Hello darkness, my old friend…

Hello darkness, my old friend…

Nun ist es schon über einen Monat her, dass ich zuletzt vergnügt auf die Arbeit gestapft bin und die Welt zumindest noch halbwegs in Ordnung war – und es kommt mir fast schon vor, wie aus ‘nem anderen Leben.

Anfangs, als als sich die Coronakrise noch nicht komplett in ihrer bedrückenden Fratze gezeigt hat, ist es mir noch leidlich gut gelungen, Schultern und Kopf oben zu lassen. Letztlich will (und muss!) das Leben auch in schwierigen Zeiten gelebt werden, und viele Widrigkeiten muss man halt nehmen wie sie sind – und mit Humor und Schabernack kommt man irgendwie immer besser durch als mit Trübsinn und Miesepetrigkeit.

So nach und nach fehlte mir dann aber doch das im Grunde ja doch immer irgendwie beruhigende und stabile Korsett des Alltags…die Struktur, die Abläufe, das Wissen, dass man eben jeden Tag zur gleichen Zeit zur Arbeit braust, und die Sicherheit, dass es eben ganz genauso auch in der nächsten Woche weitergehen wird. “Nicht zu wissen, was wird” ist und war schon immer Gift für meinen strubbeligen Kopf, und so sehr ich auch dran arbeite, so richtig ändern kann ich mich dann halt doch nicht.

Ein wirrer Geist braucht klare Linien.

Und trotz vehementer Gegenwehr wurden die Tage dann doch nach und nach dunkler, meine Gemüts-Haut wurde dünner, das Nervenkostümchen wackliger…dann wurde noch das Hundetierchen krank und bekam das Pfötchen aufgeschnibbelt – was dem Hundetier selbst wie immer recht wenig ausgemacht hat, aber eben wieder die mühsam aufgebaute Tagesstruktur durcheinandergewirbelt hat und neue Sorge und natürlich zusätzliche Geldnot im Gepäck hatte. Und dann, vor ein paar Tagen, als ich das Hundetier aus dem Auto gehoben und mir dabei mächtig die Rübe an der Autotür gerammelt habe, brach dann das letzte Fitzelchen Fassung und mündete in einem filmreifen Heulanfall.

Und danach ließ sich die Wahrheit auch nicht mehr weglachen – Helga ist wieder da.
Die Psychokirmes. Das Deprimonster. Wie auch immer man es nennen mag.
Hello darkness, my old friend.

Im Grunde kann ich schon ziemlich stolz auf mich sein, dass ich es so lange geschafft habe, Helga keinen Raum zu geben und sie nicht reinzulassen…so wie jeder einzelne Menschen mit psychischen Erkrankungen sich mit Schmackes auf die Schulter klopfen kann, wenn er in diesen Zeiten nicht einfach zusammenbricht, sondern sich irgendwie durchwurschelt. Corona mit all seinen Unsicherheiten ist ja schon für stabile Menschen eine Herausforderung – mit ‘ner Sollbruchstelle im Gemüt ist es fast unmöglich, nicht umzukippen.

Aber nun, es ist, wie es ist. Helga ist wieder da und gibt sich beste Mühe, mich mit ihren feisten Griffeln zurück in den brackigen Traurigkeitstümpel zu zerren…und ist vermutlich gekommen, um ‘ne Weile zu bleiben.

Und nach ein paar wirklich ekelhaft düsteren und traurigen Tagen mache ich jetzt einfach dass, was sich auch schon “damals” im Umgang mit Helga bewährt hat:

Einfach weitermachen.
In Bewegung bleiben.
Nur nicht aufgeben, nur nicht mit Haut und Haaren dem schwarzen Sumpf ergeben, nur nicht stehenbleiben.

“All you have to do is not to quit”.

Und wenn mir auch sonst gefühlt gerade so gar nichts gelingt – “Nicht-Aufgeben” kann ich. Auch wenn das Helga so gar nicht passt.


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