“Alles Attitude!” – Frau Mohr, das Zengesicht

“Alles Attitude!” – Frau Mohr, das Zengesicht

“Du musst an deiner Attitude arbeiten…”
Fast immer, wenn ich an irgendeiner Sache verzweifeln möchte, erscheint auf meiner inneren Kinoleinwand ein lotusblütenumflortes, rosiges und faltenfreies Gesicht, das mir mit milder Stimme und entspannungsmusikuntermalt aufträgt, doch bitteschön “an meiner Ättitjuut zu arbeiten”.
Abgesehen davon, dass ich weder für Anglizismen noch für lotusblütenumflorte Zenjünger eine besondere Vorliebe hege (und mich nicht selten ernsthaft frage, ob in meinem Kopp noch alles richtig tickt) , ist an der Sache mit der Attitude durchaus was dran.

Attitude bedeutet soviel wie “Einstellung, Haltung”…und macht letztlich den Unterschied aus, wie wir mit ‘ner Sache umgehen.
Eine Situation oder ein Ereignis ist im Grunde erstmal neutral.
Es ist halt, wie es ist.
Und wie ich mich am Ende damit fühle, hängt eben von besagter Denkweise oder Einstellung ab.

Nehmen wir mal ein kleines Beispiel: Ich hab’ mich mit jemandem verabredet und er/sie kommt zu spät. Da hätte ich nun die Möglichkeit, wütend vor mich hinzugrummeln, alle 2 Sekunden nervös auf die Uhr zu starren und mich innerlich zu empören, dass besagter Mensch so vollkommen respektlos mit MEINER Zeit umgeht und mich hier einfach so rumstehen lässt.
Kann man machen – fühlt sich aber scheiße an.

Oder ich nutze die Wartezeit, um mich auf ‘ne Parkbank zu setzen (sofern am Treffpunkt eine vorhanden ist, selbstredend), den Vögelchen zu lauschen (hier gilt das gleiche), ein bisschen vor mich hinzustarren….oder, falls weder Parkbank noch Vögelchen verfügbar sind, ein paar interessante Artikel oder Kolumnen aus dem Internet herauszulesen.

Die Situation bleibt in beiden Fällen die selbe: Ich bin verabredet und muss warten. Aber meine Attitude macht den Unterschied, ob ich dabei grollend herumhüpfe oder (lotusblütenumflort) vor mich hinschmunzele.

Nun klappt das natürlich nicht immer und in jeder Lebenslage – aber es ist zumindest immer ‘nen Versuch wert. Nehmen wir nun mal meine derzeitige Situation (und die so viele anderer Menschen in diesen Tagen):

Coronakrisenbedingt befinde ich mich in Kurzarbeit und es fließt gerade mal 60% von meinem Teilzeitgehalt auf mein Konto. Das ist der neutrale Stand der Dinge. Jetzt kann ich wahlweise darüber verzweifeln, dass ich nicht arbeiten und Geld verdienen kann, dass die paar Kröten nie und nimmer zur Deckung der laufenden Kosten reichen und dass mein ohnehin stark unterernährtes Konto täglich weiter schrumpft und schrumpft. Ich kann maximalverzweifelt stündlich den Kontostand checken und mir eine desaströse Zukunft ausmalen.


Oder ich kann die innere Entspannungsmusik aufdrehen, mir eine imaginäre Lotusblüte ins Haar stecken (wenn die Friseure noch länger geschlossen haben, wäre das durchaus bald im Bereich des Möglichen) und mit milder Stimme zu mir selbst sprechen: “Hey, Frau Mohr, altes Zengesicht, die Sonne scheint, du hast keinerlei Verpflichtungen, musst nicht arbeiten gehen und kannst den ganzen Tag machen, was du willst…UND bekommst sogar noch ein bisschen Geld dafür!”

Die Lage ist in beiden Szenarien die selbe.
It’s all about the attitude.
Nämlich.


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