September-Aufgabe – “10 Minuten Stille am Tag”

September-Aufgabe – “10 Minuten Stille am Tag”

Je mehr sich die Wissenschaft mit der Ruhe beschäftigt, desto mehr deutet alles darauf hin, dass regelmäßige Zeiten der bewussten Stille Stress reduzieren, das Gehirn regenerieren, die Kreativität steigern, vor Depressionen schützen und allgemein für innere Zufriedenheit sorgen.
Das Problem ist nur: Stille ist gar nicht so einfach zu ertragen

“Was im Hirn passiert, wenn es still wird”

Vor einer Weile hatte ich die mehr oder weniger glorreiche Idee, mir für jeden Monat eine kleine Aufgabe oder ein Projekt auf die Fahne zu schreiben – weil ich so tendenziell ja leider dazu neige, ALLES auf einmal ändern und verbessern zu wollen. Und eigentlich lief es auch ganz gut an….

In Juli und August war dann erstmal wieder Pause, weil das Leben an und für sich zu der Zeit gerade Challenge genug war….aber im September wird’s jetzt mal wieder Zeit! Einerseits steht mir gerade der strubbelige Sinn nach Abenteuer, neuen Dingen erleben, Spiel, Spannung und Schokolade…andererseits hat mir meine Hirnstube gerade überdeutlich signalisiert, dass ich gut daran täte, erstmal keine neuen Dinge REINzuballern, sondern vielleicht erstmal ein bisschen was rauszunehmen und vielleicht erstmal tendenziell ein wenig zur Ruhe zu kommen.

Ingesamt habe ich nämlich die ungesunde Neigung, gerade in turbulenten Zeiten, wenn mein Schädel eh schon von morgens bis abends brummt vor lauter Input, meine Freizeit auch noch mit (teilweise vollkommen unangemessener) hektischer Betriebsamkeit vollzuballern…schnell noch 2 Brote backen, dann haste für die Woche was zu essen, ach, Müsliriegel wären auch gut, und noch flott einen Blogartitel schreiben und einen Podcast und der Hund muss raus und Buntwäsche und….und schon steht der Hirnkasten kurz vor’m Totalzusammenbruch.

Also lautet meine September-Aufgabe: Täglich 10 Minuten in absoluter Stille verbringen. Kein Handy, keine Musik, kein Buch, kein Film…einfach mal die innere Festplatte ein wenig runterfahren lassen und atmen. So wie ich derzeit gemützt bin, ist das wohl eine noch größere Aufgabe als “täglich 2 Marathons laufen”. Und gleich am ersten Tag habe ich es auch schon nicht geschafft, weil…”Och, keine Zeit!” und “Och, zu müde!”

Frau Mohr grapscht sich die Stille-Pille!

Stille ist ja eigentlich eine ganz wunderbare und vor allem kostenlose Arznei für mehr Wohlbefinden. In den allermeisten Lebensmodellen ist diese Wunderwaffe kaum noch zu finden – vom frühen Morgen an werden die meisten Menschen mit Geräuschen und Eindrücken berieselt (oder LASSEN sich berieseln), tagsüber klingeln Telefone, die Mitmenschen plappern auf einen ein (oder man plappert selbst), Maschinen lärmen, Autos und Mofas brummen, der Fernseher plärrt und selbst beim Einkaufen wird man mit Musik bedröhnt. Zusätzlich zu dieser ganzen akkustischen Dauerdunstglocke über unseren Schädeln kommen noch 1000 andere Informationen und Eindrücke, die unser Hirnkasten aufnehmen, verarbeiten und einsortieren muss….E-Mails, TV, Radio und dann noch die ganzen ach! so wichtigen Infos aus den sozialen Netzwerken. Viele Menschen leben in einem ständigen Geräuschepegel voller herumsausender Informationen und Eindrücke. Klingt stressig? Ist es auch!

Vermisstenmeldung! Ruhe verzweifelt gesucht!

Und blöderweise ist unser Gehirn gar nicht unbedingt dafür ausgelegt, eine solche Flut an Informationen und Geräuschen gleichzeitig aufzunehmen und dazu ständig mindestens 2 Dinge gleichzeitig verarbeiten zu müssen.
Diese ständige Dauerbereitschaft der Hirnstube kann auf Dauer ziemlich unangenehme Konsequenzen für die Gesundheit haben – erst leidet die Konzentrationsfähigkeit, man fühlt sich (zu Recht!) gestresst, müde, schläft schlechter bis gar nicht und zum unguten Schluss hat man gar dauerhafte Begleiter wie ein Burnout-Syndrom an der Backe, oder andere garstige Dinge wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Migräne, Verdauungsstörungen, Rückenschmerzen oder Depressionen.
Da ist “Ruhe” doch ein ziemlich wirksames und vor allen Dingen preiswertes und schnell verfügbares Gegenmittel und bringt viel mehr erholsame Effekte mit sich, als man auf Anhieb vermuten mag. Absolute Ruhe ist wie Urlaub für Ihr Gehirn.

Durch die ständige akkustische Dauerberieselung befindet sich unser Nervensystem in ständiger Alarmbereitschaft und schüttet am laufenden Meter die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin sowie Cortisol aus. Ruhe hingegen hilft, den Pegel wieder zu senken.

Zudem aktiviert Stille das sogenannte „Default Mode Netzwerk“ im Gehirn, das bedeutet, dass bestimmte Hirnregionen wieder aktiv werden können, welche bei Dauerberieselung durch Geräusche und Eindrücke „besetzt“ sind. In der Stille haben wir also Zugriff auf mehr Gehirnareale, können uns besser konzentrieren und finden mitunter kreative Lösungen für Probleme, die uns “im Lärmmodus” schier zu erschlagen drohen.

Aber – woher nehmen?

Nun ist zwar “Ruhe” unglaublich wirksam, gesund, erholsam und zudem noch kostenlos, aber trotz aller Einfachheit nun doch nicht jederzeit verfügbar. Wenn mir auf der Arbeit oder im Supermarkt die Hirnstube zu explodieren droht, kann ich nicht jederzeit “Jetzt mal ALLE Ruhe hier!” plärren und die Welt anhalten – aber in den meisten Alltagen sollte es doch möglich sein, sich jeden Tag zumindest mal 10 oder 15 Minuten dieser Arznei abzugreifen.

Und das wird nun meine Septemberübung – die sich am besten gleich zu Jahres- oder gar Lebensübung ausdehnen sollte. Meine Hirnstube wird’s mir vermutlich danken!

Und wie immer freu’ ich mich über jeden, der mitüben und mitchallengen möchte.

Zuallererst kann man ja mal überlegen, wo und wie man seine Stillepille fortan täglich einnehmen könnte….vielleicht abends, nach dem Abendessen, wenn die Katzen schlafen und die Welt auch mal Ruhe gibt.

Oder morgens, gleich zum Start in den Tag…oder in der Mittagspause, wenn man vielleicht einen schicken Park in der Nähe hat oder mit dem Auto zu einem beschaulichen Aussichtspunkt fährt…oder…oder. Wenn man also die Einnahme der Pille geklärt hat, legt man einfach los und macht..nichts. Nichts. NICHTS! Gar nichts. Einfach einen bequemen Platz suchen, wo einen niemanden stört, vielleicht die Augen schließen und die Klappe halten. Wenn Wetter und Tageszeit es zulassen, kann man natürlich auch in den Wald stapfen und sich ein ruhiges Plätzchen suchen, da kann man auch gleichin einem Rutsch noch die heilsame Wirkung der Waldluft mitnehmen.

Nun kann man natürlich nicht auf Knopfdruck alle Gedanken ausschalten, die einem gerade durch die Hirnrinde
kreisen, im Gegenteil – das ist dann eher schon eine Meditationsübung für So-Richtig-Doll-Weit-Fortgeschrittene. Das, was da gerade im Kopf herumwuselt, darf ruhig weiterwuseln…viel wichtiger ist, dass erstmal von außen nix Neues mehr dazukommt.

Und auch wenn es nicht gleich auf Anhieb gelingt, abzuschalten und diese Stillepille vielleicht sogar erstmal gar nicht richtig erfrischt, weil es sich anfangs irgendwie unkommod anfühlt, so macht hier Übung am Ende den Meister.

Und die Hirnstube flüstert leise Dankeschön.

Hoffentlich.


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