Archiv für den Monat: August 2018

[mohrkochen] Mercimek Köftesi – türkische Linsenfrikadellen “für auffe Stulle”

“Die Geschichte der veganen Stulle ist eine Geschichte voller Mißverständnisse…”

Tatsächlich ist die beinah hysterische Frage “Wie jetzt, GAR nix vom Tier? Aber was isst du denn dann auf’m Broooot?” nach wie vor eine der häufigsten die mir gestellt wird, wenn’s um vegane Ernährung geht. Ich esse zwar durchaus mal gerne die üblichen “Ersatzprodukte” wie Tofuwoscht oder Pflanzenkäse auf meiner Klappstulle (und grinse den obligatorischen Einwand “Also WENN du Veganer sein willst, dann darfst du aber auch keine nachgemachte Wurst essen, das ist ja total inkonsequent!” schulterzuckend weg), Aber auch abseits der Fertigfutterpfade kann man seine Brotscheiben ganz köstlich belegen, zum Beispiel mit selbstgemachtem Casheesio, einem deftigen Aufstrich nach Leberwurst-Art (“Also, wenn du Veganer sein willst, dann darfst du aber auch….!” – “Jaja, geschenkt!”) oder auch mal ganz simpel mit frischen Gurken, Radieschen, Paprikastreifen und/oder Räuchertofu. Oder auch einfach mal mit etwas, das auf den ersten Blick gar nicht unbedingt den Stempel “made for Klappstulle” trägt, wie dieser türkischen Linsenfrikadellenmasse zum Beispiel.

Linsenfrikadellen aufs Brot!

Unter dem Namen “Mercimek köftesi” kennen vermutlich die Meisten diese köstlichen Linsenfrikadellen aus türkischen Imbissen. Die würzige Masse wird nicht gebraten, sondern einfach zu kleinen Röllchen geformt, in ein Salatblatt gewickelt und aufgefuttert. Die kleinen Klopse kann man aber nicht nur beim Türken ums Eck kaufen, sondern recht einfach (und preiswert) selbermachen. Die Köftesi sind ein prima “Zwischendurchsnack” auf die Hand, und kommen auch gerne mit ins Büro zur Mittagspause oder in den Rucksack zum Wandern. Praktischerweise ist das Gericht sozusagen “von Haus aus vegan”, das ist ja irgendwie auch mal nett.
Und dann kommt die Klappstulle ins Spiel: Die Masse schmeckt nämlich auch ganz großartig, wenn man sie einfach aufs Brot streicht statt in Rollen zu formen…gerne noch ein Tomätchen oder Gürkchen dazu und fertig ist die leckere Marschverpflegung.

An die Linsen, fertig, los – so wird’s gemacht!

Zuaten:

1 kleine rote Zwiebel
1 Knoblauchzehe (kann aus Gründen der Sozialverträglichkeit auch weggelassen werden)
30 g Olivenöl
1 TL Gemüsebrühe-Pulver
1 EL Tomatenmark
1 EL Paprikamark (am liebsten “Acı Biber Salcası” im Glas aus dem türkischen Supermarkt. Wer sowas nicht hat oder findet, kann auch einfach das “normale” Paprikamark der Firma Hengstenberg nehmen, das steht meistens im gleichen Regal wie Tomatenmark. Oder einfach gleich weglassen und 2 EL Tomatenmark nehmen)
130 g rote Linsen
250 g Wasser
60 g feiner Bulgur (nicht den normalen “groben” Bulgur nehmen, sonst beißt man sich die Zähne aus)
1 EL Zitronensaft
1 Bund glatte Petersilie
1 Frühlingszwiebel
Gewürze nach Gusto:
Ich nehme ca. 3/4 TL Salz und gerne reichlich Kreuzkümmel (Cumin), schwarzen Pfeffer und “Pul Biber” (getrocknete, scharfe Paprikaflocken).

So geht’s im Terrormix:

Die Zwiebel schälen, teilen und in den Mixtopf schubsen – wenn Knoblauch verwendet wird, diesen ebenfalls schälen, (am besten pressen, sonst bleiben die Stücke zu groß) , mit der Zwiebel vergesellschaften und 5 Sekunden auf Stufe 7 hacken.

Öl, Gemüsebrühepulver und Tomatenpaprika-wasauchimmer-Mark zufügen und  5 min. bei 100°C auf Stufe 2 andünsten.
Die Linsen mit Wasser abspülen (im Garkörbchen, beispielsweise) , zum Zwiebelmarkgemisch in den Mixtopf geben,  Wasser zuschütten,  Deckel aufsetzen Garkörbchen als Spritzschutz aufsetzen und 15 min. bei 100°C und Stufe 2 (im Linkslauf!) garen.
Die Petersilie und die Frühlingszwiebel hacken und zusammen mit dem Bulgur, dem Zitronensaft und den Gewürzen zum Linsengemisch in den Pott geben, 2 Minuten auf Stufe 4 im Linkslauf vermischen und ca. 10 Minuten quellen lassen.


Die folgende Anleitung “im Handbetrieb” ist eher eine theoretische, weil ich selbst die Frikadellchen bisher immer nur im Terrormix fabriziert habe. Aber es sollte so funktionieren:

Die Zwiebel hacken, den Knoblauch pressen und beides im Öl in einem Topf leicht andünsten. Tomatenpaprikamark zugeben, kurz mitschwitzen lassen, Wasser, Gemüsebrühpulver und gewaschene Linsen zugeben und alles auf kleiner Flamme ca. 15 Minuten blubbern lassen.

Die Petersilie und die Frühlingszwiebel hacken und zusammen mit dem Bulgur, dem Zitronensaft und den Gewürzen zum Linsengemisch in den Pott geben, gut durchrühren und ca. 10 Minuten quellen lassen.


Und so geht’s weiter:

Ich mache es nun meistens so, dass ich aus der Hälfte der Masse besagte Frikadellen forme (die dürfen und müssen ruhig unregelmässig geformt sein, Perfektion verlangt hier niemand) und die andere Hälfte eben als Stullenbelag verspachtele.

Die Köftesi werden klassischerweise in Salatblätter gewickelt und mit Zitronenscheiben serviert. Man kann sie aber auch prima in Fladenbrot oder Wraps wickeln – und schon schließt sich der Kreis zur Klappstulle.

Guten Hunger – oder auf türkisch: “Afiyet olsun!”



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