Archiv der Kategorie: mohrgedanken

Frau Mohr ahoi! Das Veganschiff bleibt auf Kurs…

Mein hehrer Plan, mich im Januar ausschließlich und ausnahmslos veganös zu verköstigen, lief bis auf minimalste Schwierigkeiten (siehe ‘Latte Macchiato‘) derart mühelos, dass ich auf die schelmische Frage meiner Freundin “Und? Gibt’s jetzt auch noch ‘nen veganen Februar?” ohne zu zögern mit “Klaro!” beantwortete.

Auch wenn ich ja in den letzten beiden Jahren faulheits- und antriebsbedingt sehr stark vom Pflanzenfresser-Kurs abgewichen bin und mir mitunter recht wahllos alles Vegetarische in die Futterluke geschaufelt habe, was sich mir in den Weg geschmissen hat, war und bin ich ja im tiefsten Herzen immer noch fest davon überzeugt, dass es schlichtweg falsch ist, Tiere einzuknasten und auszubeuten, nur damit ICH mir Nudeln mit Gorgonzola, Rührei oder Kaffee mit Milchschaum unter der Nase reinschaufeln kann.
Und man kann es drehen und wenden, wie man will – wenn man ständig etwas tut, von dem man tief drinnen weiß, dass es scheiße ist, dann fühlt sich das auch scheiße an.
Auch wenn man den Gedanken möglichst weit zur Seite schiebt.

Im Umkehrschluß fühlt es sich dann (zumindest für mich) mächtig gut und richtig an, wenn man wieder konsequent nach den eigenen moralischen Maßstäben lebt. Wie das mit der Pflanzenfresserei funktioniert und umsetzbar ist, weiß ich ja nun selbst am besten – und um dranzubleiben, gab es für mich im Januar ein winzige, aber wichtige Regel: “Keine Ausnahmen!”

Im letzten Jahr habe ich oft halbherzig beschlossen, jetzt aber wirklich mal wieder ein bisschen pflanziger zu futtern, aber dann haben mich die selbstgebackenen Kekse der Kollegen wieder so herzlich angelacht und ich dachte “Och komm, den einen Keks….” – und dann folgte ein zweiter und ein dritter und am Ende war die Tüte leer und der Bauch voll. “Aber…morgen dann..echt jetzt…”. Oder die Pommes mit der klebrigen Käsesoße vom Fastfoodbaron des Ortes. Oder die Veggie-Lasagne mit der Käsekruste. Oder….oder…irgendwas ist immer.

Im Januar gab es keinen einzigen Ausnahmekeks, kein Ausnahmekäsebrot, keine Ausnahmesahnesoße – und was für den ein oder Anderen vielleicht fürchterlich streng und freudlos klingen mag, hat für MICH die Sache unglaublich vereinfacht. Ich muss erst gar nicht mit mir selbst diskutieren, nachdenken oder hadern, ob ich dieses Rührei-Brötchen jetzt doch ausnahmsweise mal essen möchte, weil es doch gerade so lecker riecht…oder doch nicht, oder dann doch ab morgen vielleicht wieder veganer und überhaupt. Gibbet nicht. Keine Diskussion. Ende, Gelände.

Trotzdem bin ich selbstredend nicht verhungert oder an Futterschmacht verstorben, denn die tierfreien, leckeren Alternativen sind ja da. Nur halt nicht in jeder Plätzchenschüssel oder in jeder Schublade.

Weiterhin nicht zu unterschätzen in meinem persönlichen Fall ist das ziemlich befriedigende Gefühl. endlich mal wieder ‘ne Sache durchzuhalten, die ich mir vorgenommen habe. In den letzten Jahren war mein Treiben ja (gefühlt) grundsätzlich eher vom Nicht-auf-die-Reihe-kriegen geprägt, und als “Scheiter-Elli” war ich nicht wirklich zufrieden mit mir.

Jetzt aber – Veganer Januar geplant, veganen Januar geschafft.
Dieses scheinbar bedeutungsarme Schrittchen pustet den Hirnwindungen überraschenderweise doch wieder einen Hauch Selbstbewusstsein ein, und schürt leise Hoffnungen darauf, vielleicht auch noch andere Dinge endlich wieder auf die Kette zu kriegen. Regelmäßiges Laufen, beispielsweise. Oder eins der zahlreichen Buchprojekte fertigschreiben.

Das Foto oben übrigens stammt von einem Städtetrip nach Istanbul, vor gefühlten Jahrzehnten. Damals hätte ich noch Geld und Motivation zum Reisen. Aber wer weiß. Vielleicht schaffe ich das auch irgendwann wieder – jetzt wo ich die Vegansache geschafft habe. Horrido!

If I can make it there, I’ll make it everywhere. Nämlich. Da steht einem die Welt ja offen, nämlich.

Also: Ich bleibe auf dem Veganschiff.
Da gehöre ich hin.
Da fühle ich mich wohl.

(Und dann wäre da noch die Tatsache, dass die mitunter abartigen Kreislaufprobleme und Migräne-Attacken, die mich im letzten Jahr immer an den ‘Tagen vor den Tagen’ gepiesackt und gepeinigt haben und nur mit Kreislauftropfen und tagelangen Einwürfen von Kopfschmerztabletten erträglich waren (und die ich SO bis dato nicht kannte und eher aufs Älterwerden an sich geschoben habe), im Januar bis auf einen kurzen Schwindel und einen Hauch von Kopfschmerzen kaum spürbar waren.
Dass sich diese wirklich nervigen Probleme sich jetzt im ‘zweiten Durchlauf’ im Februar scheinbar komplett in Wohlgefallen aufgelöst haben, zeigen mir, dass ich mit meiner derzeitigen Ernährungsform nicht auf der falschen Fährte sein kann. Und dass ein übermässiger Verzehr von Milchgedöns vielleicht tatsächlich nicht jedem bekommt. Das nur mal so am Rande. Unverhofft eintretende Benefits nimmt man ja gerne mal mit.)


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Neujährchen – und andere Nettigkeiten

Im Rheinland (und vermutlich überall sonst auch) schenkt man den guten Geistern, die einem das ganze Jahr über gute und wichtige Dienste leisten, zum Jahresanfang eine Kleinigkeit oder gibt ein Trinkgeld. Die ‘guten Geister’ sind dabei meistens Postboten oder die Jungs von der Müllabfuhr, und die Trinkgelder nennt man (zumindest bei uns) “Neujährchen”. Sie bestehen meist aus einem Scheinchen, Wein oder Süßigkeiten.

‘Mein erstes Neujährchen’…oder zumindest der Versuch…

Als ich meine erste eigene Wohnung bezog, fand ich mich selbst unglaublich erwachsen beim Gedanken, “meinen” Müllmännern nun auch ein Neujährchen zu schenken. Ich hatte 2 Flaschen Wein hübsch verpackt, ein Schleifchen drumgewickelt und auf die abzuholenden Mülltonnen gestellt.
“Na, da werden sich die Jungs aber freuen, dass ich so eine aufmerksame und dankbare Kundin bin und ihre treuen Dienste keinesfalls als selbstverständlich hinnehme, sondern mich allergroßzügigst bedanke.” dachte ich so bei mir und fand mich selbst ganz schön großartig. Und so emphatisch.
Und irre sozial.

Um den Ruhm für mein gutes Werk und die garantiert überschäumende Heiterkeit der ‘Jungs in orange’ beim Vorfinden meiner großzügigen Geschenke nun auch bloß nicht zu verpassen, lauerte ich an jenem Morgen hinter der Gardine und starrte in die frühmorgendliche Dunkelheit. Schon sah ich den Müllwagen vorfahren, der Arbeiter stapfte zu den Tonnen, entdeckte meine Gaben (an dieser Stelle klopfte ich mir selbst erneut innerlich auf die Schulter für meine exorbitante Großzügigkeit)…zögerte kurz, schien zu stutzen, nahm die Flaschen, öffnete den Deckel, warf meine Geschenke mit Schwung in die Tonne, leerte selbige unter lautem Gerappel in den Müllwagen, sprang auf und brauste von dannen.
Ich riss entsetzt die müden Augenschlitze auf und blieb schwerstenttäuscht am Fenster zurück, während der Arbeiter vermutlich irgendwas von “Blöde faule Weiber, schaffen es noch nicht mal, ihren Müll IN die Tonne zu schmeissen, für alles sind’se sich zu fein.” brummelte.

‘Gut gemeint’ ist halt nicht immer ‘gut gemacht’.

Mein innerer Bleistift kritzelte sich ein “Merke, Geschenke immer persönlich überreichen, vor allem wenn es stockfinster ist. Eine Mülltonne ist kein geeigneter Gabentisch.” auf die Hirnrinden-Pinnwand. War im Nachhinein dann vielleicht doch nicht der schlaueste Einfall, aber hinterher hat man’s ja immer vorher gewußt.

Fürs nächste Jahr im Erwachsenenleben war ich maximal-neujährchenmotiviert und nahm davon Abstand, Wein oder Süßigkeiten zu verschenken, denn davon hat man bekanntermaßen nach Weihnachten eh die Bude voll und so ein Geschenk wirkt dann schon eher wie “Naja, hatte ich eh in der Schublade rumfliegen, das musste weg.” Ich habe stattdessen kleine Kuchen gebacken, schick verpackt und höchstpersönlich überreicht. Mit einem kleinen Dankeschön. Und schon lief die Neujährchensache.

Nun schreiben wir den Januar 2019 und mir fiel mir gerade so auf, dass ich diese charmante Tradition in den letzten Jahren nicht nur schleifen gelassen, sondern komplett eingestellt habe. Ich nehme mir zwar jedes Jahr aufs Neue vor, zum Jahresanfang ein paar lieben Menschen eine Freude zu machen und mich dafür zu bedanken, dass es sie gibt – aber dann kommt doch meistens irgendwas dazwischen.
Einkaufen.
Steuererklärung.
Buntwäsche.
Die Katze kotzt.
Der Hund humpelt.
Das Übliche halt.

Nun ist aber noch nicht alle Tage Abend, bzw. aller Jahre Ende – und soweit ich weiß, gibt es keine Neujährchen-Gesetze, die festlegen, innerhalb welcher Frist man seine Mitmenschen mit kleinen Herzlichkeiten beschenken darf. Und weil ich gerade ohnehin so backwütig bin, durften sich der DHL-Paketbote (der sich immer fast einen Bruch an meinen ganzen Tierfutter-Paketen schleppen muss) und unsere supernette Postbotin über ein süßes Geschenk freuen.
Und ich mich wieder als uneigennützige Sozialsuperheldin von Neuwied fühlen. Win/win.

Und ihr? Macht mit! Natürlich! Mitgefangen, mit…neujahrt!

Wochenaufgabe:
Mindestens einen lieben Menschen mit einer kleinen Nettigkeit beschenken!

Und ihm sagen, dass er wichtig, toll und überhaupt ganz und gar töfte ist.

Das tut nämlich nicht nur dem Beschenkten gut, sondern wird euch auch selbst gute Laune bringen – und davon kann man an diesen düsteren Wintertagen gründlich was gebrauchen.

Das könnt ihr der Frau Mohr ruhig glauben.
Die weiß das.


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[mohrkochen] Zitronenpasta mit Postelein

In der dunklen Jahreszeit ist mein Appetit auf frisches Grünzeug und knackige Salate eher spärlich vorhanden, auch wenn mein müder, schlapper Winterkorpus die darin enthaltenen Vitamine und Vitalstoffe vermutlich hände- bzw. zellenringend gebrauchen könnte. Dennoch gelüstet mich eher nach deftigen Suppen und heißen, dampfenden Gerichten mit Karacho.

Den Postelein (auch bekannt als ‘Portulak’ oder ‘gemeines Tellerkraut’), der vor ein paar Tagen mit seinen langen grünen Ärmchen aus meiner Ökokiste zugewunken hat, habe ich deswegen auch gleich zu einem leckeren Nudelgericht verarbeitet. Immerhin gibt’s durch die Zitronen eine fruchtige Note und das Grünzeug sorgt für einen fast schon frühlingshaften Look auf dem Teller (der allerdings in die Kategorie “Tarnen & Täuschen” fällt, denn die Kokosmilch sorgt für den nötigen Fettgehalt. Nicht das am Ende noch jemand vor Ende der Saison vom Winterspeck fällt. Wäre ja nicht auszudenken.)

Zutaten

1 Bio-Zitrone
1 EL Olivenöl
1 Knoblauchzehe
1 kleine Zwiebel
ca. 350 ml Wasser
1 TL Gemüsebrühe
200 g Kokosmilch
200 g Spaghetti
ca. 1/2 TL Salz
1/4 TL Chilipulver
1/4 TL schwarzer Pfeffer
80-100 g Postelein

Die o.g. Menge füttert 2 hungrige Mägen.

Zubereitung

Die Schale der Zitrone vorsichtig abreiben und den Saft auspressen (oder andersrum. Wie es euch beliebt.)
Das Öl in einem Topf erhitzen, die Zwiebel schälen, Knoblauch pressen und im Öl andünsten. Ca. 200 ml Wasser, die Gemüsebrühe und die Kokosmilch einrühren und aufkochen lassen.
Die Nudeln und den Zitronensaft zugeben (wer es nicht ganz so säuerlich mag, gibt erstmal die Hälfe des Saftes hinzu. Mehr geht ja immer….) und einrühren.

Der Vorteil solcher “One-Pot-Gerichte” ist zwar einerseits, dass man nur einen einzigen Topf verschmuddelt und wenig Spülarbeit hat – aber andererseits muss man auch den Topf hüten und kann nicht zwischendurch weggehen und die Welt retten. Dadurch, dass die Nudeln gleich in der Soße gargekocht werden, können sie auch leichter ansetzen. Also immer hübsch fein aufpassen und öfter umrühren.

Wenn die Flüssigkeit aufgesaugt ist, den Rest Wasser nachgießen und ab und an rühren.

Falls noch nicht passiert, könnte man nun den Postelein waschen und die langen Stielchen kleinschneiden. Die Blättchen können gerne ganz bleiben. Wenn die Nudeln gar sind, den Zitronenabrieb, den gehackten Postelein und die Gewürze zugeben, gut umrühren, nochmal kurz durchziehen lassen und kredenzen.

Immer noch nicht satt?! Dann schau’ doch in den MOHRTOPF – das ist für jeden Hunger was dabei. Vegan und ohne Gedöns!


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