[mohrlaufen] Zimtzucker und Krokant im Getriebe

IMG_0857Vor Beginn meines Adventsmohr-Backmarathons hätte ich (blauäugigerweise) nie vermutet, wie rasend schnell man sich doch in einen kurzatmigen Walfisch verwandeln kann, wenn man nur ein paar lumpige Wochen sein Sportprogramm fast auf Null runterschraubt, sich dafür aber täglich ausgiebigst mit der Herstellung (und vor allem Verkostung) von Zuckrigem und Fettigem beschäftigt. Zum Glück kann ich die Gewichtszunahme nicht in Zahlen benennen, weil ich keine Waage besitze, aber da mir mein Hosenbund mittlerweile dramatisch die Luft abschnürt und mir beim Hinsetzen die Augen rausquellen wie einer Comicfigur im Schockzustand, werden sich wohl schon einige Schwimmringe aus Mürbteig auf meiner Hüfte angesammelt haben. Auch meiner nervigen Knie-Malaise scheint der Bewegungsmangel nicht gut zu tun, was sich in Anlaufschwierigkeiten nach langem Sitzen und Druckschmerz ausdrückt. Wenngleich auch die zickige Knie-Diva seit Beginn des Jahres vor allem bei längeren Läufen hysterisch meckert – “gar nix tun” verzeiht sie mir dann halt eben auch nicht. “Wer rastet der rostet” bestätigt sich doch immer wieder aufs Neue.

Grundsätzlich bin ich ja eher optimistischer Natur, aber höchstvermutlich wird der Erlös aus dem Adventsmohr weder für ein ultramarathontaugliches künstliches Kniegelenk noch für eine modische-aparte neue Winterkollektion in XXL-Größe reichen – also muss das in Zimtzucker eingerostete Fleisch dringend mal wieder bewegt werden. Und auch meiner Hirnstube kann es mal nicht schaden, wenn sie ein wenig Input fernab von “Ob wohl Pflaumenmus als Füllung für Schokokekse taugt?” bekommt.

Zum Glück hat der Bund meiner Laufhose einen elastischen Gummizug, so dass ich mich fast ganz ohne Atemnot bücken kann, um mir die Laufschuhe zuzubinden. Von diesem ersten Erfolg beflügelt, denke ich kurz darüber nach, es an dieser Stelle für den Anfang gut sein zu lassen und an den Backofen zurückzukehren, schließlich wurde Rom auch nicht an einem Tag gebaut und morgen ist ja auch noch einer. Aber wo ich nun schon mal drin bin in den Funktionsklamotten, machen ein paar Laufkilometer den Bock jetzt auch nicht mehr fett. Im Gegenteil.

Die ersten Laufschritte fühlen sich sich an, als würden mir nicht bloss Zimtzuckerwölkchen, sondern gleich ganze Kandisbrocken aus den morschen Gelenken rieseln und ich könnte schwören, auf den ersten Metern eine Spur aus Bourbonvanillezucker hinter mir herzuziehen. Meine Lungenflügel scheinen mit Karamellsirup ausgekleistert und an den Beinen hängen gefühlt mindestens zwölfzig Christstollen. Meine Gesamtkonstitution ist nur mit einem Wort zu beschreiben: De!-sas!-strös!
Von wegen “Kohlenhdydrate sind ja so wichtig für Ausdauersportler”. Am Arsch, ey! Nix’ iss!

Im Schutze der frühen Dunkelheit wage ich ein paar Alibi-Liegestützen an einer Bahnübergangsschranke, um meine verbliebende Muskelkraft zu checken – aber auch hier scheint es, als wäre mir bloß der Quarkteig für den Mohnstollen in die Oberarme gerutscht.
Heilige Von-Nix-kommt-Nixia, steh’ mir bei.
Ich bin ein Mürbteigwrack. Mit Zuckerguß.

Reumütig schwitzend kehre ich an diesem Abend an den Ofen zurück, um in der Zielgeraden des Backmarathons “nur schnell” noch ein paar Mohnkekse zu backen und Amarettokugeln zu rollen. Aber ich schwöre bei den Zimtgöttern –  sobald alle Adventskalender-Rezepte in trockenen Tüchern bzw. TÜRCHEN sind, wird der schwabbelige Quarkteig an meinen Knochen wieder in straffe, knackige Lebkuchen verwandelt.
Schmackofatz und fette Beute!


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7 Gedanken zu „[mohrlaufen] Zimtzucker und Krokant im Getriebe

  1. Frau Fröhlich

    Ich hatte zwar keinen Backmarathon in den letzten Wochen mit reichlich Probeessen, aber Dank langer Krankenhausbesuche bei der Mutti fiel Kochen gerade unter der Woche dermaßen oft aus, weil der GöGa es nicht kann und es stattdessen abwechselnd Pizza, Burger und Co. gab. Dazu so gut wie gar keine Bewegung (mehr als Walken oder Spazieren mache ich ja sonst zwar auch nicht) und ich pfeife zur Zeit aus dem letzten Loch, wenn ich Einkäufe oder die Wäsche in den 2. Stock schleppe. Das muss sich ganz schnell wieder ändern !

    Und da wir ja jetzt von diversen Pflichten befreit sind, steht ja mehr Bewegung eigentlich nix mehr im Wege … außer dem inneren Schweinehund. 😉

    LG Frauke

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  2. Steif

    Dabei ist die Zielgerade, oder sollten wir besser sagen, der Weg bis zur Startlinie?, also in jedem Fall bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Völlerei und Esserei endlich vorbei ist, noch satte 52 Tage lang! Ich habe gestern mit einem beherzten Kniff in die Seite zu verstehen bekommen, dass ich auch mal wieder einen Gang zurück schalten muss und den Sport-Verbrennungsofen öfters und regelmäßig anschmeissen soll. Und das jetzt, in der dunklen und schmuddeligen (von kalt kann man ja gerade nicht reden) Jahreszeit! Für solch dezente Hinweise liebt man doch seine Partnerin! 🙁

    Mitleidende Grüße aus dem Norden

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  3. Das Pulsmesser

    Ich habe ein wenig Bedenken, ob diese Glosse dem Absatz des Adventsmohren-Kalenders zuträglich ist. Die Wandersmännin ist möglicherweise nicht zwangsläufig auch eine Geschäftsmännin.
    Da ich in weiser Voraussicht also von einer Bestellung absah (hätte ohnehin eine Beckerin mitbestellen müssen), werde ich nun nie erfahren, ob das Backwerk so köstlich ist wie dein Blog-Beitrag.

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  4. wortgestoeber

    Hallo Daniela,
    Du hast recht, ich habe es auch nicht geglaubt. Aber ein paar mal “gesündigt” und schon hat man wirklich Kummer mit Rock/Hosenbund.
    Ich habe das auch erlebt ein Auftrag nur ein” bisschen”probiert ,macht ja nix….. macht eben doch was..
    Ich wünsche dir viel Glück das schnell wieder runter zu kriegen…ehe die nächste Zimt und Kandis orgie startet.
    LG Wortgestoeber

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  5. Terragina

    Ach liebe Dani,

    ich würde Dich ja gerne aufbauen und trösten, aber erstmal muss ich Dir schreiben, dass ich hier (Lach-)Tränchen in den Augen habe aufgrund dieses genialen Berichtes. Wie Du schon schreibst – Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, also mute Dir nicht zu viel zu und geh` es langsam an. Und in Anbetracht dessen, dass die eigentliche Weihnachtszeit ja erst noch kommt, solltest Du vielleicht nochmal den Zeitpunkt für die Mürbeteiggring-Abbau-Phase überdenken…

    Ganz liebe Grüße,
    Kerstin

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