Archiv für den Monat: Dezember 2018

[mohrkochen] “Kappesdorjenander” – ein Teller voll rheinischer Kochkunst

Ohne je eine diesbezügliche Umfrage gestartet zu haben, würde ich vermuten, dass ca. 99% der üblichen ‘Kindheitslieblingsgerichte’ im Optik-Check durchfallen würden. Da wäre das oft bis zur Unkenntlichkeit zerkochte Gulasch von Oma (mit sämiger brauner Soße), der pampige Lieblings-Kartoffelstampf mit Würstchen oder die heißgeliebten Nudeln mit Ketchup. Dekorativ ist das alles nicht – aber darum geht’s ja auch gar nicht bei diesen Gerichten. Hier geht es um Emotionen und um wohlige Erinnerungen.

Eine solche wohlige Erinnerung habe ich an ein Gericht mit dem überaus klangvollen Namen “Kappesdorjenander”, das bei uns früher zur Weißkohlsaison mindestens 1x wöchentlich auf den Tisch kam. “Kappes” ist – klar! – natürlich “Kohl” und “Dorjenander” lässt sich auch ohne großartige rheinische Sprachkenntnisse mit “Durcheinander” übersetzen. Dieser Name lässt nun auch schon deutliche Prognosen zur Anrichteweise dieser Spezialität zu.

Eigentlich wird für Kappesdorjenander einfach bloss Kartoffelpüree mit Weißkohl und jeder Menge durchwachsenem Speck verrührt, gründlich gewürzt und mit einer großen Kelle aus dem Topf auf den Teller geklatscht. Bautz! Allein schon aus ästhetischen Gründen wird dieses Gericht deshalb vermutlich niemals auf den Karten erlesener Sternerestaurants zu finden sein, aber ich persönlich steh’ besonders zur kalten Jahreszeit total auf so ein schlotzig-deftiges Gemansche und kann da auch mal großzügig über die fehlende Anrichteschönheit hinwegsehen.

Nachdem ich nun einen Sack Kartoffeln und zwei Köppe Weißkohl aus dem elterlichen Garten abgestaubt habe, ist es nun an der Zeit für eine rein pflanzliche Version meines Kindheitsklassikers.

Zutaten

ca. 850 g Kartoffeln (geschält gewogen)
1 kleiner Kopf Weißkohl (ca. 500-600 g ohne Strunk und äußere Blätter, fertig geputzt gewogen)
1 Block Räuchertofu (175 g)
2 kleine Zwiebeln
250 ml Hafersahne
Rapsöl mit Buttergeschmack
oder ein halber Esslöffel Alsan

Salz, Pfeffer, Muskat, Paprika
gerne noch etwas Grillgewürz und/oder etwas pflanzliches Zwiebelschmalz

Die Menge reicht für 2-3 hungrige Esser (oder auch notfalls ganz für mich alleine)

An die Pötte, fertig, los!

Die Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden in einen Pott mit Wasser geben und so lange kochen, bis die Kartoffeln weich sind. Hernach mit einem Kartoffelstampfer zu Brei zerdrücken, etwas vom leckeren Öl mit Buttergeschmack (oder Margarine) zugeben und mit reichlich Salz, Pfeffer, Muskat und Paprika würzen. Hafersahne zugeben und nochmal kurz auf dem Herd unter fleissigtem Rühren in ein cremiges Kartoffelpüree verwandeln.
(Wer Angst vor Fett und Kalorien hat, kann statt der Hafersahne auch normale Pflanzenmilch nehmen, ich find’s aber mit Hafersahne leckerer. Und die Kalorien sollen nur kommen, vor denen fürchte ich mich nicht. Ha.)

Den Weißkohl (aka “Kappes”) in feine Streifen schneiden und im Dämpfkochtopf garen, während die Kartoffeln kochen. Wer keinen Dämpfkochtopf hat, kocht den Kohl stattdessen in Wasser.

Räuchertofu und Zwiebeln würfeln und mit etwas Öl in einer Pfanne knusprig-braun brutzeln. (Wer keine Lust hat, auch noch ein drittes Kochgerät zu verschmuddeln, kann den Weißkohl auch zu dem angebrutzelten Tofu und den Zwiebeln geben und dort weichdünsten.)

Es ist angerichtet!

Schlussendlich alle 3 Komponenten in dem größten der benutzen Töpfe zusammenwerfen, gründlich vermischen und ggf. nachwürzen (nicht zu sparsam, immer ordentlich rein!)….und das Zeugs mit einer großen Kelle auf den Teller klatschen. Bautz! Weniger brachial-veranlagte Esser können das Kappesdorjenander selbstverständlich auch mit weniger Schmackes mittels eines großen Löffels sanft auf den Teller heben.

Aber hier muss man sich nix vormachen – es wird nicht gelingen, diesen Schlotz einigermassen hübsch und vorzeigbar anzurichten…  “Durcheinander” ist “Durcheinander”, da ändert auch der schwache Versuch, das Ganze in einem schicken Gläschen anzurichten, nicht das Geringste dran. Die Wahrheit sieht SO aus. Und irgendwie muss das wohl auch so sein.

Da der Herzmann nach einem Blick in den Topf und lauten “Iiiih!”-Geschrei auf Tiefkühl-Pizza ausgewichen ist, habe ich nun noch gut 2 Portionen übrig, was einerseits erfreulich ist, weil “sowas” am nächsten Tag wiederaufgewärmt gleich nochmal so gut schmeckt….aber andererseits kann ich mich kaum beherrschen, mir den Rest nicht doch noch spontan zum Nachmittagskaffee einzuverleiben. Hach.


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[mohrkochen] Erdnuss-Ottos

Also, zuallererst…das mit dem albernen Namen kann ich erklären: Nachdem ich seinerzeit die ersten (wirklich unfuckinfassbar leckeren) Erdnusswürfel-Prototypen aus dem Kühlfach befreit habe, ging es wie immer daran, mir einen passenden Namen für diese Köstlichkeiten auszudenken.
‘Peanut-Cubes’…ach, blöd, ich bin ja nicht so für Anglizismen.
‘Erdnuss-Würfel’…auch nicht wirklich der Originalitätsbrüller. Erdnuss..hmm…’Peanutinsky’? Bescheuert.
„Die sind so lecker, die kannste sogar Otto oder Karl-Heinz nennen!“ murmelte Herzmann irgendwann mit vollem Mund, vermutlich um der Sache ein Ende zu bereiten – und nun heißen sie eben „Otto“. Namen sind ja bekanntlich Schall, Rauch und Erdnüsse.

Die Erdnuss-Ottos sind ‘ne gute Sache, falls einen beim Knusperkekse-Dekorieren irgendwann die Motivation verlassen hat und nun noch eine Handvoll nackte Kekse ohne Aufgabe in der Küche herumliegen. Wer keine Kekse mehr übrig hat, kann auch einfach hundsgewöhnliche gekaufte (pflanzliche) Butterkekse zermahlen.Vermutlich ginge es auch mit Spekulatius, diese Variante ist aber noch ungetestet und ohne Geschmacksgewähr.

Zutaten:

100 g Margarine
170 g Kekse (entweder Knuspersterne, oder ‘Butter’kekse, oder Spekulatius…oder, oder…was immer die Keksdosen hergeben)
200 g Erdnussbutter,crunchy
70 g Zucker
1 Päckchen Bourbonvanillezucker
200 g Zartbitterschokolade
1/2 TL Kokosöl
ein bisschen Meersalz, wer mag (wer nicht mag….nicht)

So geht’s im Terrormix:

Kekse und Zucker in den Mixtopf schubsen und 10 Sekunden auf Stufe 10 zerschreddern, dann Margarine und Erdnussbutter zugeben und 7 Minuten bei 45 Grad und Stufe 1 zu einer homogenen Creme verrühren lassen.

So geht’s im Handbetrieb:

Die Kekse mit dem Zucker fein zermahlen (das geht tiptop im Mörser oder mit einem schnöden Pürierstab). Die Margarine und die Erdnussbutter in einem Topf auf klitzekleiner Flamme unter Rühren schmelzen, die Keks-Zucker-Mischung einrühren und alles gut vermischen.

Und so geht’s weiter:

Die Masse in eine mit Backpapier oder-folie ausgekleidete Form geben – letztere sollte möglichst rechteckig und möglichst ca. 20 x 15 cm groß sein. Glattstreichen und in den Gefrierschrank geben.
Wenn die Creme (also die Erdnuss-Otto-Füllung in spe) festgeworden ist, löst man die Platte vorsichtig aus ihrer Form und schneidet sie mit einem scharfen Messerin in mehr oder weniger gleichmäßige Würfelchen.

Mixtopf oder Wasserbad? Ganz wie ihr wollt!

Jetzt benötigen die Ottos noch ein Schokoladenmäntelchen. Man könnte dazu 200 g Zartbitterschokoladein den Mixtopf bröckeln, ½ TL Kokosöl zugeben (optional, ist nur für den Glanz), 10 Sekunden auf Stufe 8 zerschreddern und dann 10Minuten auf 45 Grad bei Stufe 1 schmelzen. Das ergibt eine feine, streichfähige Schokoladenmasse, da gibt’s nix zu meckern.

Allerdings bleibt letztlich die Hälfte davon ohnehin im Mixtopf und dem Hackmesser kleben und so richtig komfortabel ist das nicht. Am besten schmilzt man also die gehackte Schokolade ganz klassisch in einem tiefen Schüsselchen im Wasserbad.

Um die Schokohülle nun möglichst unfallfrei und weitestgehend gleichmäßig um die Erdnussbutter-Würfel zu kleiden, habe ich die Würfelchen auf Zahnstocher aufgespießt, vorsichtig in die Schokolade getunkt und dann die Spieße zum Trocknen auf eine Hartschaumplatte gesteckt, die dem Herzmann-sei-Dank noch im Keller rumflog.

Wenn die Schokolade trocken ist, zieht man die Spießchen vorsichtig unter leichtem Drehen aus den Würfeln und fertig sind die leckeren Ottos.

Wer möchte, kann die Ottos (vor demTrocknen der Schokolade, natürlich) auch noch mit ein paar Flöckchen grobkörnigem Meersalz bestreuen. Wie der Rheinländer sagt – „Datt hättjätt!“. Ich finde diese Kombination jedenfalls ganz schön köstlich.

Die fertigen Konfekte bewahrt man am besten zuerst im Kühlschrank und dann im Magen auf. Und danach bis zum Frühling auf den Hüften. Aber das ist es wert.
Versprochen.


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[mohrbacken] Knuspersterne am Stiel

Diese putzigen Keks-Lollis sind ein süßer Hingucker im Adventsgesteck oder ein Mitbringsel für nette Menschen. Wer keine Lust darauf hat, Holzstäbchen in Keksteig zu friemeln, kann aus dem Teig auch einfach schlichte Knusperkekse backen.

Zutaten:

150 g Dinkelmehl Typ 630
50 g Puderzucker
1 Päckchen Bourbonvanillezucker
100 g Margarine

So geht’s im Terrormix:

Zuerst das Mehl und den Zucker, dann die Margarine in Stücken in den Mixtopf geben und 25 Sekunden auf Stufe 4 zu einem glatten Teig verrödeln.

So geht’s im Handbetrieb:

Das Mehl mit dem Zucker mischen und aufdie saubere Arbeitsplatte oder in eine Schüssel geben. Die kalteMargarine in kleinen Würfelchen zugeben und fix mit möglichstkalten Händen (das sollte bei der Jahreszeit wohl das geringsteProblem sein) zu einem glatten Teig verkneten.

Wer sich nicht die Hände versüßenmöchte, kann natürlich auch den Knethaken des Handmixers nehmen –das wäre aber dann irgendwie bloss der halbe Spaß.

Und so geht’s weiter:

Den Teig zu einer Kugel formen und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank parken – gerne aber auch über Nacht, der Teig verträgt das.

Am Tag der finalen Verbackung denBackofen auf 180 Grad vorheizen, den Teig gleichmäßig ca. 5 mm dickausrollen (am besten gleich auf dem Backpapier) und ausstechen, wasimmer ihr wollt. Sterne. Herzen. RENTIERE! NIKOLÄUSE! EINHÖRNER!(„Frau Mohr, nun lassen’se sich mal nicht so gehen…!“ “Ja, ja, schon gut…Sterne sind auch super!”)

Wer Lollis basteln möchte, schiebt nun vorsichtig seitlich einen Holzspieß in den ausgestochenen Keks. (Wer nicht möchte, nicht. Life is easy.)

Das ganze ausgestochene Zeug wird nun ca. 12 Minuten gebacken, bis es an den Kanten zart gebräunt ist (bei den Sternchen auf dem Foto habe ich diesen Zeitpunkt ganz knapp verpackt – hier wär ein Hauch weniger Backzeit mehr gewesen…)

Stiel- oder Nicht-Stiel-Kekse auskühlen lassen und nach Lust und Laune mit Zuckerguß und Deko-Chi-Chi verzieren.

Und übrigens – wer nicht so richtig dolle Lust hat, alle Sterne mit zuckeriger Intarsienarbeit zu verstehen, kann einfach einige Sternchen (170 g, um genau zu sein) ‘nackig’ lassen und daraus leckere Erdnussbutter-Pralinen basteln.


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