Archiv für den Monat: Januar 2019

Neujährchen – und andere Nettigkeiten

Im Rheinland (und vermutlich überall sonst auch) schenkt man den guten Geistern, die einem das ganze Jahr über gute und wichtige Dienste leisten, zum Jahresanfang eine Kleinigkeit oder gibt ein Trinkgeld. Die ‘guten Geister’ sind dabei meistens Postboten oder die Jungs von der Müllabfuhr, und die Trinkgelder nennt man (zumindest bei uns) “Neujährchen”. Sie bestehen meist aus einem Scheinchen, Wein oder Süßigkeiten.

‘Mein erstes Neujährchen’…oder zumindest der Versuch…

Als ich meine erste eigene Wohnung bezog, fand ich mich selbst unglaublich erwachsen beim Gedanken, “meinen” Müllmännern nun auch ein Neujährchen zu schenken. Ich hatte 2 Flaschen Wein hübsch verpackt, ein Schleifchen drumgewickelt und auf die abzuholenden Mülltonnen gestellt.
“Na, da werden sich die Jungs aber freuen, dass ich so eine aufmerksame und dankbare Kundin bin und ihre treuen Dienste keinesfalls als selbstverständlich hinnehme, sondern mich allergroßzügigst bedanke.” dachte ich so bei mir und fand mich selbst ganz schön großartig. Und so emphatisch.
Und irre sozial.

Um den Ruhm für mein gutes Werk und die garantiert überschäumende Heiterkeit der ‘Jungs in orange’ beim Vorfinden meiner großzügigen Geschenke nun auch bloß nicht zu verpassen, lauerte ich an jenem Morgen hinter der Gardine und starrte in die frühmorgendliche Dunkelheit. Schon sah ich den Müllwagen vorfahren, der Arbeiter stapfte zu den Tonnen, entdeckte meine Gaben (an dieser Stelle klopfte ich mir selbst erneut innerlich auf die Schulter für meine exorbitante Großzügigkeit)…zögerte kurz, schien zu stutzen, nahm die Flaschen, öffnete den Deckel, warf meine Geschenke mit Schwung in die Tonne, leerte selbige unter lautem Gerappel in den Müllwagen, sprang auf und brauste von dannen.
Ich riss entsetzt die müden Augenschlitze auf und blieb schwerstenttäuscht am Fenster zurück, während der Arbeiter vermutlich irgendwas von “Blöde faule Weiber, schaffen es noch nicht mal, ihren Müll IN die Tonne zu schmeissen, für alles sind’se sich zu fein.” brummelte.

‘Gut gemeint’ ist halt nicht immer ‘gut gemacht’.

Mein innerer Bleistift kritzelte sich ein “Merke, Geschenke immer persönlich überreichen, vor allem wenn es stockfinster ist. Eine Mülltonne ist kein geeigneter Gabentisch.” auf die Hirnrinden-Pinnwand. War im Nachhinein dann vielleicht doch nicht der schlaueste Einfall, aber hinterher hat man’s ja immer vorher gewußt.

Fürs nächste Jahr im Erwachsenenleben war ich maximal-neujährchenmotiviert und nahm davon Abstand, Wein oder Süßigkeiten zu verschenken, denn davon hat man bekanntermaßen nach Weihnachten eh die Bude voll und so ein Geschenk wirkt dann schon eher wie “Naja, hatte ich eh in der Schublade rumfliegen, das musste weg.” Ich habe stattdessen kleine Kuchen gebacken, schick verpackt und höchstpersönlich überreicht. Mit einem kleinen Dankeschön. Und schon lief die Neujährchensache.

Nun schreiben wir den Januar 2019 und mir fiel mir gerade so auf, dass ich diese charmante Tradition in den letzten Jahren nicht nur schleifen gelassen, sondern komplett eingestellt habe. Ich nehme mir zwar jedes Jahr aufs Neue vor, zum Jahresanfang ein paar lieben Menschen eine Freude zu machen und mich dafür zu bedanken, dass es sie gibt – aber dann kommt doch meistens irgendwas dazwischen.
Einkaufen.
Steuererklärung.
Buntwäsche.
Die Katze kotzt.
Der Hund humpelt.
Das Übliche halt.

Nun ist aber noch nicht alle Tage Abend, bzw. aller Jahre Ende – und soweit ich weiß, gibt es keine Neujährchen-Gesetze, die festlegen, innerhalb welcher Frist man seine Mitmenschen mit kleinen Herzlichkeiten beschenken darf. Und weil ich gerade ohnehin so backwütig bin, durften sich der DHL-Paketbote (der sich immer fast einen Bruch an meinen ganzen Tierfutter-Paketen schleppen muss) und unsere supernette Postbotin über ein süßes Geschenk freuen.
Und ich mich wieder als uneigennützige Sozialsuperheldin von Neuwied fühlen. Win/win.

Und ihr? Macht mit! Natürlich! Mitgefangen, mit…neujahrt!

Wochenaufgabe:
Mindestens einen lieben Menschen mit einer kleinen Nettigkeit beschenken!

Und ihm sagen, dass er wichtig, toll und überhaupt ganz und gar töfte ist.

Das tut nämlich nicht nur dem Beschenkten gut, sondern wird euch auch selbst gute Laune bringen – und davon kann man an diesen düsteren Wintertagen gründlich was gebrauchen.

Das könnt ihr der Frau Mohr ruhig glauben.
Die weiß das.


Du willst “mehr Mohr”? Dann melde dich zum Newsletter an – kost’ nix und ist jederzeit kündbar!


Birniger Buchweizen, bitte!

(Wem der knurrende Magen keine Zeit für endlos langes Einleitungsgeschwafel lässt, der scrollt fix zum Textende. Da gibt’s das Rezept.)

Gewohnheiten sind Rudeltiere

Wenn sich eine Gewohnheit es erstmal so richtig gemütlich im eigenen Leben gemacht hat, bringt sie meistens früher oder später noch 2 bis 3 dicke fette Brüder mit, die dann ihrerseits auch Raum beanspruchen. Gewohnheiten sind Rudeltiere – und das ist Fluch und Segen zugleich.
Denn schlechte Gewohnheiten bringen schlechte Brüder mit, das ist ein Fluch.
Aber gute Gewohnheiten haben auch ganz viel nette Verwandschaft im Schlepptau, und das ist der Segen.

Nachdem ich in den letzten beiden Jahren so nach und nach aus Gründen der Woschtigkeit meine veganen Ideale über Bord geschmissen und immer häufiger Tiermilch- und Eierkram gefuttert habe, hat sich auch nach und nach die ganze buckelige Verwandschaft der Familie “Mir-doch-egal” an meinem inneren Küchentisch breitgemacht.

“Saisonales Futter aus der Region?” – Drauf gepfiffen, ich hab’ jetzt Bock auf Avocado und Kiwi.
“Fairgehandelte Schokolade und Kaffee?” – Alter, ich bin total pleite, ich hab’ kein Geld für sowas. Kindersklaven, my ass.
“Unnötiges Plastik vermeiden?” – Da soll sich mal jemand Anderes drum kümmern, ich hatte ‘nen Scheißtag und WILL jetzt das mehrfach verschweißte Industriefertigfutter aus’m Supermarkt.

Kurz: Mir doch woscht. Und zwar alles.
So weit, so blöd, so ignorant.

Eine gute Gewohnheit kommt selten allein….

Aber Polen ist nie und zu keiner Zeit verloren – denn jetzt, wo ich dabei bin, mir zumindest meine veganen Ideale zurückzuraffen, kommt auch so nach und nach der Reste der ehrenwerte Rasselbande wieder um die Ecke geschlichen. Ich höre schrittchenweise wieder auf, mich wie ‘ne Öko-Axt im Walde zu benehmen. Das ist zum einen natürlich gut für die Umwelt, aber auch für mich. Es fühlt sich nämlich einfach besser an.

Heute zum Frühstücke habe ich zum Beispiel Lust bekommen, mal wieder etwas zu verspachteln, das auf dem Weg zu meinem Tellerchen nicht erst um die halbe Erdkugel gereist ist und einen ökologischen Fußabdruck von der Größe eines Siebenmeilenstiefels hinterlassen hat – nämlich Buchweizen.

Buchweizen, Baby!

Buchweizen ist ein ziemlich köstliches (und glutenfreies, falls da jemand Wert drauf legen sollte) Pseudo-Getreide, enthält alle 9 essenziellen Aminosäuren und lässt sich herzhaft und süß zubereiten.

Zu meiner maximalen Empörung habe ich festgestellt, dass der Buchweizen aus dem Bio-Segment meiner Lieblingsdrogeriekette tatsächlich aus China (CHINA!) kommt. Aber sowohl in Supermärkten, Hofläden oder auch online (z.B. von Alnatura, Biozentrale/Edeka oder der Bohlsener Mühle) lässt sich meist recht mühelos Buchweizen aus Deutschland ershoppen, wenn auch zu einem etwas höheren Preis.

Noch ein weiterer Grund, sich öfter mal Buchweizen aus deutschen Landen auf den Teller zu schaufeln: Buchweizen blüht (je nach Zeitpunkt der Aussaat) bis in den September hinein, und ist somit für unsere Bienen gerade in dieser Zeit, wo sonst kaum noch ein Pflänzchen in Blüte steht, eine gern besuchte Futterquelle.
Mampfend die Welt und die Bienen retten – manchmal ist es so einfach.

Aber ohne Mampf kein Kampf, also ab an die Pötte und losgeköchelt.

Süßer Frühstücksbuchweizen mit Birne

Zutaten:

50 g Buchweizen
200 ml Pflanzenmilch (mein Favorit: Hafer!)
1 EL Apfel- oder Birnendicksaft
(Agavenkram oder Ahornzeugs ginge natürlich auch, aber hey…”regional, Baby!”)
1 mittelgroße Birne
etwas Zimt, wer mag

Den Buchweizen in eine Schüssel geben und entweder über Nacht in Wasser einweichen, oder – wenn einen erst morgens spontan der Hunger überfällt – mit kochendem Wasser übergießen und ca. 10 Minuten stehen lassen. In beiden Fällen die Körnchen später in ein Sieb geben und mit Wasser abspülen.

Die Birne vierteln, Kerngehäuse entfernen und in Würfel schneiden.

Zubereitung im Terrormix:

Buchweizen und Milch in den Mixtopf geben und 15 Minuten/98 Grad/Stufe 1 mit Linkslauf köcheln lassen (am besten ohne Meßbecher on top, denn nach ca. 5 Minuten steigt die Milch mal kurz über’n Deckel beim Aufkochen) – danach die gewürfelte Birne und den Dicksaft zugeben und weitere 5 Minuten bei 98 Grad/Stufe 1 mit Linkslauf garblubbern lassen.

Zubereitung im Kochpott:

Milch und Buchweizen in einen Topf geben und auf mittlerer Flamme aufköcheln. Unter gelegentlichem Rühren ca. 15 Minuten blubbern lassen, Birne und Dicksaft zugeben und weitere 5 Minuten köcheln.

Für die “Muggelischkeit im Bauch” kann man noch ein wenig Zimt zugeben.

Nun kann man den süßen Brei entweder sofort aus einer Schüssel löffeln oder in ein Schraubglas füllen und kalt im Büro verspeisen.

Alternative: Bananen-Erdnuss-Buchweizen

Auch sehr lecker (wenn auch ganz und gar nicht ‘regional’) ist ein süßer Bananen-Buchweizen mit Erdnussnötchen. Statt der Birne einfach nach 15 Minuten Kochzeit 1 mittelgroße, vollreife Banane in Stücke schneiden, zusammen mit 1 großem TL Erdnusmus ins Breichen rühren und ein paar Minuten köcheln lassen. Durch die Süße der Banane braucht’s auch keinen Dicksaft mehr.


Du willst “mehr Mohr”? Dann melde dich zum Newsletter an – kost’ nix und ist jederzeit kündbar!

[mohrkochen] Zitronenpasta mit Postelein

In der dunklen Jahreszeit ist mein Appetit auf frisches Grünzeug und knackige Salate eher spärlich vorhanden, auch wenn mein müder, schlapper Winterkorpus die darin enthaltenen Vitamine und Vitalstoffe vermutlich hände- bzw. zellenringend gebrauchen könnte. Dennoch gelüstet mich eher nach deftigen Suppen und heißen, dampfenden Gerichten mit Karacho.

Den Postelein (auch bekannt als ‘Portulak’ oder ‘gemeines Tellerkraut’), der vor ein paar Tagen mit seinen langen grünen Ärmchen aus meiner Ökokiste zugewunken hat, habe ich deswegen auch gleich zu einem leckeren Nudelgericht verarbeitet. Immerhin gibt’s durch die Zitronen eine fruchtige Note und das Grünzeug sorgt für einen fast schon frühlingshaften Look auf dem Teller (der allerdings in die Kategorie “Tarnen & Täuschen” fällt, denn die Kokosmilch sorgt für den nötigen Fettgehalt. Nicht das am Ende noch jemand vor Ende der Saison vom Winterspeck fällt. Wäre ja nicht auszudenken.)

Zutaten

1 Bio-Zitrone
1 EL Olivenöl
1 Knoblauchzehe
1 kleine Zwiebel
ca. 350 ml Wasser
1 TL Gemüsebrühe
200 g Kokosmilch
200 g Spaghetti
ca. 1/2 TL Salz
1/4 TL Chilipulver
1/4 TL schwarzer Pfeffer
80-100 g Postelein

Die o.g. Menge füttert 2 hungrige Mägen.

Zubereitung

Die Schale der Zitrone vorsichtig abreiben und den Saft auspressen (oder andersrum. Wie es euch beliebt.)
Das Öl in einem Topf erhitzen, die Zwiebel schälen, Knoblauch pressen und im Öl andünsten. Ca. 200 ml Wasser, die Gemüsebrühe und die Kokosmilch einrühren und aufkochen lassen.
Die Nudeln und den Zitronensaft zugeben (wer es nicht ganz so säuerlich mag, gibt erstmal die Hälfe des Saftes hinzu. Mehr geht ja immer….) und einrühren.

Der Vorteil solcher “One-Pot-Gerichte” ist zwar einerseits, dass man nur einen einzigen Topf verschmuddelt und wenig Spülarbeit hat – aber andererseits muss man auch den Topf hüten und kann nicht zwischendurch weggehen und die Welt retten. Dadurch, dass die Nudeln gleich in der Soße gargekocht werden, können sie auch leichter ansetzen. Also immer hübsch fein aufpassen und öfter umrühren.

Wenn die Flüssigkeit aufgesaugt ist, den Rest Wasser nachgießen und ab und an rühren.

Falls noch nicht passiert, könnte man nun den Postelein waschen und die langen Stielchen kleinschneiden. Die Blättchen können gerne ganz bleiben. Wenn die Nudeln gar sind, den Zitronenabrieb, den gehackten Postelein und die Gewürze zugeben, gut umrühren, nochmal kurz durchziehen lassen und kredenzen.

Immer noch nicht satt?! Dann schau’ doch in den MOHRTOPF – das ist für jeden Hunger was dabei. Vegan und ohne Gedöns!


Du willst “mehr Mohr”? Dann melde dich zum Newsletter an – kost’ nix und ist jederzeit kündbar!