, das kannste vergessen!”
“Dann gehen wir vorsichtig weiter, der Weg wird bestimmt gleich wieder besser!”
“Glaub’ ich nicht, ich seh’ nur Dornen, soweit die Augen reichen! Ein Scheiß ist das!”
“Oder wir klettern hier einfach mal den Hang hoch, oben sind keine Dornenbüsche, vielleicht können wir da weitergehen.”
“Auf KEINEN Fall kletter’ ich hier einfach mal so im Unterholz rum, nachher verlaufen wir uns komplett und dann stehen wir doof da!”
“Hm. Also da weiß ich jetzt aber auch nicht mehr so richtig weiter.”

Armer Herzmann. Aber es hat ja niemand behauptet, dass das Leben fair ist.

Nach kurzem Beratschlagen und hysterischem “Nein! Scheiße! Auf keinen Fall!”-Gekeife meinerseits entscheiden wir uns zum vorsichtigen Weitergehen und nutzen die erstbeste Möglichkeit, uns rechts den Hang runter Richtung Wied zu hangeln und dort, zwar mit klatschnassen und dreckigen Klamotten, aber höchsterleichtert und “aaaah!”-end in der Sonne auf einem bekömmlichen Radweg Richtung Neuwied weiterzustapfen.

Bei der Laubachsmühle winkt uns auch wieder das weiße “W” – und hier können wir der Markierung auch wieder fröhlich folgen, denn ab hier geht der Wiedweg erstmal ein Weilchen mit dem Fürstenweg Hand-in-Hand. Und der ist nicht nur hübsch, sondern auch in allerbestem Zustand. In meiner grenzenlosen Herzensgüte gebe ich meinem Wandergefährten bei der Rast sogar eine Klappstulle ab, obwohl er schließlich vorher extra und aus reiner Boshaftigkeit den Wanderweg mit Dornenhecken zugepflanzt hat.

Ich bin ja nicht nachtragend.
(Er zum Glück auch nicht.)


Epilog: Weitere Fotos von der Strecke gibt’s nicht, weil ich die Kamera vor Einstieg in die Dornenhecke sicherheitshalber in den Rucksack verstaut und danach aus lauter Frackigkeit nicht wieder rausgeholt habe. Wenn man den Anstieg hinter Datzeroth aber einfach umgeht und bis zur Laubachsmühle auf dem Radweg entlang der Wied spaziert und erst ab dort wieder dem Wiedweg folgt, kann man sich vollkommen gefahrlos selbst ein Bild der durchaus schönen Wanderstrecke machen.