Der unglaublich talentierte Mr. Tigley

“Hinter der Maske des Clowns verbirgt sich oft ein größerer Künstler, als man geneigt ist zu glauben. ”
(Germund Fitzthum)


KratzbaumtigerMein heißgeliebter Kater Herr Tiger ist ein stets gutgelaunter, herzensguter Spaßvogel mit sonnigem Gemüt, für den die ganze Welt ein spannender Abenteuerspielplatz zu sein scheint. In seinem plüschigen Köpfchen flattern garantiert bunte Schmetterlinge herum und in seinen Hirnwindungen wachsen bunte Blümchen. Angesichts seiner unbekümmerten Heiterkeit und der leichten Tolpatschigkeit habe ich ihm recht schnell ein eher schlichtes Gemüt unterstellt, sprich: Herr Tiger ist bildschön und stets vergnügt und heiter – aber nicht allzu schlau. Untermauert wurde diese Theorie dadurch, dass er schon mal gerne mit Schmackes vor ein geschlossenes Fenster wummst, wenn draußen ein Vögelchen vorbeiflattert oder dass er verzweifelt maunzend und hilflos vor dem Leckerchen-Spielbrett hockt, während seine weiblichen Mitbewohner die begehrten Naschereien geschickt mit einem einzigen Pfötchengriff aus den Verstecken angeln.

Die Fähigkeit zu ausgeklügelten Mäusejagden, wie sie die Killermarie in vollkommener Perfektion beherrscht, scheint ihm auch komplett abzugehen – ein einziges Mal hat er wohl eher durchs Zufall eine (vermutlich mit einem Lemming verwandte) Maus in seinem Maul mit in die gute Stube gebracht. Nachdem er seine Beute aus dem Zahngefängnis befreit und  unter dem Wohnzimmertisch abgelegt hat, hat ihn diese lautstark und vollkommen empört angequietscht. Vor Schreck über diese akkustische Attacke hat er entsetzt die Flucht ergriffen und sich unter meinem Bett verschanzt, bis ich den bösen, bösen und mordsgefährlichen Nager eingefangen und nach draußen gebracht habe. Erst dann hat er sich wieder runtergetraut und selig mit seinem geliebten Plüschmäuschen Fangen gespielt.

Das er allerdings  dennoch durchaus Talent zum durchtriebenen, überlegten Handeln hat, habe ich ja schon ausgiebigst im Text “Guten Morgen, es ist 5.00 Uhr, sie wollten geweckt werden!” bejammert. Um mich von der nächtlichen Horizontalen in die Küche zum Anrichten des Katerfrühstücks zu bewegen, ist er nämlich doch recht ausgefuchst..ähm..ausgekatert. Hunger macht eben erfinderisch.

Nach einer Weile habe ich mir angewöhnt, an freien und somit ausschlaf-fähigen Tagen Ohrenstöpsel  griffbereit auf meinem Nachtisch zu lagern – und wenn sich nun das miezische Weck-Geschwader auf leisen Samtpfötchen (Fritzi) und unter elefantösem Gepolter (Herr Tiger) nähert, um mich aus dem Bett zu mobben, greife ich flugs zum Wachs-Stopfen und mache den Gehörladen dicht. Derart abgesichert kann ich dann meistens noch ein seliges Stündchen schlummern, während sich Herr Tiger vollkommen umsonst mit seinem Krawallprogramm abmüht.  Weil – ich hör’ ja nix. Ätschbätsch.

Allerdings habe ich doch tatsächlich die Rechnung ohne den Kater-Wirt gemacht – und hier kommt der Punkt, an dem ich meinem Tigerchen Abbitte dafür leisten muss, dass ich ihm jemals auch nur einen klitzekleinen Mangel an Intelligenz unterstellt habe. Nachdem ich die Oro-Praxis einige Male erfolgreich durchgezogen und so meinen wohlverdienten Nachtschlaf verlängert habe, wurde ich eines Morgens von einem zweifachen “Plock!” geweckt. Kurz danach beginnt ein plüschiger Medizinball, auf meinem Bauch herumzuspringen und lautstark “Aufstehen!! FRÜHSTÜCK-MACHEN!” zu maunzen. Was’n das nu? Normalerweise hört man den Tiger-Elefanten doch schon von weitem die Treppe hochdonnern. Schlaftrunken taste ich nach meinen wächsernen Schallschutzmauern auf dem Nachttisch, aber nix…wo sind die Mistdinger? (Währenddessen spielt Herr Tiger extra lautstark Fangen mit einem Gürtel, den ich über dem Stuhl abgelegt habe. So eine Metallschnalle kann schon ganz wunderbar poltern auf einem Holzfußboden. Eine gute Wahl.) Ich taste die Tischplatte ab, aber die Oropäxe sind fott.
Nachdem ich das Licht angemacht habe, finde ich die beiden Teilchen auf dem Fußboden – und jetzt wo ich eh schon glockenwach bin, kann ich ja auch aufstehen und das Katzenfrühstück anrichten, was die Miezenschaft wohlwollend zur Kenntnis nimmt.

RingeltigerNachdem sich dieses Szenario am nächsten (freien! ausschlaf-fähigen!) Morgen wiederholt, dämmert mir die Erkenntnis, dass mein beeindruckend bauernschlauer Katzenmann sich ganz gegen sein Stolper-Polter-Naturell auf lautlosen Pfötchenzehenspitzen meiner Bettstadt genähert und ganz leise die Oropaxe vom Nachttisch gefegt hat, bevor er mit seinem gewohnten “Waking-up-the-serving-maid”-Programm beginnt. Auch wenn ich mir jetzt eine neue Vorgehensweise überlegen muss, um am Wochenende noch ein, zwei Stündchen zum Ausschlafen ergattern zu können, bin ich doch ganz schön beeindruckt von der tigerschen Kombinationsgabe. “Schlichtes Gemüt”, my ass.

Somit bestätigt sich wieder eine der zahlreichen Erkenntnisse, die ich seit Eintritt in die miezische Leibeigenschaft gewonnen hab:  “Unterschätze niemals eine Katze!”


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7 thoughts on “Der unglaublich talentierte Mr. Tigley

  1. Frau Fröhlich

    *gröööööhl* also deine anfängliche Beschreibung vom Tiger lässt sich zu 100 % auf unser Blondchen Yuri übertragen :mrgreen: Blümchen und Schmetterlinge im Hirn, vor sich hinstarren und dem Rauschen in den eigenen Ohren lauschen und dabei ein Gesicht aufsetzen, als wäre man auf Droge *ggg*. Er ist auch nicht die hellste Kerze auf der Torte. Allerdings hat er im Gegensatz zum Tiger noch nicht durchblicken lassen, dass der GöGa und ich uns gewaltig in ihm täuschen. 😉 Und nach 14 Jahren kommt das auch glaub ich nicht mehr *ggg*.
    LG Frauke

  2. wortgestoeber

    Hallo Daniela,
    wir haben uns köstlich amüsiert dein Tigerchen ist eindeutig schlau.Unsere Samtpfote schickt uns abends ins Bett , sie will ihre Katzenleckerchen zur Nacht , morgens weckt sie Pünktchen damit die Frühstück macht wovon Katz was abhaben will(dafür muss Katz allerdings erst mal was tun)
    LG Wortgestoeber

  3. Ariana

    Ich musste so schmunzeln, als ich das gelesen habe. In den letzten 4 Wochen habe ich auf die Katze meiner Schwester aufgepasst – und die war auch seeeehr schlau, wenn es darum ging, mich um 4 Uhr aus dem Bett zu holen 🙂

    Ganz liebe Grüsse
    Ariana

  4. Ilona

    Na, das kann ich toppen. Mir wurden die Dinger schon ein paar Mal aus den Ohren gezogen – da kommt dann ein Näschen, schnuppert in meinem Gesicht rum, dann kommt ein Mäulchen und schwupps hat man den Oropax rausgezogen 😀

    Mein Katerchen ist übrigens auch ein extra-tollpatschiger, weshalb ich ihn auch immer etwas unterschätzt hatte. Bis er anfing, Türen zu öffnen :-/

  5. Michaela

    Böser Fehler (s)ein Katertier (oder Mieze) zu unterschätzen 🙂 🙂

    Danke für diese tolle Geschichte – somit hat die Woche schon mal gut angefangen. Haahhh – und dank Mohrbrief bin ich jetzt immer up to date

    Euch auch einen schönen Wochenanfang
    Liebe Grüße, Michaela mit den Fellindianern

    übrigens Yuma hätte die Stöpsel einfach gefuttert 😉

  6. Terragina

    Was für eine Story am frühen Morgen – ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen. Wie kannst Du auch nur denken, dass das Katertier den Zusammenhang zwischen den gelben Stöpseln und seinem Guten-Morgen-ich-will-mein-Futter-Getue nicht versteht… tz tz tz!

    Aber jetzt bist Du ja schlauer – also die Oropäxe zukünftig lieber unsichtbar verstauen, vielleicht ist eine Schublade in der Nähe? Ich muss auch immer die ein oder andere Kleinigkeit dort hinein legen, weil ansonsten auch bei uns einiges vom Nachtisch gefegt wird. 😉

    Liebe Grüße & eine schöne Woche wünsche ich Dir,
    Kerstin

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