[mohrgedanken] Von festen Vorstellungen und der Liebe

Als Teeniemädchen hatte ich ziemlich feste Vorstellung darüber, wie mein Traummann (gefälligst!) auszusehen und zu sein hatte. Ich habe mir so einen leicht hageren, blauäugigen Hünen mit dunklen Haarfransen vorgestellt, Marke “Nick Cave in jung”, der mit einem Rotweinglas in der Hand melancholische Songs schreibt oder weltschmerzige Bilder malt. Und alles in allem natürlich unfassbar intellektuell ist und total unangepasst und bohémehaft. Versteht sich von selbst. Seit mehr als 16 Jahren teile ich nun mein Leben mit einem pragmatischen Glatzkopf mit dunkelbrauen Ponyaugen, der mit Kunst ungefähr soviel am Hut hat wie ich mit den sterbenslangweiligen Weltraum-Dokus, auf die er so abfährt. Statt an Kunstwerken schraubt er lieber an seinem Auto rum und statt Rotwein trinkt er Cola. Und trotzdem gibt es auf der ganzen Welt vermutlich keinen Menschen, der besser zu mir und meinen Macken passen und mit dem der zumeist chaotische Alltag soviel Spaß machen würde.
So ist das eben mit der Liebe.

Als wir ich uns mir dann irgendwann in den Kopf gesetzt hatten, das Leben zusätzlich mit ein paar Vierbeinern zu teilen, wußte ich gleich ziemlich genau, wer da bald bei uns einziehen würde. Ich hatte mich in die Fotos von 2 kleinen Katerchen verknallt, die ich auf der Webseite der örtlichen Katzenhilfe gesehen hatte und genau die sollten es sein. Ich würde sie “Kirk” und “Spock” nennen und ganz sicher wären das lustige, schmusige Racker und alles würde ganz großartig werden mit den 2 pelzigen Buben.  Tja, und nur wenige Tage später saß dann in der geliehenen Transportbox eine leicht mürrische, aber zum Dahinschmelzen charmante Tigerdame , die ungefähr soviel wog wie 4 junge Kater zusammen und es auch in Sachen Lebensalter mit einem ganzen Rudel Jungspunde aufnehmen konnte. Und trotz allem war unsere Frau Schmitz von der ersten Sekunde an die entzückendeste, lustigste und maximalliebenswerteste Miezekatze, die man sich vorstellen kann und keine Sekunde lang hätte ich sie wieder gegen die kleinen Wunschkaterchen eintauschen wollen. (Der Herzmann im Übrigen auch nicht. Der hat nur ungefähr 2 Sekunden länger gebraucht, um sich Hals über Kopf in die Katzendame zu verknallen.)
So ist das eben mit der Liebe.

Und seitdem bin ich jedes Mal wieder fasziniert und begeistert, wieviele komplett unterschiedliche Katzen und Hunde aller Altersklassen und Temperamente in den Tierheimen und der Katzenhilfe auf ihre Menschen fürs Leben warten. Kleine schmusige Babykätzchen mit niedlichen dicken Bäuchleins, gelassene Katzenopas und -omas, die sich durch nix aus der Ruhe bringen lassen und zauberhafte fröhliche Miezen-Jungspunde. Lustige kleine Hundeclowns mit kurzen Beinchen und großen Herzen, langbeinige Wauz-Langstreckenläufer und Joggingkumpels mit karamellfarbenem Fell und goldenen Augen,  gemütliche Couchpotatoes, schüchterne Hundedamen deren Herz man nur zaghaft gewinnen kann. Hunde und Katzen mit langen Haaren oder glänzenden Kurzhaarfrisuren. Selbstbewußte und ängstliche Fellnasen, Große und Kleine, Alte und Junge, unkomplizierte Frohnaturen für “Anfänger” und charakterstarke Tiere für “Kenner”.Katzen

Im Grunde spricht ja überhaupt nix dagegen, feste Vorstellungen zu haben, gerade wenn es um einen Freund fürs Leben geht. Und vermutlich hat jeder Einzelne seine (mehr oder weniger guten) Gründe dafür, einen Katze oder einen Hund “nach Maß” zu kaufen statt ihn aus dem Tierschutz zu adoptieren. Aber bevor man Stunde um Stunde das Internet durchforstet auf der Suche nach einem Züchter, um einen Australian Sheperd-Welpen zu kaufen “mit so hellbrauen Fellstreifen um die Ohren, und blauen Augen, weil das einfach am schönsten aussieht” – oder gar wochenlang nach einem “British-Kurzhaar Silbertabby-Katerchen, genau wie aus der Whiskas-Werbung” sucht, schadet es auch nicht, einfach mal mit aufgeschlossenem Geist und offenem Herz ins örtliche Tierheim zu gehen. Denn wer weiß, vielleicht zieht dann am Ende ein strubbeliger Terriermix mit dunklen Knopfaugen ein, weil er einen mit seinen drolligen Streichen immer wieder zum Lachen bringt. Oder ein großer schwarzer Kater mit Bernsteinaugen und einem Knick-Ohr, der schnurrt wie ein rostiges Türscharnier und im Nullkommanix das Menschenherz für immer gefangen hat. Und ganz sicher sind das alles dann die besten Freunde fürs Leben, die man sich nur wünschen könnte.

So ist das eben mit der Liebe.hunde


(Alle pelzigen Modelle sind (z.T. ehemalige) Schützlinge der Katzenhilfe Neuwied und des Tierheims in Andernach. Und alle sind unfassbar großartig und wundervoll.)

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6 Gedanken zu „[mohrgedanken] Von festen Vorstellungen und der Liebe

  1. Frau Fröhlich

    Ich habe mir damals keine Gedanken darüber gemacht, wie mein Zukünftiger mal aussehen sollte und was für Vorlieben er mit mir teilen sollte. 😉

    Und sie wären wahrscheinlich auch völlig daneben gegangen. 😉

    Mein Mann und ich könnten unterschiedlicher nicht sein. Das einzige, was wir gemeinsam haben, ist unsere Figur *lol*.

    Bei den Tieren ist es so, dass ich auch erst einmal auf den Tierschutz verweise. Auch viele Rassehunde, die oftmals für Anfänger besser geeignet sind, weil man ungefähr weiß, was man bekommt, sitzen ja in den Tierheimen. Und auch an Rassekatzen gibt es einige.

    Allerdings verteufel ich auch niemanden, der lieber wohlgemerkt bei einem ANSTÄNDIGEN Züchter kauft, als ins Tierheim zu gehen, wenn er etwas bestimmtes haben möchte, dass auch wirklich zu ihm und seinen Umständen passt.

    Ich zum Beispiel würde mir immer wieder orientalische Katzen zulegen. Sie passen einfach zu mir und meinem Charakter und ich mag ihre extrovertrierte (schreibt man das so) und laute und gesprächige Art sehr. Sie sind eben die Hunde unter den Katzen. Allerdings findet man wirklich reinrassige Orientalen, eben selten im Tierheim … auf der einen Seite schade, aber auf der anderen Seite Gott sei Dank !

    LG Frauke

    Antworten
  2. Wortgestoeber

    Stimmt genau, man nimmt sich vor so oder so sollte das neue geliebte Haustierwesen aussehen, heraus … kommt was ganz anderes, das man nie nie mehr hergeben will.
    Über menschen und die dazu gehörenden Träume als Teenie … mag ich nun nichts sagen.
    LG Wortgestoeber

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  3. Elke

    Genau so isset, leibe Daniela!!! Gerade heute sagte ich noch zu meinem Angetrauten, wie wir überhaupt so lange ohne tierische Hausgenossen leben konnten…
    Und jawoll, nur aus dem Tierheim! Da wird man ehrlich beraten und informiert über die Eigenarten des potenziellen Einzugskandidaten. Weil man dort nicht verkaufen will, sondern für die Tieren einen guten Platz finden will. Und weil dort so viele liebenswerte Wesen darauf warten, gefunden zu werden…
    Liebe Grüße
    Elke

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  4. Heidi Schmitt

    Ja, genau so ist es mit der Liebe. Da hast Du sehr recht. Ich denke auch immer wieder darüber nach. Als ich nach einem Hund für’s Leben (zumindest für seins 🙂 ) suchte, habe ich mich schwer getan. Denn ich habe hauptsächlich übers Internet gesucht. Klar gefielen mir welche besser und andere weniger. Und es gab tausende! Aber was sagt schon ein Foto?? Ich habe mich schäbig gefühlt, dass ich ein Lebewesen nach einem Foto aussuche, zumindest die Vorauswahl danach treffe. Als wäre ich einer dieser Männer, die Frauen aus dem Katalog bestellen. So ist es nämlich NICHT mit der Liebe.
    Aber das Schicksal kennt ja seine ganz eigenen Wege. Ich wollte einen Hund, der mit mir läuft und wandert, stundenlang, tagelang. Und jetzt habe ich einen, der mich an den Rand meiner finanziellen und nervlichen Möglichkeiten bringt und der alles tut, nur nicht laufen und wandern. Weil er Schmerzen hat. Ich wollte einen lustigen, schelmischen Hund. Auch das ist Panini im Augenblick nicht. Sie ist ein sehr trauriger Hund. Und ich werde schier verrückt, weil die Versuche ihr zu helfen, bislang immer gescheitert sind. Im Augenblick denke ich von morgens bis abends darüber nach, wie ich ihr noch helfen könnte. Sie hat mein Leben auf den Kopf gestellt, ich laufe wenig, weil ich sie derzeit nicht gern allein lasse. Sie ist wichtiger. Ich bin erst wieder froh, wenn sie es auch ist. So ist das nämlich mit der Liebe.

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  5. Tabea

    Wie schön, dass du mit deinem Mann so glücklich bist! Manchmal hat man als Teenager einfach falsche Vorstellungen und Wünsche 😉
    Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir über das Aussehen meines Traummannes noch nie sonderlich Gedanken gemacht habe… ich wusste nur immer, dass er keinen Wert auf Geld und Ordentlichkeit legen sollte und ein guter Zuhörer sein muss, der sich für irgendwas in der Welt auch interessiert. Achja, wenn er gerne Ponys reitet, wäre das natürlich optimal!
    Dann habe ich meinen Ex-besten Freund kennen gelernt und jetzt ist der das, was ich als meinen Traummann bezeichne. Doof nur, dass er nach 1,7 Jahren Schluss gemacht hat und wir seitdem keinen Kontakt mehr haben 🙁

    Mein Traumpony habe ich mir auch irgendwie anders vorgestellt, als das, was ich letztendlich gekauft habe… ich wollte ein fettes, dickköpfiges, faules Ding, möglichst braun oder schwarz gefärbt. Ich kaufte: weiß, übermütig und zwei verschiedene Augenfarben. Aber dafür halt liebenswürdig, wenn auch gefährlich 😉

    Ich glaube, einfach zu schauen, ob es passt, ist einfach am wichtigsten. Wer braucht schon was, was die Vorstellungen erfüllt, wenn er auch was liebenswürdigeres haben kann?

    Liebe Grüße und danke für diesen wundervollen Post 🙂

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  6. Susanne Schnorr

    Kaum jemandem gelingt es so fesselnd, alltägliche, mitunter banale, aufregende, herzzerreißende Erlebnisse in Worte zu fassen. Bin immer wieder auf s Neue begeistert!

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