Re-Check-in auf dem Veganschiff – I’m back on track!

“Die Gewohnheit ist ein Seil. Wir weben jeden Tag einen Faden, und schließlich können wir es nicht mehr zerreißen.” – Horace Mann

Eine der nervigsten und zermürbensten Begleiterscheinigungen der Psychokirmes, die mich nun seit knapp 2 Jahren mal mehr, mal weniger fest im Schwitzkasten hält, ist eine allumfassende “Woschtigkeit”. So ziemlich alles, was mir wichtig und erstrebenswert war, ist im Laufe dieser ätzenden Phase in Bedeutungslosigkeit und “Mir-doch-egal” versunken…Ideale, Hobbies, Lebensstil…”mir doch woscht.” Den ganzen Tag atmen und an die Wand glotzen ist schon anstrengend genug, da kann ich nicht auch noch die Welt retten.
Oder den Müll trennen.
Oder ein Buch lesen.
Oder mir die Haare waschen.
Keine Chance.

(Seinen gruseligen Höhepunkt fand diese Woschtigkeit an dem Tag, an dem mir beim Waldgassi mit Hund plötzlich mit schierem Entsetzen vor mir selbst auffiel, dass ich nun schon geschlagene 3 Tage weder geduscht, noch die Zähne geputzt oder meine Klamotten gewechselt habe, aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll. Oder…besser GAR nicht. So weit kommt’s ja hoffentlich nie wieder.)

Fürs neue Jahr habe ich mir (unter Anderem) vorgenommen, ganz gemütlich und ohne Druck in meinem Tempo wieder aus dieser Woschtigkeit herauszukrabbeln und mir selbst wieder ein bisschen treuer zu werden. ‘Tierfrei mampfen’ steht da auf der To-Change-Liste ganz weit oben, denn sowohl die rein pflanzliche wie auch die vollwertig Ernährung habe ich massivst schleifen lassen und mich durchaus auch mal mehrere Tage am Stück ausschließlich von Bergkäse und Vollmilchschokolade ernährt. “Mir doch woscht.”

Nun denn – also frisch voran! Das weder mir noch meiner Umwelt so eine miese, ignorante Ernährungsweise auch nur ansatzweise gut tut, versteht sich von selbst und muss nicht diskutiert werden, also habe ich mir zum Einstieg erstmal eine “30-Tage-Vegan-Challenge” für den ersten Monat im Jahr verordnet. Zum Glück weiß ich ja genau, wie das mit der tierfreien Pflanzenfresserei funktioniert. Schließlich war ich stramme 6 Jahre lang kon!-se!-quent! vegan, bis die Psycho-Axt mir das Genick gebrochen hat. Da sollte es ja ein Leichtes sein, da einzusteigen, wo ich vor 2 Jahren aufgehört habe mit der Konsequenz.

Aber überraschenderweise ist es gar nicht so einfach, mit Gewohnheiten zu brechen, wenn sich über lange Zeit feste Rituale und Abläufe ins Programm gefressen haben.

Auf der Arbeit steht ein Kaffeevollautomat, der ganz wunderbar köstlichen Latte Macchiato zaubert. Mit tierischem Kaffeeweißer-Pulver, selbstredend.

Unter Missachtung meiner ‘eigentlich’ veganen Einstellung habe ich nun über viele Monate jeden Morgen fröhlich und vorfreudig die entsprechende Taste gedrückt und kurze Zeit später einen schaumig-cremigen Milchkaffee geschlürft. Mit Tier inside.
Damit sollte natürlich jetzt im veganen Januar aber sowatt von Schluß sein, und ich hatte mir extra die Kaffeeweißer-Tütchen von Whity eingepackt, um meinem schwarzen Kaffee tierfrei aufzublondieren.

Erster Arbeitstag…schluff, schluff…mit müdem Kopp die Tasse grabschen, unter die Düse stellen, Nummer drücken….pfffccccccht….auha! Verdammt! Latte Macchiato! Ich wollte doch schwarzen Kaffee! Egal..wegkippen wäre auch blöd, also ab in den Schlund damit.
Aber morgen dann! Echt jetzt mal.

Zweiter Arbeitstag…schluff, schluff…Tasse drunter, Nummer drücken…ppppfffffcccccht…ach, VERFLIXT! Schon WIEDER die gewohnte Programmnummer gedrückt – dusseliges Mohrhuhn, dusseliges!
Aber morgen DENK’ ich dran!
Echt jetzt mal!
Manno.

Na gut – auch über den dritten Tag braucht man keine Worte zu verlieren (Drück-pfffffffcht…MANNO!) aber am vierten Tag habe ich tatsächlich zu früher Morgenstunde daran gedacht, eine andere Taste als sonst zu drücken und ein tierfreies Heißgetränk genossen.

Automatisierte Gewohnheiten sind echt ein Kreuz. Da muss man sich wohl manchmal ‘nen Knoten ins Tassentuch machen. Ansonsten klappt’s bislang ganz mühelos und es fühlt sich prima an, wieder ein Minischrittchen näher bei mir und meinen Idealen zu sein.
Vielleicht rette ich doch irgendwann wieder die Welt.

Oder wasche mir zumindest die Haare.


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3 thoughts on “Re-Check-in auf dem Veganschiff – I’m back on track!

  1. Anja& Lotta

    Ich bin in den letzten Tagen zweimal mit ungekämmten Haaren vor die Tür gegangen- hört sich erstmal nicht so schlimm an, aber durch die Länge und die Locken sah es auf meinem Kopf aus wie in einem unordentlichen Vogelnest, wenn auch ohne Inhalt. Gibt so Zeiten, da muss man durch. Ich find Deine Einstellung toll, nicht unterkriegen lassen! LG Anja

    1. Verena Brixius

      Liebe Daniela. Gewohnheiten ablegen ist schwer; meine Lösung: neue Gewohnheiten zulegen. So gehört es mittlerweile zu meinem allabendlichen festen Ritual deinen “Kurkumapowerlatte“ statt Schokolade oder Chips zu genießen….hat mich gefühlt schon vor 10 Erkältungen bewahrt und macht den Magen so schön voll und warm, dass da kein Platz mehr für Kalorienbomben ist! Der Badreiniger ist auch schon im Einsatz und ich klopfe mir bei seinem Anblick immer innerlich auf die Schulter und lobe mich für meinen Umwelteinsatz. Tut gut! Jetzt möchte ich das Spülmaschinenmittel umstellen, habe auch fleißig die Tabs verbraucht, finde aber das Rezept nicht mehr ( kann auch ein Link gewesen sein). Kannst du mir da helfen? Dann nutze ich die Zeit lieber für die Gassirunde, die Hunde (Fröschlein) schauen schon so fordernd…gibt auch Karma-Punkte..

      Ansonsten: Weiter so, ich liebe deine Beiträge!

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