[mohrlaufen] Der Schlüssel zum Glück

„Das größte Glück und das höchste Unglück sind nur kleine Abweichungen von dem Gewöhnlichen.“
(Johann Wolfgang von Goethe)


Vermutlich kennt jeder solche Tage, an denen sich scheinbar das gesamte Universum gegen einen verschworen hat und alles schiefläuft – und dann gibt es Tage, an denen man mal so einfach richtig dolle Glück hat und die sind eigentlich viel erwähnens- und feiernswerter, denn Pech ist öde und bringt schlechte Laune. Glück dagegen ist…ach, wem sag’ ich das.

Als ich gestern meine Blechkutsche am Waldparkplatz abstelle und meine müden Mauken (und den ganzen Rest, der da so dranhängt) in den Forst schiebe, habe ich eigentlich noch das Gefühl, einen gebrauchten Tag erwischt zu haben, der nur stotternd und ächzend in Gang gekommen ist und so einige Fehlzündungen in Form von Nervige-Kopfschmerzen / Verdammt-kein-Brokkoli-mehr-da-im-Gemüseladen / Matschige-Katzenpfötchen-auf-dem-Teppich im Gepäck hatte.

Aber bekanntermassen hilft Laufen ja fast immer gegen Miesepeterei, und die volle Wald-Dröhnung zeigt auch dieses Mal flott ihre Wirkung. Zartglitzernde Puderzuckerflöckchen in der Botanik, vorbeihuschende Rehlein, alles Wölkchen. Das Leben ist schön. (Bzw. “Ausverkaufter Brokkoli ist kein Drama, dann gibt’s halt stattdessen Blumenkohl, jetzt reiß’ dich mal zusammen, Frollein!”)

Gegen Ende der Waldlauferei bemerken meine tastenden Finger im Gesäßtaschenbereich eine gähnende Leere an der Stelle, wo eigentlich der Autoschlüssel hätte stecken sollen. WATT?! MEIN SCHLÜSSEL IST WEG!! Hektisch befummele ich mein komplettes Laufoutfit, aber nüscht…das Teil bleibt verschwunden. Ich tue das, was ich am allerbesten von allen Dingen auf der ganzen Welt kann: Erstmal kräftig fluchen! Verfickte Kackscheiße!
Mein erster Impuls lässt mich beinahe auf dem Fuß umdrehen, um die komplette Runde wieder zurückzulaufen und das gute Stück zu suchen. Aber mein Verstand tippt mir zaghaft auf die Schulter und schlägt vor, erstmal zum Auto zurückzutraben. Die Wahrscheinlichkeit, dass mir der Schlüssel auf den ersten Metern beim hampeligen “Schört-inne-Bux-Stopfen” oder “Schuhe-Zufriemeln” aus der Tasche gehüpft ist, ist doch höher als die, dass er während des Laufs bei meinem gemächlichen Trimmtrab ohne nennenswerte Bocksprünge oder sonstige außerschlurfschrittmäßige Bewegungen rausgerutscht sein könnte. Ich pflichte meinem Verstand bei. Das ergibt Sinn. Und in Panik verfallen kann ich dann ja immer noch.

Wie immer zeigt sich, dass Zeit äußerst dehnbar ist – denn auch auf dem winzigknappen letzten Kilometer zum Auto können einem gut zwölfzigtausend Gedanken durch den Kopf rauschen. Denn der Umstand, dass sowohl mein Geldbeutel wie auch mein Smartphone IM Auto liegen, welches mitten im menschenleeren Wald parkt, bringt doch einige Denksportaufgaben mit sich. Ohne Telefon keine Hilferufe Richtung Herzmann, ohne Geld kein Taxi, ohne nix kein Garnix. Schöner Mist. Und kein einziger Spaziergänger weit und breit. Ist ja mal wieder typisch – wenn man EINMAL einen hilfsbereiten Passanten brauchen könnte, liegen alle mit ihrem faulen Popo daheim auf der Couch. Hätte ich doch bloss den Laufgürtel genommen, da wäre nix rausgerutscht. Hätte ich bloß mein Smartphone eingesteckt, so wie es mir meine Freundin Ruth immer predigt.
Hätte, hätte, Fahrradkette, am Arsch. Nützt ja jetzt auch nix.

SchluesselDie Überlegung, dass am Ende ein nicht-ganz-so-guter Mensch den Schlüssel gefunden und fröhlich mit dem dazugehörigen Auto von dannen gebraust sein könnte, begeistert mich ebensowenig wie die Aussicht, jetzt noch stundenlang im nassgeschwitzten Funktionsgewand durch den einsetzten Schneeregen im Forst herumkrabbeln und das doofe Dings suchen zu müssen. Als mein Auto sich in Sichtweite drängt, beginnt mein Herz nun doch ein wenig hysterisch auf- und aufzuspringen und ich überlege, wann nun der richtige Zeitpunkt wäre, um in kopflose Panik auszubrechen. Doch kurz vor dem Startschuß zum kindischen Tobsuchtsanfall sehe ich etwas im Matsch in der Sonne glitzern und…ach, da liegt er! Schlüsselhorrido! Brav und artig schlummert der schwarze Plastikbrocken direkt vor meinem Kofferraum, ungeklaut und unversehrt.

Das hätte ins Auge gehen können, Frollein Mohr! Jetzt aber mal hoch die Mundwinkel, hier!
Und die Moral von der Geschicht? Lauf niemals ohne Einen-Klitzekleinen-Notgroschen (und einem Zettelchen mit der Handynummer des Herzmanns) nicht, pass’ auf dass der Reißverschluß der Popotasche ordentlich verschlossen ist.
Und wichtigsten: Freu’ dich, dass du echt mal so richtig dolle Schwein gehabt hast.

Ist gut – das mach’ ich!


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17 thoughts on “[mohrlaufen] Der Schlüssel zum Glück

  1. Laura

    In Schlüssel wegschmeißen bin ich auch sehr gut, ich laufe aber meistens auf dem elektrischen Laufband und wenn ich den Schlüssel dort verlieren sollte, dann finde ich den immer wieder ;-))

    LG

    Laura

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  2. Frau Fröhlich

    Oh, das sind die Momente, in denen man tausend Tode stirbt *uff*. Wie gut, dass der Schlüssel noch da lag und du ihn vor allem gefunden hast.

    Ab jetzt nie mehr ohne diesen Laufgürtel. 😉

    LG Frauke

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  3. Marlene

    Schlüssel nicht finden, Geldbörse nicht finden …. da steigt Panik auf.

    Ich brauche sogar für Taschen ein Navigationssystem .
    Nicht weil da so viel Platz drin oder ich so viel Klims darin habe, ich übersehe darin einfach Sachen.

    Ist ja noch einmal gut ausgegangen. Vielleicht ganz gut, dass alle faul auf der Couch gelümmelt haben 😉

    LG
    Marlene

    Antworten
  4. Sascha

    Oh Mann…Glück gehabt! Beim Lesen kam mir SOFORT der Gedanke dass du dusselige Kuh ja den tollen Formbelt daheim hast. So toll das Ding auch ist, daheim verfehlt es total seine Wirkung. Weißt du ja jetzt fürs nächste Mal 🙂

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    1. mohrblog Beitragsautor

      DUSSELIGE KUH? Ich helf’ dir gleich 😉
      Naja, aber recht haste. War mir jetzt auch hoffentlich ‘ne Lehre.

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Puh – ich bin in dieser Diszplin ja noch Anfänger…und wegen mir kann das auch gerne so bleiben 😉

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  5. Pingback: Ernährungs- und Fitnessblogs am Sonntag, 17.01.2016

  6. Ariana

    Wie gut, dass Du den Schlüssel so rasch wieder gefunden hast! Deine ganzen Gedanken kann ich soooo gut nachvollziehen.
    Mir ist es einmal passiert, dass ich ihn im Herbstlaub beim HIIT Training (wohlgemerkt immer wieder mal einen Kilometer laufen, dann ein paar Übungen – dann wieder laufen…) verloren hatte und an sämtlichen dieser Orte im Laub nach dem Ding suchen musste. Ohne Handy und Geld wäre mir nur die Möglichkeit geblieben, 12 km zu meinen Eltern zu laufen und dort den Ersatzschlüssel zu holen. Zum Glück fand ich ihn dann aber doch noch – seither teste ich während des Laufs immer nonstop, ob er noch da ist 😉

    Liebe Grüsse
    Ariana

    Antworten
    1. mohrblog Beitragsautor

      Puh – auch nicht schlecht 😉
      Ja, ich hoffe, das wird mir zumindest eine Lehre sein. Am Ende ist ja alles immer für irgendwas gut 😉

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  7. Christian

    Wie gut ich das kenne und wie schön Du die konfusen Gedanken beschrieben hast, Danke. Ich laufe deshalb in 99% von der Haustüre aus los und am besten ohne Schlüssel…da kann ich mir die Gedanken sparen 😉

    Salut

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Blöderweise ist Neuwiedropolis “vor der Haustüre” so hässlich und deswegen muss ich erstmal ein bisschen in den Wald brausen, wenn es ich hübsch haben will.
      Aber in 15 Laufjahren ist mir das zum Glück noch nie passiert mit dem Schlüssel…also…hab’ ich jetzt auch wieder 15 Jahre Ruhe und werd’ nix verlieren. Außer dem Verstand 😉

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  8. Andrea

    Uahh, das erinnert mich sehr an eine Geschichte aus Jugendtagen!
    Ich schweife ca. 25 Jahre ab, Trainingslager in Dänemark, dort wo Autos am STRAND geparkt werden können *du ahnst es schon?*.
    Wir laufen unsere 10km am Strand, als meiner Freundin plötzlich auffiel, dass der Autoschlüssel des Trainers verschwunden war.
    Alles sind wir wieder abgelaufen, aber er blieb – im Sand – verschwunden.
    Der Ersatzschlüssel war in Deutschland geblieben und so mussten wir zusehen, dass das Auto vor der nächsten Flut erst mal abgeschleppt wurde.

    Seitdem verreise ich nie mehr ohne Ersatzschlüssel im Gepäck!

    LG
    ANdrea

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Oh je, wie übel. Das ist dann aber wirklich der absolute worst case!
      Aber immerhin lernt man ja meistens was draus…ich werde wohl auf jeden Fall mal einen Ersatz-Hausschlüssel irgendwo deponieren. Ins Haus wäre ich ja auch nicht mehr reingekommen, lag ja alles im Auto 😉

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