[mohrkochen] Ode an die Graupe! (und ein Rezept)

Von der Graupe zum Schmetterling

40 Jahre lang war das Wort “Graupen” für mich gleichbedeutend mit “Grauen”, denn ich kannte die polierten Gerstenkörner nur aus dem Graupen-Eintopf meiner Oma. Dieser Eintopf war ziemlich pampig und enthielt neben besagten (leicht schleimigen) Graupen meistens Kartoffeln, zerkochtes Suppenfleisch und undefinierbares Grünzeug – also alles in allem kein wirklicher Gaumenschmaus und nicht unbedingt das, was Kinder unter Lieblingsessen verstehen. Dermassen graupentraumatisiert fanden die weißen Körnchen Zeit meines Lebens natürlich nie einen Weg in meine Kochtöpfe, bis ich mal in einem Restaurant ein “Graupotto”, also Graupen nach Risottoart, gegessen habe und das wirklich großartig fand. Großherzig wie ich nun mal bin, beschloss ich, den Grusel-Graupen eine zweite Chance zu geben und mich mal näher mit ihnen zu befassen – die können ja schließlich auch nix dafür, dass ihnen der Eintopf von Omma so ein mieses Image verpasst hat.
Und siehe da, nur wenige Wochen und viele Kochexperimente später bin total Fan dieser
kleinen Kerlchen und freu’ mich riesig über die Chance, heute mal eine Lanze für Graupen
brechen zu dürfen. Volle Graupenkraft voraus!

Graupen? Was ist das denn überhaupt?

Bevor wir aber nun alle an die Pötte stürmen, klären wir am besten zuerst einmal die Frage:
“Was sind’n Graupen überhaupt?” Es handelt sich hierbei um Gerstenkörner (meistens
jedenfalls, es gibt auch Weizen- oder Dinkelgraupen), die zuerst geschält und dann poliert und rundgeschliffen werden, dadurch bekommen sie ihre kugelige Form. Durch das Schälen
verlieren die Körnchen zwar einen Teil ihrer Nährstoffe, was den Vollwertköstler als solchen
vermutlich nicht gerade vor Freude aufjauchzen lässt, aber ein paar Vitaminchen und
Mineralstoffe bleiben trotzdem erhalten. Mit einem Eisengehalt von 2-2,8 mg können Graupen zumindest mit so manchem Grünzeugs wie Kresse und Feldsalat mithalten und müssen sich hinter Schweine- oder Geflügelfleisch schon mal überhaupt nicht verstecken. Auch Magnesium, Kalzium und B-Vitamine haben die Graupen im Gepäck.
Was ich persönlich aber ganz besonders bombig finde: Graupen kommen aus Deutschland, und werden nicht wie Reis oder Quinoa erst einmal um die halbe Erdkugel gekarrt.  Außerdem sind sie ziemlich preisgünstig, 250 g Graupen kosten im Supermarkt je nach Marke gerade mal 60-70 Cent. Da kann man schon mal großzügig über die paar weggeschälten Nährstoffe hinwegsehen, finde ich.
Es gibt sie in verschiedenen Größen, nämlich fein, mittel und grob. Ich persönlich mag die
groben Körnchen am liebsten, die haben am meisten Biss.
Fassen wir nochmal zusammen, was wir in dieser Stunde gelernt haben, liebe Kinder – Graupen sind lecker, bekömmlich, gesund, total preiswert und deutsch. Ich finde, damit haben sie sich nun wirklich einen „Besser geht’s nicht!“-Orden verdient.

Und was macht man nun damit?

Nach diesem ganzen Vorabgeschwätz wird es aber nun Zeit für das Wichtigste: Wie bereitet
man diese Graupen denn nun lecker zu? Am allereinfachsten und schnellsten kocht man die
Körnchen einfach mit etwas Salz in Wasser und isst sie als Beilage zu Gemüse, Currys und
Salaten wie Reis oder Nudeln.
Durch die Stärkereste auf den Körnern werden Graupen beim Kochen oft ein wenig schlotzig
(der Graupenhasser an sich spricht hier auch gerne von “schleimig” und guckt dabei angeekelt in die Luft) – bei einem Graupotto ist das zwar durchaus erwünscht, aber als normale Beilage kann man auch herzlich gerne auf die Schlotzigkeit verzichten. Ich übergieße die Graupen daher vorab mit kochendem Wasser und spüle sie ab, um die Stärke runterzuwaschen.

Graupen kochen – mit oder ohne Terrormix

Ich koche immer ganz gerne auf Vorrat, also an die Graupen, fertig, los:
250 g Graupen in einen Topf geben, mit kochendem Wasser übergießen, kurz stehen lassen,
danach durch- und abspülen. Nun geben wir ca. 600 ml frisches Wasser und eine Prise Salz in einen Kochtopf, kochen die Graupen auf und lassen sie auf kleiner Flamme weich- (aber bissfest) köcheln. Dann Graupen auf ein Sieb abgießen, mit einer Gabel auflockern und….losfuttern.

In dem beliebten Wundertopf aus dem Hause Vorwerk aka „The Terrormix“ geht es noch ein bisschen einfacher – einfach 250 g Graupen ins Garbkörbchen geben, ein wenig Salz drüberstreuen, 1200 g Wasser zugeben und 21 Minuten auf 100 Grad/Stufe 1 weichkochen.
Mit der Gabel auflocken und ausdampfen lassen. Fertig.

(Die o.g. Angaben beziehen sich auf „grobe“ Graupen, die am Ende noch ein wenig Biss haben. ) Reste lassen sich prima in einer Schüssel im Kühlschrank parken und halten sich dort mehrere Tage.
Man kann die Körnchen nun ganz einfach als Beilage essen, oder in Salate oder Gemüsepfanne mixen, in Buletten verbraten und in Aufläufen etränken. Mit ein bisschen Mut und Experimentierfreude kann man die Kerlchen fast überall einsetzen, ob süß oder salzig, gebacken, gekocht oder gebraten.
Und, wie schaut’s – Lust auf Graupen? Dann los!Graupenjoghurt

Fruchtige Joghurtgraupen

Mein derzeitiges Lieblingsfrühstück sind Graupen mit Joghurt und Früchten, weil’s flott und lecker ist. Aus der o.g. Menge gekochter Graupen bekommt man so ziemlich exakt 5 Frühstücksportionen, d.h. man köchelt Sonntags einmal vor und kann die ganze Arbeitswoche lang aus den Vollen schöpfen. Sozusagen.

Zutaten:
100 g gekochte Graupen
100 g Obst nach Wahl
100 g Joghurt oder Quark
ca. 1-2 EL Apfel- oder Agavendicksaft (oder andere Süße nach Gusto) – die Menge ist abhängig von der verwendeten Obstsorte und dem persönlichen Süß-O-Meter, einfach ausprobieren.

Man/Frau/Hundekatzemaus mischt nun einfach die Graupen mit dem Obst (ich nehme meistens eine TK-Beerenmischung oder TK-Mango, die ich – natürlich – vorher auftauen lasse. Mit der Mango kann man natürlich den Regional-Saisonalgedanken gleich wieder zu den Akten legen), dem Joghurt oder Quark (ich weiß, der „Neue“ aus dem Hause Alpro ist aus firmenpolitischen Gründen in Vegankreisen umstritten, aber lecker isser dennoch…) einem Süßungsmittel nach Gusto, rühre alles durch und freue mich über ein leichtes leckeres Frühstück, das nicht schwer im Magen liegt und auch vor sportlicher Betätigung (hmm..was war das nochmal? Sport, Sport…ich komm’ grad nicht drauf…) gefuttert werden kann.GraupenparadeEin paar weitere Graupenrezepte aus meinem Topf und meiner Feder gibt’s in der aktuellen Ausgabe vom Ox-Fanzine und der kommenden Ausgabe von Kochen ohne Knochen.


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6 Gedanken zu „[mohrkochen] Ode an die Graupe! (und ein Rezept)

  1. Daniela

    Weil ich ja ein experimentierfreudiges Kind bin, habe ich nicht nur grobe, sondern auch mittlere und feine Graupen gekauft – geht ja nix über Vergleiche… Nunja, die feinen Graupen haben schon das Einweichwasser aufgesogen und sind im Topf erst brutal bloppsend übergekocht und vom Endergebnis her eher so “Der süße Brei”, wobei “Töpfchen steh!” nicht funktioniert hat. Ich lasse den Schlompes jetzt noch ein Stündchen quellen und dann wird das Frühstück vorbereitet. Da es sehr viele feine Graupen geworden sind, werde ich wohl auch das Mittagessen aus Graupen bereiten 😉

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Huh, das klingt ja…schlotzig 😉 Da bin ich mal gespannt, was draus wird – ich hab’ ja bisher nur die groben Graupen getestet und bleib’ dabei 😉

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  2. Krisi von Excusemebut...

    Ich habe Graupen für erst letztes Jahr entdeckt, irgendwie wurde bei uns daheim nie damit gekocht und es ist ja auch nicht wirklich ein Trendkorn, deswegen bekommt man auch nicht viel davon mit;) Ich esse sie aber mittlerweile sehr gerne und mache daraus immer eine Art Graupen – Risotto. Ich wäre nie auf die Idee gekommen sie süss zu verarbeiten, dass muss ich jetzt unbedingt auch probieren!
    Liebe Grüsse,
    Krisi

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  3. Tabea

    Also ich vermute, meine Mutter hat auch ein Graupen-Trauma, denn sie hat die Dinger nie gekocht und erst mit 10 Jahren erfuhr ich, dass es sowas gibt.
    Ich habe sie bisher auch noch nicht getestet, aber der Regional-Gedanke ist schon nicht schlecht 😉 Schade, dass da die Nährstoffe fehlen…

    Dein Frühstück sieht echt köstlich aus 🙂

    Liebe Grüße

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Naja, “fehlen” tun die Nährstoffe ja nicht komplett – ist halt bei allem, was geschält oder poliert wird, da geht dann eben auch einiges an guten Stöffchen weg. Aber ein bisschen was bleibt ja 😉
      Probier’s einfach mal aus 😉

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