“Buen camino!” – Frau Mohr auf dem Galicien-Ultratrail

“Buen camino!” – Frau Mohr auf dem Galicien-Ultratrail

Diese kleine Geschichte wurde bereits vor ihrem offiziellen Auftritt auf der Mohrblog-Bühne Ingredienz einer Folge des Mohrcasts und wäre demnach bei geneigtem Interesse HIER anzuhören. Desweiteren spielt das P-Muskeltraining auch hier eine maßgebliche Rolle….


Kürzlich habe ich den Tipp eines Psychologen gelesen, der empfiehlt, dass man die Dinge, die man coronabedingt derzeit am allermeisten vermisst, stattdessen einfach in seiner Phantasie zelebrieren sollte. Also statt Sommerurlaub als Brathühnchen am Strand von Malle einfach beherzt einen Liegestuhl in den Garten stellen, sich erheiternde Beachmusic auf die Ohren knallen und sich ganz, ganz feste vorstellen, dass man statt im Hinterhof in Oer-Erkenschwick gerade auf den Balearen vor sich hinbrutzelt.

Rheinland ade! Galicien ahoi!

Ich persönlich finde diese Taktik ehrlich gesagt eher traurig als motivierend – aber als ich heute morgen durch die Regentropfen auf dem Fenster ins graue Firmament blicke, denke ich mir “Och – warum eigentlich nicht?” Dann laufe ich halt heute einfach mal durchs sonnendurchflutete spanische Galicien statt durchs klatschnasse, matschige und trübe Rheinland. Und weißte was, Gehirnstube? Wenn ich schon mal hier bin, dann laufe ich hier heute auch gleich den überaus anspruchsvollen Galicien-Ultratrail über 70 km (statt der angepeilten 10 Kilometerchen über breite Wirtschaftswege im örtlichen Mischwald) – und weil dieser Lauf wegen seines mörderischen Höhenprofils so strapaziös und nur was für RICHTIG harte Hunde ist, bin ich auch die einzige Teilnehmerin des Ultratrails.

Ich meine…wenn schon Realitätsverlust, dann richtig. Da mach’ ich keine halben Sachen.

Der spanische Landstrich Galicien wird bei Wikipedia als “fruchtbare, grüne Region” beschrieben und liegt am Atlantik – also quasi fast ein Doppelgänger meines frühlingshaft ergrünten Lieblingsforstes mit Blick auf Vater Rhein, und somit die perfekte Landschaft für meinen imaginierten Ultramarathon. El viva espana! Und dreimal schwarzer Kater.

Ultra ist, wenn ich es sage!

Auf den ersten 2..ähm…20 km tropft mir die spanische Sonne ziemlich frostig und feucht in den Nacken und die zarte Sommerbrise zerrt an meiner Haute-Couture. Da braucht es nun doch schon sehr viel Vorstellungskraft, um sich dieses meteorologische nasse Frühlingsdesaster als südländische Sommerszenerie auszumalen – aber vermutlich gilt für diese Form der Traumtänzerei das Gleiche wie fürs Laufen: Dranbleiben und nicht aufgeben.

Verpflegungsstände sind hier bei dieser spanischen Veranstaltung eher spärlich gesät (bis gar nicht vorhanden), aber das macht mir als erfahrene Extremsport-Koryphäe natürlich nicht die Bohne aus. Ich schlürfe statt eisgekühlter Isodrinks halt einfach Regentropfen von den knospenden Buchblättern, bzw. glitzernde Sonnenstrahlen aus den wollweißen Wattewölkchen. Ohnehin ist die Landschaft so entzückend, dass ich durchaus auch ausschließlich von Luft und Liebe leben und laufen könnte.

Und ganz wie es sich für die amtierende Princess of endurance geziemt, komme ich trotz äußerst anspruchsvollem Höhenprofil über alpine Trampelpfade hier allerbestens voran, liege maximal gut in der Zeit und sehe dabei noch extrem großartig aus. Nur noch knapp 10 km bis zum Zieleinlauf…aber keine Eile, ICH werde ja ohnehin gewinnen.

Siegreich ins galicische Walhalla!

Der Anblick eines forsch marschierenden Pulks Wandersleut’ (mit Regenschirmen!) irritiert mein Gehirn kurzfristig – was machen die denn hier auf’m Ultratrail? Dann fällt mir plötzlich ein – geographisch bewandert, wie ich nun mal bin – dass der berühmte Jakobsweg durch diese Landschaft führt und die Hauptstadt Santiago de Compostela quasi direkt ums Eck liegt. Hier wird es sich also zweifelsohne um Pilgerer handeln auf dem Weg zur heiligen Kathedrale. Mir kann man halt nix vormachen, ich kenn’ ich mich aus! Also schmettere ich dem Wandertrupp ein euphorisches “Buen camino!” entgegen (bekanntermaßen der gebräuchliche Pilgergruß auf dem Jakobsweg), ernte irritierte Blicke und schwebe weiter auf meinen galicischen Pfaden, dem flatternde Zielbanner entgegen.

Das das Zielbanner eigentlich bloss eine im kühlen Nordwind flatternde blaue Mülltüte ist, die keck aus der Tonne am örtlichen Wanderparkplatz lugt, statt 70 gerade mal 10 Kilometerchen auf meiner Uhr stehen und ich statt blendender Athletenoptik eher das pitschnasse Äußere eines begossenen Pudels aufweise, ist mir dabei aber sowas von egal.

Ich lass’ mir doch von der Realität nicht vorschreiben, wie und wo ich zu laufen habe.

Galicien-Ultra ist, wenn ich es sage!
Nämlich.

Photo by Alex Iby on Unsplash


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