Neujährchen – und andere Nettigkeiten

Im Rheinland (und vermutlich überall sonst auch) schenkt man den guten Geistern, die einem das ganze Jahr über gute und wichtige Dienste leisten, zum Jahresanfang eine Kleinigkeit oder gibt ein Trinkgeld. Die ‘guten Geister’ sind dabei meistens Postboten oder die Jungs von der Müllabfuhr, und die Trinkgelder nennt man (zumindest bei uns) “Neujährchen”. Sie bestehen meist aus einem Scheinchen, Wein oder Süßigkeiten.

‘Mein erstes Neujährchen’…oder zumindest der Versuch…

Als ich meine erste eigene Wohnung bezog, fand ich mich selbst unglaublich erwachsen beim Gedanken, “meinen” Müllmännern nun auch ein Neujährchen zu schenken. Ich hatte 2 Flaschen Wein hübsch verpackt, ein Schleifchen drumgewickelt und auf die abzuholenden Mülltonnen gestellt.
“Na, da werden sich die Jungs aber freuen, dass ich so eine aufmerksame und dankbare Kundin bin und ihre treuen Dienste keinesfalls als selbstverständlich hinnehme, sondern mich allergroßzügigst bedanke.” dachte ich so bei mir und fand mich selbst ganz schön großartig. Und so emphatisch.
Und irre sozial.

Um den Ruhm für mein gutes Werk und die garantiert überschäumende Heiterkeit der ‘Jungs in orange’ beim Vorfinden meiner großzügigen Geschenke nun auch bloß nicht zu verpassen, lauerte ich an jenem Morgen hinter der Gardine und starrte in die frühmorgendliche Dunkelheit. Schon sah ich den Müllwagen vorfahren, der Arbeiter stapfte zu den Tonnen, entdeckte meine Gaben (an dieser Stelle klopfte ich mir selbst erneut innerlich auf die Schulter für meine exorbitante Großzügigkeit)…zögerte kurz, schien zu stutzen, nahm die Flaschen, öffnete den Deckel, warf meine Geschenke mit Schwung in die Tonne, leerte selbige unter lautem Gerappel in den Müllwagen, sprang auf und brauste von dannen.
Ich riss entsetzt die müden Augenschlitze auf und blieb schwerstenttäuscht am Fenster zurück, während der Arbeiter vermutlich irgendwas von “Blöde faule Weiber, schaffen es noch nicht mal, ihren Müll IN die Tonne zu schmeissen, für alles sind’se sich zu fein.” brummelte.

‘Gut gemeint’ ist halt nicht immer ‘gut gemacht’.

Mein innerer Bleistift kritzelte sich ein “Merke, Geschenke immer persönlich überreichen, vor allem wenn es stockfinster ist. Eine Mülltonne ist kein geeigneter Gabentisch.” auf die Hirnrinden-Pinnwand. War im Nachhinein dann vielleicht doch nicht der schlaueste Einfall, aber hinterher hat man’s ja immer vorher gewußt.

Fürs nächste Jahr im Erwachsenenleben war ich maximal-neujährchenmotiviert und nahm davon Abstand, Wein oder Süßigkeiten zu verschenken, denn davon hat man bekanntermaßen nach Weihnachten eh die Bude voll und so ein Geschenk wirkt dann schon eher wie “Naja, hatte ich eh in der Schublade rumfliegen, das musste weg.” Ich habe stattdessen kleine Kuchen gebacken, schick verpackt und höchstpersönlich überreicht. Mit einem kleinen Dankeschön. Und schon lief die Neujährchensache.

Nun schreiben wir den Januar 2019 und mir fiel mir gerade so auf, dass ich diese charmante Tradition in den letzten Jahren nicht nur schleifen gelassen, sondern komplett eingestellt habe. Ich nehme mir zwar jedes Jahr aufs Neue vor, zum Jahresanfang ein paar lieben Menschen eine Freude zu machen und mich dafür zu bedanken, dass es sie gibt – aber dann kommt doch meistens irgendwas dazwischen.
Einkaufen.
Steuererklärung.
Buntwäsche.
Die Katze kotzt.
Der Hund humpelt.
Das Übliche halt.

Nun ist aber noch nicht alle Tage Abend, bzw. aller Jahre Ende – und soweit ich weiß, gibt es keine Neujährchen-Gesetze, die festlegen, innerhalb welcher Frist man seine Mitmenschen mit kleinen Herzlichkeiten beschenken darf. Und weil ich gerade ohnehin so backwütig bin, durften sich der DHL-Paketbote (der sich immer fast einen Bruch an meinen ganzen Tierfutter-Paketen schleppen muss) und unsere supernette Postbotin über ein süßes Geschenk freuen.
Und ich mich wieder als uneigennützige Sozialsuperheldin von Neuwied fühlen. Win/win.

Und ihr? Macht mit! Natürlich! Mitgefangen, mit…neujahrt!

Wochenaufgabe:
Mindestens einen lieben Menschen mit einer kleinen Nettigkeit beschenken!

Und ihm sagen, dass er wichtig, toll und überhaupt ganz und gar töfte ist.

Das tut nämlich nicht nur dem Beschenkten gut, sondern wird euch auch selbst gute Laune bringen – und davon kann man an diesen düsteren Wintertagen gründlich was gebrauchen.

Das könnt ihr der Frau Mohr ruhig glauben.
Die weiß das.


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1 thought on “Neujährchen – und andere Nettigkeiten

  1. Anja& Lotta

    Hallo Daniela, ja, das mache ich auch schon seit Jahren, vor allem unsere tapferen Müllmänner werden bedacht. Ich stehe dann auch immer auf der Lauer und warte, bis sie mich sehen können. Meistens erschreckt sich einer, wenn ich sie über den Lärm des Müllautos hinweg an(schreie)spreche, aber dann ziehen sie sogar ihre Handschuhe aus und schütteln mir die Hand. Gibt einem ein gutes Gefühl. Wo wären wir denn ohne unsere guten Geister? Die schlauen Mädels von unsrem Futterladen, die mir schon so manchen guten Tipp gegeben haben, werden auch immer mit Plätzchen versorgt. Schenken ist schön, vor allem wenn man damit auch Danke sagen kann.

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