Kleine Abenteuer gegen den Zeitraffer – trotz Corona!

“Wenn man älter wird, geht die Zeit viel schneller vorbei!” seufzte mein älterer Kollege früher regelmäßig vor sich hin – und ich (mit meinen 16 Lenzen) konnte mich darüber nur wundern und habe diese Sprüche sogar ein bisschen belächelt.

Ja, ja, die Alten.

In den letzten Jahren habe ich mich nun doch selbst ganz oft beim gleichen Gedankengang erwischt, und fühle mich dann gleich wie ‘ne weißhaarige Großmutter, die im Schaukelstuhl sitzt und ihren Enkeln von “damals” erzählt…damals, als eine Woche noch eine ganze spannende Ewigkeit war, mit jeder Menge Möglichkeiten verschiedenste Erlebnisse reinzupacken. Damals, als 6 Wochen Sommerferien eine halbe Ewigkeit war.

Eins, zwei, drei, im Sauseschritt…rennt die Zeit – wir rennen mit!

Heute fühlt es sich (im Gegensatz zu “damals”) oft an, als fluppt ein ganzer Monat, sogar ein ganzes Jahr durch die Finger wie Sand – von einer WOCHE will ich gar nicht erst anfangen. Ratzfatz, isse fott!

Tatsächlich gibt es für dieses Empfinden eine ganz logische Erklärung:
Wenn man älter ist, steckt man meistens bombenfest im Alltagstrott und in Routinen. Im Gegensatz zu Kinder- und Jugendtagen erlebt man viel weniger Neues, und daher werden viel weniger Erlebnisse und Emotionen im Gehirn abgespeichert, an die man sich nach einer Weile erinnern könnte. Gefühlt ist also in dieser Zeit “nix” passiert, die Zeit ist vorbeigeflattert und hat nichts außer ‘nem neuen Fältchen und dem ein oder anderen grauen Haar zurückgelassen.

Unsere Wahrnehmung ist da nämlich ein kleines bisschen unlogisch:
Gerade dann, wenn man wenig Neues erlebt hat, fühlt es sich im Nachhinein so an, als sei die Zeit besonders schnell vergangen. Ein eintöniger Arbeitstag, an dem man nur Bürokram erledigt, durch Blabla-Konferenzen wabert und in Warteschleifen festhängt, scheint manchmal ewig zu dauern. Am Abend wundert man sich trotzdem, was man eigentlich all die Stunden über gemacht hat.
Und wenn dann die ganze Woche so eintönig und routininiert verläuft wie einer dieser Tage, bleibt im Erinnerungsschublädchen der Hirnstube am Ende nix hängen.

Kleine Abenteuer bringen Spaß – aber auch ‘gefühlte’ Lebenszeit

Die Lösung gegen dieses mitunter gruselige Zeitraffer-Phänomen liegt ja eigentlich auf der Hand: Einfach jeden Tag etwas Neues machen, was Anderes, irgendwas, dass das Gehirn als “speicherungswürdig” ansieht.

Ist doch easy.
Piffpaff, Problem gelöst.

Ähm, nein.
So einfach ist es – zumindest bei mir – irgendwie doch nicht. Normalerweise ist man doch eher eingekesselt in den kleinen und großen Routinen, die der Alltag halt eben so mitbringt und die ja irgendwie erledigt werden müssen, damit die Sache rundläuft. Jeden Tag zu einem atemberaubenden Abenteuer mit spannendem neuen Input zu machen, ist unter normalen Umständen schon fast ein Ding der Unmöglichkeit.
Und nun – ja, nun ist ja ohnehin alles anders.

An die Nadeln, fertig, los – wir stricken uns ein Abenteuer!

Aktuell fallen kleinere Alltags-Seitensprünge wie “mal ganz alleine ins Kino gehen” oder “einen Trommelkurs an der VHS belegen” coronabedingt erstmal flach. Auch “an einen Ort fahren, an dem man noch nie war” gestaltet sich derzeit schwierig, es sei denn, es handelt sich um ein nahelegenes Nachbardörfchen.

Dennoch habe ich mir ganz feste vorgenommen, dass ich alles dafür gebe, dass der Frühling 2020 NICHT in meinem inneren Andenkenschublädchen abgespeichert wird als “der Frühling, in dem ich täglich stundenlang Nachrichtenseiten durchforstet, mit Angstschweiß im Nacken meinen Kontostand fixiert habe und zerstreut wie ein dementer Professor durch die Gegend gestolpert bin.”

Und genauso fest habe ich mir vorgenommen, mindestens einmal pro Woche etwas zu machen, dass ich noch nie vorher gemacht habe. Ich bezeichne mich ja selbst oft großspurig als “kreativ”, da wird mir schon was einfallen.

Letzte Woche zum Beispiel habe ich am allerfrühesten Morgen mit einem frischen Kaffee in der Hand zugeschaut, wie unser hiesiger Obstbauer seine Apfelblüten mittels Frostschutzberegnung vor dem Erfrieren gerettet hat. In der Morgensonne konnte man sich einen kleinen Moment lang wie in einem eisigen, glitzernden Märchenland fühlen…zumindest so lange, bis der Wassersprenkler in meine Richtung geschwenkt ist.

Aber trotz des eisigen Regengusses zum Schluss…diesem entzückenden Ereignis habe ich noch nie vorher zugeschaut – und eigentlich sind das so die kleinen Alltagszaubereien, die man vielleicht übersieht, wenn man einfach stumpf in seiner Routine herumwurschelt.

Und genau die gilt es zu finden – denn die Abenteuer sind irgendwo da draußen, ganz sicher.

Und wenn das alles vorbei ist – dann mach’ ich vielleicht ‘nen Trommelkurs an der VHS.
Nämlich.


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