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[mohrmiezen] Miezcast Nr. 2 – “All you need is love”

Da ihr ja alle ganz bestimmt unfassbar brav und artig wart, hat der Julialaus euch eine herzerwärmende neue Miezcast-Folge in den Stiefel gesteckt – Titel: “All you need is love”.

Die Geschichte handelt zwar eigentlich von meiner Tigermieze Frau Schmitz, aber uneigentlich von allen Fellnasen dieser Welt, mit denen wir unser Leben teilen dürfen und die jede Minute davon bereichern – einfach nur dadurch, dass sie da sind.Schmitzster

Und obwohl ich den Beitrag ja selbst geschrieben habe, ringt mir Julias Lesestunde immer wieder ein paar Rührungstränchen ab.
Hach. Diese Katzenviecher aber auch.

Viel Spaß damit – und nicht vergessen: Feedback (oder..Feedbeck) ist ausdrücklich erwünscht.

“Guten Morgen, es ist 5.00 Uhr, sie wollten geweckt werden!”

Eine der zahlreichen faszinierenden Eigenschaften meiner Miezenschaft ist ihre nahezu sekundengenaue innere Uhr. Ganz egal, wie spannend die Outdoor-Aktivitäten gerade sind – Punkt 18.00 Uhr materialisieren sich jeden Abend drei plüschige Katzenkörper mit umgebundenen Schlabberlätzen in der Küche und klappern mit dem Besteck.
Morgens funktioniert die miezige Zeitschaltuhr genauso fehlerlos – mein Wecker schreit mich werktags zwar ohnehin um 5.00 Uhr an, aber exakt 1 Minute vor 5 vernehme ich lautstarkes Scharren in der kätzischen sanitären Einrichtung im Nachbarzimmer – die Katzen sind wach. Punkt 5 landen dann zeitgleich zum Einsetzen des Wecktons zwei hungrige Katzenkörper auf meiner Schlafstatt. Meistens kraule ich dann schlafblind kurz in die Richtung, in der ich die Katzenköpfe vermute, ernte bei einem Treffer ein lautes Schnurren aus der Dunkelheit und werde dann ziemlich nachdrücklich vom vierbeinigen Weckdienst in die Küche eskortiert und zum umgehenden Dosenöffnen aufgefordert. So weit, so witzig.

Lästig ist nur, dass die innere Katzen-Uhr sich nicht auf Wochenend-Modus umstellen lässt, denn an Frei-/Sams- u. Sonntag würde ich dann doch ganz gerne ein klitzekleines bißchen länger in Morpheus Armen rumlungern. Aber da Katzen Gewohnheitstiere sind, beharren sie eben auch am freien Freitag auf ihr Recht auf frühmorgendliche Fütterung. Wär’ ja auch noch schöner, wenn man dem Mensch seinen freien Willen liesse.
Mein scheues Frollein Fritzi verfolgt die Aktion “Aktivieren des zweibeinigen Fütterungs-Apparates” mit ihrem ganz eigenen Kleinmädchen-Charme – leicht wie eine Feder landet sie mit einem ganz zarten Lufthauch neben meinem müden Kopp, legt sich dort nieder und beginnt brüllend laut ganz allerliebst zu schnurren.

Mein dicker Tigerkater – ganz punk at heart – setzt da eher auf die Methode “Krawall und Remmidemmi”. Wenn ich meinen schlappen Korpus nicht wie an den anderen Werktagen innerhalb von 5 Minuten in die Senkrechte erhebe, beginnt er zügig damit, mir durch lautstarkes Kratzen an der unbehandelten Holzleiste des Klamottenregal meine schlaf-tauben Nerven freizulegen. Meistens nuschele ich dann irgendwas wie “Och, Tigerchen, komm’, wir schlafen noch’n bißchen”, was aber tigerseits komplett unbeachtet bleibt. Schliesslich gibt’s IMMER Frühstück um 5, also auch heute. Hoch datt faule Fleisch!

Datt faule Fleisch hingegen versucht konsequent, über das fritzische Powerschnurren und das tigersche Herumgekratze hinwegzuhören und die innere Mitte zu finden.
Herr Tiger zündet Stufe 2 des Erweckungsfeuerwerks und springt mit vollstem Körpereinsatz auf meine just wiedergefundene innere Mitte und beginnt, wie ein Elefant auf einem Trampolin auf mir herumzuspringen. Uärks. Mit fast 7 kg Katergewicht kein reines Vergnügen. Ich taste nach dem Katerkopf und versuche ihn, durch meditatives Kraulen ruhigzustellen. Fritzi schnurrt weiter – der Kater hingegen pfeift mir watt und trampelt wie ein plüschiges Flusspferd auf meinen Extremitäten herum. Meine matte Drohung “Ich bring’ dich zurück in den Katzenknast!” bleibt ohne Wirkung, und meistens spüre ich danach eine Katzenpfote im Gesicht – dankenswerter Weise zumindest ohne Kralleneinsatz.

Tatsch, tatsch, tatsch – das zweibeinige Dings muss doch irgendwie zu erwecken sein.

TigerlaufMeistens ist das zweibeinige Dings zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon glockenwach, versucht aber zumindest den Anschein zu wahren, kein komplett willfähriger Sklave der Miezendominanz zu sein. “Geh weg, Ich schlafe!” verkünde ich wenig überzeugend.

Stufe 3 – Herr Tiger springt mit lautem “Bautz!” zurück auf die Holzdielen und versucht anderweitig möglichst viel Lärm zu machen. Kratzen an Kartons, Herumrascheln mit Plastiktüten, Schubsen von Schuhen, egal was – Hauptsache LAUT. Fritzi schnurrt. Ich widerstehe dem Impuls, dem Kater augenblicklich den Hals umzudrehen. Denn dafür müsste ich aufstehen und dann hätte er gewonnen.

“TigerchenschätzchenwenndujetztaufhörstkriegstegleicheinsuperLeckerchen!” murmele ich.
Leckerchen am Arsch, ey! Aufstehen! Zackzack!

Stufe 4 – der Plüsch-Elefant landet wieder mit Karacho auf meinem Unruhe-Kissen und plaziert seinen imposanten Leib neben meinem Nachtisch. Immerhin hält er an dieser Stelle fairerweise meistens kurz inne, so dass ich zumindest reagieren könnte…und streckt die Pfote aus, um alles, was greifbar ist, schön langsam und vor allem laut vom Nachttisch runterzuschmeissen. Wachs-Ohrenstöpsel  (die nicht auf dem Tisch liegen, sondern in meinem Ohr stecken sollten..aus der Reihe “Finde den Fehler”)…klong! Klong! Trotz diffuser Dunkelheit könnte ich schwören, dass mich die Katzenaugen provokant angucken. Langsam streckt er die Pfote Richtung Metall-Tablettendöschen aus…klong! Vom der Akkustik des herunterfallenden Taschentuchs offensichtlich enttäuscht, reckt sich die Pfote Richtung Brille…und..”Ist ja gut, ich steh auf!”

Während ich mich erhebe, könnte ich schwören, dass Fritzi und Tiger sich hinter meinem Rücken ein High-Five zuwerfen. Mission erfüllt!

Frau Schmitz als ranghöchste Katzen-Clan-Chefin hingegen gibt sich mit derartiger schweißtreibender Aufweck-Drecksarbeit natürlich nicht ab und begrüsst uns 3 nonchalant mit einem lässigen “Puurrr!” in der Küche, was wohl soviel bedeutet wie “Ach, wenn ihr eh schon mal da seid..ich würd’n Häppchen mitessen.”

Ich schaufele folgsam und effizient “Pressfleischbröckchen an Glibber” in die Näpfe und schlafe – untermalt von lautem Schmatzen zu meinen Füßen – im Stehen an der Küchenwand ein. Haustiere sind ‘ne Bereicherung. Echt jetzt.

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[mohrmiezen] Die Schuldfrage

 

Samstagmorgen, 08.00 Uhr.

Es regnet nicht nur Bindfäden sondern, um bei der Metapher zu bleiben, unterarmdicke Hanfkordeln. Dennoch bekundet Frau Schmitz durch eindringliches Maunzen und vehementem Hypnotisieren der Haustür, dass sie jetzt nun aber bitteschön sofort einen Reviercheck in den lokalen Vorgärten machen möchte. So-fort.

“Aber es schüttet wie aus Eimern. Du wirst in ein paar Sekunden pitschnass!” versuche ich einen Appell an die Miezen-Vernunft.
Keine Chance.
“Miau!”
“Na gut, dann raus mit dir. Aber sag’ nicht ich hätte dich nicht gewarnt.”

Der getigerte Fellrücken verschwindet im Regen und ich verschwinde zurück ins warme trockene Wohnzimmer, um am Bollerofen meinen Morgenkaffee zu geniessen. Keine 2 Minuten später höre ich ein hektisches Tappen im Flur, eine pudelnasse Miezekatze entert die gute Stube und hinterlässt zahlreiche Pfötchenpfützen auf den Dielen.

“Miau!”

Den schmitz’schen Gesichtsausdruck kann man nur als “extrem angepisst” bezeichnen und der zickig-anklagende Tonfall des lautstarken Maunzens gibt mir deutlich zu verstehen: “Jetzt guck’ mich doch mal an! Ich bin KLATSCHNASS und DU bist schuld!”

Na klar. Wfrauschmitzer auch sonst. Ist ja nicht so, dass ich es nicht vorher…aber egal. Ich bin schuld.

In der nächsten Stunde straft mich Frau Schmitz mit Missachtung und beleidigter Arroganz. Erst als das Fell bis zum alleruntersten Härchen getrocknet ist, ich das empörte Gemüt mit diversen Leckerchen beruhigt und anhand einer Schautafel über die Entstehung von Regenwolken anschaulich erläutert habe, dass ich nun aber wirklich komplett unschuldig an der unangenehmen Wetterlage bin, lässt sich die Tigerdame huldvoll herab, sich von mir unter dem Kinn kraulen zu lassen. Ein Katzenherz kann eben auch die schlimmsten Verfehlungen verzeihen.


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