Weg-mit-dem-Amaranth-Brot

AmaranthbrotKürzlich habe ich mit meinem Lieblingslieferanten über unser jeweiliges Einkaufsverhalten gesmalltalked, und dabei festgestellt, dass wir Beide die gleiche Form der Nahrungsmittelbevoratung praktizieren: Obwohl der Vorratschrank sich fast schon durchbiegt, werden ständig neue Tüten Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte und Konservendosen dazugequetscht, damit “immer was da ist”. So sind wir für den Fall einer spontanen Zombie-Invasion bestens gerüstet und können fröhlich Nudeln mit Soße futtern, während sich der Rest der Menscheit auf der gefährlichen Suche nach Nahrung in den Supermärkten von den Untoten das Hirn wegfressen lassen muss. Grundsätzlich ein beruhigender Gedanke.

Aber die First-in/Last-out-Methode bei der Vorratsvernichtung führt nicht selten dazu, dass weit hinten in den Untiefen des Schrankes zahlreiche Lebensmittel ein Schattendasein führen und unweigerlich dem Verfallsdatum entgegengequetscht werden – und diesen “forgotten foods” werde ich mich ab jetzt regelmäßig widmen. Das führt zum einen zu mehr Platz im Schrank und ein besseren Überschaubarkeit, zum anderen evtl. zu neuen Rezepten. (Dass dieser Beschluss auf den Jahreswechsel fällt, ist reiner Zufall und keinesfalls als “guten Vorsatz” zu werten. Nur fürs Protokoll.)

Tapfer strecke ich also heute blindlings meinen Arm tief in die knisternden Tüten und Dosen und fische eine Tüte Amaranth heraus. Äh! Dieses Powerkorn gilt ja als quietschgesunde Eiweiß- und Nährstoffbombe, enthält alle essentiellen Aminosäuren – und ist leider gar nicht mal so lecker. Gekocht bekommen die Körnchen einen leicht schleimigen Touch und mit dezent-muffigem Geschmack. Da kann’s von mir aus ach!-so-gesund sein…nein, nein, meine Amaranth-Suppe ess’ ich nicht! Und genau deswegen dümpelt die Tüte auch vergessen im Vorratskammer-Hinterbereich: Frau Mohr im Bioladen: “Oh! Amaranth! Voll gesund! Kauf ich!” – Zuhause: “Öhm. Aber eigentlich mag’ ich das gar nicht. Naja. Ich stell’s mal in den Schrank.”

Aber Backen – das wäre vielleicht eine Maßnahme. Von Amaranthmehl habe ich schon öfter bei der Lowcarb-Fraktion gelesen und außerdem ist ohnehin kein Brot mehr da. Also, los geht das!

Weg-mit-dem-Amaranth-Brot

Zutaten:
100 g Amaranth
100 g Dinkelkörner
300 g Dinkelmehl Typ 630
ca. 240 – 250 g. Kerne/Saaten nach Geschmack (bei mir waren es 130 g Sonnenblumen- und 120 g Kürbiskerne)
2 TL Salz
2 EL Apfelessig
1 EL Ahornsirup (alternativ: Agaven- oder Apfeldicksaft, Zuckerrübensirup o.ä.))
2 Tütchen Trockenhefe (oder 1 Würfel Frischhefe)
1/2 TL Koriander (ein Versuch, den Amaranthmuff zu übertünchen – lieber hätte ich Brotgewürz oder Schwarzkümmel genommen, aber nun. Ist ja kein Vorratskammer-Wunschkonzert.)
500 ml lauwarmes Wasser

Ab in den Terrormix!
Amaranth und Dinkelkörner in den Mixtopf geben und 20 Sekunden auf Stufe 10 mahlen.
Die anderen Zutaten zugeben und 4 Minuten auf Teigknetstufe miteinander vermixen. Danach nochmal 5 Sekunden auf Stufe 4 durchrödeln.

Und ohne Terrormix?
Da muss man zuerst mal eine Möglichkeit finden, die Amaranth-u. DinkelKörner zu mahlen…das geht im Vitamix, der Getreidemühle und vermutlich auch mit anderen High-Tech-Foodprozessoren. Oder der guten alten Handmühle. Die Möglichkeiten sind mannigfaltig – am Ende sollte halt einfach Mehl dabei rauskommen.
Falls frische Hefe verwendet wird, diese in einer Schüssel im lauwarmen Wasser auflösen – Trockenhefe kann einfach so untergejubelt werden und muss nicht angerührt werden.
Alle anderen Zutaten in die Schüssel geben und alles mit dem Mixer (Knethaken) gut durchkneten.

So oder so ist der Teig recht flüssig.

Eine Kastenform *) einfetten und mit Haferflocken, Sesam, Semmelbröseln (oder was auch immer man in den Tiefen des Vorratsschrank findet und was wegmuss) ausstreuen. Den Teig gleichmäßig in der oder den Formen verteilen, den Ofen auf 200 Grad einstellen (Ober- und Unterhitze) und das designierte Brot in den kalten (!) Ofen stellen (nein, es muss wirklich nicht vorgeheizt werden und nein, der Teig muss vorher nicht aufgehen).

Für den “kontrollierten Aufriss” (ich muss bei der Formulierung immer an Online-Dating denken – wer noch?) das Brot nach ca. 10 Minuten Backzeit mit einem scharfen Messer der Länge nach anritzen (nicht zu tief, nur oberfächlich…wie beim Online-Dating).
Insgesamt ca. 60-70 Minuten backen lassen – bis das Brot beim Klopfen hohl klingt (Online-Dating?) oder man eben glaubt, dass es fertig gebacken ist.

Und dann aufschneiden und auffuttern. Das Brot schmeckt tatsächlich ziemlich lecker und bleibt in einer Papiertüte auch ein paar Tage knusprig. Auf dem Foto ist das Brot übrigens mit einer Paste aus von-Silvester-übrigen Rosmarinkartoffeln, 1 EL Tomatenbutter und einem TL Öl belegt. Aus der Reihe “Nur nix verkommen lassen”. Sehr lecker!

Mit einem tiefen Seufzen habe ich gestern allerdings noch ein zweites Päckchen Amaranth im Schrank gefunden – auch wieder 500 g. Da würden wohl noch einige Brot fällig. Wer also ein gutes Weg-mit-dem-Amaranth-Rezept hat – immer her damit. Ich hätte Bedarf.

*) Ich hatte den Teig bei der Testbäckerei auf 2 Kastenformen á 20 cm Länge verteilt, da wurde das Brot recht flach. Besser wäre dann wohl eine einzige Form in 30 cm Länge.


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14 Comments

  1. Guten Morgen,
    hab mich köstlich amüsiert über das geschrieben! Im positiven Sinn!! Es ist immer wieder interessant und auch lehrreich.
    vielleicht ein Tipp, habe ich aber noch nicht ausprobiert! (steht noch auf meiner, zugegeben viel zu langen, to do Liste) bei Chefkoch gibt es ein “Rezept” zum Amaranth bzw. Reis poppen in der Pfanne.
    Ich persönlich habe das Glück bei meiner Arbeit eine Getreidemühle zu benutzen, das mach ich dann immer. Denn meine “Antikörner-Fraktion” zuhause mag lieber feingemahlen. Naja ab und zu müssen sie auch in Körner beissen., lach.
    Wünsch euch noch einen schönen Sonntag

  2. Ich misch Amaranth in den Sojajoghurt (dazu noch Früchte, Haferflocken, Chiasamen, Nüsse.. was man so mag), da schmeckt man ihn eigentlich nicht raus 🙂 Ansonsten kann man ihn auch mit Zarbitter überzogen zu Riegeln backen, finde ich persönlich lecker und ist auch sehr unschleimig :B

  3. Da ich auch noch eine größere Menge Amaranth gefunden habe und das Experiment “selber poppen” heute morgen gescheitert ist, habe ich jetzt dein Brot im Ofen. Allerdings habe ich die Körnermenge (nur 100 g Sonnenblumenkerne) verringert und dafür 50 g mehr Dinkel genommen. Bin gespannt…. Riechen tut es schon mal gut!

    • So! Experiment geglückt! Die ganze Familie fand das Brot sehr sehr lecker, darum wird es jetzt gleich nochmal gebacken… Allerdings lief mir das Brot über aus der 25 er Kastenform 🙁
      Und ja, meine “Körnermuffel” hatten nicht mal was gegen die Sonnenblumenkerne einzuwenden, darum darf ich heute ein paar mehr reinmachen!!!

      Danke nochmal für das tolle Rezept, das wird es jetzt bestimmt öfter geben!

      Gruß Juliane

  4. Namentlich bekannt, aber gegessen habe ich Amaranth noch in keiner Form. Aber das Brot sieht wirklich gut aus.

    Ich gehöre übrigens eher zur Sorte “kaufen, wenn es gebraucht wird”. Hat aber wahrscheinlich auch damit zu tun, dass unsere “Speisekammer” nicht so riesig ist *ggg*.

    LG und ein schönes Wochenende für dich.
    Frauke

  5. ich mag ja amaranth gerade weil der brei so schleimig – sagen wir mal besser cremig – wird! aber falls du quinoa magst, kannst du beides mischen und so den geschmack etwas übertünchen.
    das brot sieht ganz toll aus, so kontrolliert gerissen 😀
    lieben gruß, susi

  6. Hallo und danke fürs Rezept!
    Frage zum Amaranth-mahlen – das habe ich schon mal probiert, so richtig mehlfein wurde das bei mir nicht … Kriegst du im Thermomix die Kügelchen richtig fein gemahlen?

    • Nein, so richtig puderfein wird’s nicht – aber da ich die Körnchen zusammen mit dem Dinkel mahle, bilde ich mir zumindest ein, dass es feiner wird als “solo”.

      Ich versuche beizeiten mal, eine größere Menge Amaranth im Terrormix zu vermahlen und werde berichten 😉

      • Danke dir für die Antwort! Ich hatte die Amaranth-Lebkuchen gemacht und da sollte das A. auch gemahlen werden und ich habe das als unzureichend empfunden, wobei mein Omniblend sonst schon gut arbeitet. Demnächst müsste endlich mein Thermomix kommen, dann kann ich vergleichen.

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