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Tofu Ginger Curry – oder “Der Tag, als Tim Mälzer aus meinem Kochpott sprang…”

Man merkt, dass wir in wirren Zeiten leben, wenn Frau Mohr als bekennendes Küchenfaultier plötzlich anfängt, “mit Gedöns” zu kochen. Aber Zeiten ändern sich, und aktuell ist so ein bisschen “Gedönsküche” eine willkommene Abwechslung für meinen Kopf – und der Magen freut sich umso mehr über dieses mächtig köstliche Gericht.

Als ich Anfang März bei “Kitchen Impossible” dieses “Chicken Ginger Curry” gesehen habe, das Tim Hartwig im Duell gegen Mälzer köcheln musste, klang das Ganze zwar schon ziemlich lecker, aber jetzt echt mal – Ingwer in feine Streifen schneiden, Zwiebelpaste kochen, Knoblauch in Stückchen schnitzen statt einfach durch die Presse zu jagen, und dann in gefühlten zwölfzigtausend Arbeitsschritten zu einem Curry verköcheln…? Nicht mir mir, meine Herren. Aber auf gar keinen Fall.
Irgendwie ist mir das Gericht aber doch nicht aus dem neugierigen Kopf gegangen, und inzwischen habe ich es sogar schon mehrfach gekocht, weil es sowas von lecker ist. Und so richtig aufwändig ist es ja bei Licht betrachtet auch wieder nicht.
Ich hab’ ja Zeit.
Wenn ich gerade eine Sache habe…dann ist das Zeit.

Momentan ist es wohl die allergrößte Herausforderung, alle erforderlichen Zutaten zusammenzushoppen – wem das nicht gelingt, der hat zumindest schon mal etwas, auf dass er sich freuen kann, wenn die Zeiten wieder leichter werden.
Und das werden sie.
Ganz, ganz sicher.

Selbstredend gibt es in meinem Topf kein “Chicken”, sondern ein “Tofu Ginger Curry” – und statt Butter und Kuhmilchjoghurt aus dem Originalrezept habe ich die tierfreien Varianten verköchelt. Normalerweise kommen statt Dosen- frische Tomaten in den Pott, und der Ingwer wird wohl auch nicht geschält.
Aber ich koche mir eh die Welt, so wie sie mir gefällt.

Noch ein Wort zu den Gewürzen: Die typische indische Würzmischung “Garam Masala” bekommt man grundsätzlich in jedem gutsortierten Asialaden, und davon haben wir in Neuwiedropolis sogar ganze 3. Ich hatte aber keinen Bock, alle Läden abzuklappern und habe mir das Garam Masala gleich zusammen mit den Bockshornkleeblättern (die auch unter dem Namen ” Kasuri Methi” bekannt sind und NICHT mit den Bockshornkleesamen verwechselt werden dürfen) online bestellt.
Jetzt habe ich jedenfalls genug davon, um mindestens 5 Bundeswehrkompanien für die nächsten 3 Jahre mit Tofu Ginger Gurry zu bekochen.
Ist auch irgendwie ein beruhigender Gedanke.

Die unten aufgeführte Menge füttert 2-3 Personen – je nach Verfressensheitsgrad und Beilagendichte. Reis passt dazu genauso hervorragend wie Naan- oder Roti-Brot.

Zutaten Tofu Ginger Curry

  • 60 ml geschmacksneutrales Pflanzenöl (ich habe Alba-Öl/Rapsöl mit Butteraroma genommen)
  • 370 – 400 g Räuchertofu (je nach Hersteller, ein Block Tofu hat meistens zwischen 185 u. 200 g)
  • 4 Knoblauchzehen
  • 75 g pflanzliche Butter (hier: Alsan)
  • 75 g Ingwer
  • 150 g zuckerfreier Pflanzen-Joghurt (ich hatte noch einen Joghurt auf Kokosbasis im Kühlschrank, das hat hervorragend gepasst. Sojajoghurt sollte aber auch schmecken.)
  • je 1 rote und grüne Chili
  • 1 Dose gestückelte Tomaten (400 g)
  • 1/2 Bund frischer Koriander

Zwiebelpaste:

  • 100 g weiße Zwiebeln
  • 200 ml Wasser

    In Zeiten wie diesen muss man ja beim Einkaufen nehmen, was da ist – aber WENN ihr weiße Zwiebeln bekommt, ist ihnen der Vorzug vor den roten zu geben…die sorgen nämlich für eine unästhetisch-bräunliche Farbgebung der Paste.

Gewürze:

  • 1 gestr. TL rotes Chilipulver
  • 2 geh. TL Kurkuma
  • 1 gestr. TL Salz
  • 1 gestr. TL schwarzer Pfeffer
  • 2 geh. TL Garam Masala
  • 1 EL Bockshornkleeblätter (Kasuri Methi)

    Mit den oben angegeben Mengen wird das Curry richtig, richtig scharf…das sollte man schon mögen und vertragen können. Schärfe-Sissis sollten sich lieber vorsichtig rantasten – nachwürzen geht ja immer noch.

Und los geht’s!

Zuallererst wird die Zwiebelpaste gekocht – dazu die Zwiebel schälen, in Ringe schneiden und mit 200 ml Wasser aufkochen. 10 Minuten köcheln lassen, gründlich pürieren – und falls das Ganze noch flüssig ist, einfach noch eine Weile auf ca. 100 ml einreduzieren.

(Ihr merkt’s schon, eh? “Mehrere Arbeitsschritte”….ich sag’ euch, wenn diese Zeiten vorbei sind, hört mir das aber auf, dieses Gedöns-Zeugs!)

Danach Ingwer schälen, in feine Streifen schneiden (äh!), den Tofu ebenfalls in Würfel oder Streifen filetieren und die Chili-Schoten grob klein schneiden. Den Knoblauch schälen und in Würfelchen schnitzen (nein, nein…KEINE Knoblauchpresse, DAS wäre zu einfach!).
Und dann beginnt die Rühr- und Köchelchoreographie:

  • Das Öl in einem Topf erhitzen und die Tofustreifen darin anbraten, bis sie ein bisschen Farbe bekommen.
  • Danach den Knoblauch unterrühren und kurz mit anschwitzen.
  • Dann bekommt die Margarine ihren großen Auftritt im Topf und wird mit Tofu und Knoblauch verrührt.
  • Sobald sie geschmolzen ist, den Ingwer hinzugeben und unterjubeln.
  • Dann hüpfen die Dosentomaten dazu, werden verrührt und kurz aufgekocht.
  • Dann die Zwiebelpaste zugeben, aufkochen lassen, Joghurt und Gewürze zugeben und – man ahnt es schon – ca. 5 Minuten köcheln.
  • In dieser Zeit den Koriander grob hacken und kurz vor dem Servieren in das Tofu Ginger Gurry geben.

“Hach, ich bin schon so aufgeregt, wie das Curry wohl wird, wie spannend!”
“Was erwarteste denn? Das Tim Mälzer persönlich aus dem Kochpott springt?”
“Ja, sowas in der Art auf jeden Fall. Wäre ja wohl das Mindeste bei der ganzen Rührerei!”

Nachdem ich mit einer Freundin eine ganze Weile über die Vorstellung geblödelt habe, dass tatsächlich Tim Mälzer höchstpersönlich wie ein Flaschengeist aus dem Topf springen wird, sobald ich den Deckel anhebe, habe ich dann endlich das Curry getestet…und soll ich sagen…leibhaftig isser aus dem wabernden Pott gehüpft, SO lecker ist das.

Und seitdem springt er immer wieder – solange der Ingwer reicht.


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