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Traumpfädchen Minimoselträumchen – 3,4 km sind manchmal genau richtig

“Wenn ein Plan nicht funktioniert,
dann ändere den Plan!”

Eigentlich war für diesen heutigen Sonnen- und Geburtstag eine schick-charmante und mittellange Wanderung im Wiedtal mit Herzmann und Hundetier angedacht. Nun ist aber das Hundetier in der letzten Woche nochmal kurz, aber ziemlich heftig vom Fiebermonster malträtiert worden und befindet sich derzeit noch in Rekonvaleszenz *)
Zumindest so’n bisschen.

Aber alleine die Tatsache, dass mein Heiditier überhaupt wieder fröhlich mit spazieren gehen kann, ist mir Geschenk und Wunder genug, und so will ich weder meckern noch hadern. Zum Glück gibt es ja genug Ministrecken in der Region, die wir noch nicht belatscht haben und die eine erbauliche Alternative zur mehrstündigen Wanderung darstellen.

Wo ich schon seinerzeit über das Traumpfädchen “Sayner Aussicht” mit seinen schlappen 7 Kilometerchen geschmunzelt habe, hat mir der “Moseltraum” mit gerade mal 3,4 km nur ein arrogantes Grinsen entlockt. Noch nicht mal 4 km – das kann man ja in Partoffeln spazierengehen, das hüpft man ja auf einem Bein ab.

Tja, Streckenhochmut kommt vor dem Fieberfall – heute bin ich dankbar für dieses Miniründchen. So kommen wir doch noch zu unserem Wanderfeeling auf unbekanntem Terrain. Der Startparkplatz ist fix gefunden und wegen “Unner-der-Woch!” auch menschen- und autoleer.
Und los geht das!

Wir schlendern gemächlich über idyllische Feldwege, glotzen hier und da hinter hohe Zäune , bewundern mehr oder weniger lauschige Hütte und genießen die Aussicht auf das malerische Winnigen. Das Tier ist bester Laune und prüft sogleich die örtlichen Nagetierfäkalien auf ihre Wälztauglichkeit.
Läuft.
In jeder Hinsicht.

Einzig ein Wermutstropfen trübt die Freude an der Natur: Der Winninger an sich scheint seinen Bauschutt, Plastikmüll und sonstiges Schrott- und Plastikgedöns scheinbar bevorzugt in den regionalen Wäldchen zu entsorgen. Die Mülldichte im Unterholz ist wirklich bemerkenswert und traurig – kaum ein Blick zwischen bemooste Äste und Bodengestrüpp, der nicht an Autoreifen oder leeren Farbdosen hängenbleibt. Schade, schade, schade. Für eine #Cleanyourtrails-Aktion müsste man hier wohl mit mehreren Anhängern vorfahren, ‘ne simple Mülltüte reicht hier nicht mehr aus.

Aber davon abgesehen ist der Miniweg wirklich schick und erstaunlich abwechslungsreich. Man stapft über Feldwege und Forstautobahnen, kraxelt Serpentinen und schmale Treppchen in den Weinbergen hinab, marschiert an Schrebergärten und kleinen Wäldchen vorbei.

Und wenn die Strecke so kurz ist, kann man sich nun wirklich jede Zeit der Welt lassen – und so kommen wir erst nach fast 1,5 Stunden wieder am Auto an. Tier und Mann sind zufrieden – und ich bin ganz schön dankbar. Für alles.
Happy birthday to me.
Was Schöneres als ein gesundes Tier und ‘nen wanderfreudigen Kerl hätte ich mir für heute nicht wünschen können.

Der Rest kommt dann von selbst.

*) im Gegensatz zu den letzten beiden Erkrankungen, die im ersten Jahr zu ‘ner Endokarditis und daraus resultierenden Herzfehler und im zweiten Jahr zu einer OP und ‘nem Verlust eines Lymphknotens geführt haben, ist es uns diesmal aber gelungen, endlich jemanden zu finden, der ihr (hoffentlich) nicht nur akut, sondern auch nachhaltig helfen konnte und kann – und inzwischen geht es ihr wieder gut, ohne dass weitere Antibiotika, Fiebersenker, Cortison oder gar das Skalpell zum Einsatz kommen mussten. Und die tolle Ärztin, die die Lösung für Heidis Fieberproblem gefunden hat, empfehle ich gerne per Mail weiter 😉 schreibt mir einfach. Wie gesagt: Wenn ein Plan nicht funktioniert – dann ändere den Plan. Und wenn die Schulmedizin nicht weiterkommt, kann es nie schaden, mal den Blickwinkel zu ändern. In unserem Fall war’s die Rettung. Ob nun “für immer” oder nur für den Moment, wird sich zeigen. Quiting is not an option. 
Nämlich.


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Tatzelwurmjagd an der Mosel – Halali!

Wenn der FREI-tag mal wieder seinem Namen alle Ehre macht und zudem noch der Frühling angekündigt hat, sein blaues Band heute mal mächtig durch die Lüfte flattern lassen zu wollen, dann ist der perfekte Tag zum Wandern. Der ‘Tatzelwurmweg‘ rund um Kobern-Gondorf steht schon länger auf meiner To-Wander-Liste und Rundkurs mit knapp 8 km Länge und 200 Höhenmeterchen passt er ganz perfekt in einen gemütlichen freien Sonnentag.

Seinen Namen verdankt dieses Wegelchen dem – wer hätte es gedacht! – sagenumwobenen Fabelwesen ‘Tatzelwurm’, dass angeblich zu “Es-war-einmal”-Zeiten als ziemlich schräge Mischung aus Löwe und Lindwurm in den dortigen Höhlen sein Unwesen getrieben haben soll.

Das Hundetier findet die Aussicht, sich zur Abwechslung mal in waschechter Tatzelwurmkacke wälzen zu können, ziemlich inspirierend und springt vorfreudig mit Kniegas auf den Rücksitz. Ist ja auch mal was anderes als sich immer nur gewöhnliche Fuchs- und Marderexkremente in den Pelz zu massieren.
Tatzelwurmweg ahoi!

Nachdem ich meine Blechkutsche an der örtlichen Kirche in der Burgstraße abgestellt habe, führt uns die Route erstmal über schmale Bürgersteige durch den Ort. Während das Hundetier fröhlich voranstapft, seine Neugiernase durch jedes Tor steckt und einigen dösenden Hofhunden forsche Beleidigungen entgegenbrüllt, muffele ich leise vor mich hin.
Durchn-Ort-Latschen mag ich ja überhaupt nicht.
Muff, muff, muff.
Nach einer Weile windet sich der Weg aus dem Wohngebiet heraus Richtung Weinberge, bleibt aber breit und asphaltiert.
Muff, muff, muff.
Breite Asphaltwege mag ich ja überhaupt nicht.
Ein paar hundert Meter weiter ist aber schon jedwedes Muffeln vergessen, denn da saugt uns von rechts der Wald auf und schmeißt uns ein wunderbar moosiges, steiles Pfädchen vor Fuß und Pfote. Hach. SOWAS mag ich. Und wie!

Meine Lunge läuft sich warm, erste zarte Schweißrinnsale sammeln sich im Nacken, die Sonne prickelt auf der Nasenspitze, das Hundetier schnüffelt und flitzt – und ich bin in meinem Element. Volle Wanderlust voraus. Hier bin ich Wandersfrau, hier darf ich’s sein.

Nachdem der erste zauberhafte lange Anstieg mit Aussicht und allem Zipp und Zapp bezwungen ist, bin ich zum ersten Mal froh, dass ich mein GPS-Kästle in der Tasche habe. Als der Wald uns wieder ausspuckt, hätten wir nun die Möglichkeit, entweder links oder rechts weiter zu stapfen…aber leider winkt uns kein Tatzelwurmbildchen in die richtige Richtung. Entweder ist die Wegweiserdichte hier noch verbesserungswürdig, oder aber Vandalen waren am Werk und haben vorhandere Markierungen abgerissen. Da bliebe im Zweifelsfall nur Trial & Error. Blöd.

Aber nicht für mich, die lila Linie auf dem Display lotst mich zweifelsfrei nach links, wo sich nach dem steilen, waldigen Pfädchen ein kuscheliger Feldweg in die Gräser schmiegt. Heidi testet sogleich die derzeit noch brachliegenden Felder auf ihre Gülledichte und windet sich fröhlich strampelnd auf dem Rücken durch die Furchen.
Stinkt zum Steinerweichen.
Wunderbar. Mssion geglückt.
Und schon rennt das Tier zufrieden weiter voran und ich hinterher. Zum Glück steht der Wind günstig und weht das Odeur des Gülletiers in die andere Richtung.

Der Tatzelwurmweg zeigt sich auch weiterhin wunderhübsch, einsam, menschenleer und wunderbar abwechslungsreich. Doch an mindestens 2-3 weiteren Stellen und Abzweigungen gibt es entweder keine Schilder oder die Führung ist uneindeutig. Da würde man wohl als GPS- oder kartenloser Wandervogel mitunter doof aus der Wäsche gucken. Hier sollte zum einen der zuständige Wegewart nochmal zeitnah eine Nachbesserung der Beschilderung durchführen und zum anderen der Wandervogel als solcher sicherheitshalber ‘ne Karte einstecken.

Am Sauerbrunnen gönnen wir uns eine Rast in der Sonne, und während das Tier den Bach leersüffelt und ich meine Stulle mümmele, klopfe ich mir selbst auf Schulter für den Entschluß, den heutigen Tag nicht auf Couch oder mit der Nase am PC-Bildschirm zu verbringen.

Auf der Heimfahrt, während das Hundetier selig und stinkend auf der Rückbank schnarcht, fällt mir auf, dass wir wohl vor lauter Glotzen und Wälzen an der berühmten Tatzelwurmhöhle vorbeigelatscht sein müssen. Aber nun ja – zum Einen haben wir dennoch absolut nichts vermisst, und zum Anderen, ganz unter uns geflüstert – ich glaub’, diesen komischen Tatzelwurm, den gibt’s in Wirklichkeit gar nicht.

Aber pssst.

Tatzelwurmweg-Fakten:
Start: Kobern-Gondorf / Burg- oder Lennigstraße
Länge: ca. 8 km
GPS-Track: HIER!
Hundewandertauglichkeit: Absolut vorhanden! Allerdings nicht unbedingt im Hochsommer, da der Weg teilweise über offenes Feld ohne Schatten führt. Und – Wasser mitnehmen!

Fotos gibt’s heute mal eher spärlich, weil ‘keinen Bock dauernd zu knipsen’. Wer wissen will, wie es dort aussieht, muss halt selbst loswandern.


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[mohrwandern] Exorzismus auf dem Nette-Schieferpfad

Das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen.
(Gilbert Keith Chesterton)

Auch wenn das Hundetier in diesem Sommer leider nochmal einen ziemlich heftigen Umweg über eine andere, schwere Krankheit gemacht hat und nochmal eine Weile in der Tierklinik verbracht hat, hat die Hofheimer Kardiologin meine Heidi am 26.10. beim letzten Herz-Kontroll-Ultraschall als “vollkommen gesund” deklariert. Das Hundeherz hat sich nach der Endokarditis im letzten Jahr wundersamerweise komplett regeniert und es ist keine Undichtigkeit mehr messbar. Heidi Löwenherz braucht also fortan nach etwas über einem Jahr keine Herztabletten und auch keine sonstigen Kontroll-Untersuchungen mehr.


So richtig kann ich die Gesundung des Hundetiers bis heute nicht fassen und manchmal fühlt es sich (trotz höchsteuphorischem inneren Fackelzug) so an, als trüge ich nun eine heimatlose Sorge in meiner Brust. Ich habe es zwar schwarz auf weiß, dass Heidi wieder mopsgesund und quietschfidel ist, aber trotzdem ertappe ich mich selbst immer wieder bei mißtrauischen Seitenblicken und einem leichten Ziehen in der Magengegend, wenn das Hunde-Herzchen nach dem Toben allzu sehr pumpt oder die Zunge vor lauter Begeisterung beinahe seitlich auf dem Boden hängt. Da so ein überflüssiges Gefühl weder mir noch dem Tier nützt, wird es mal allerhöchste Zeit, die Geister der Vergangenheit endgültig auszutreiben und ein fettes “Ende” unter das Kapitel Endokarditis zu pinseln.

Bei meiner Wanderung mit dem Dobermann-Mann im August 2017 zeigte Heidi erste Anzeichen, dass irgendwas nicht so richtig stimmt, sie war einen Hauch weniger munter, einen Hauch weniger quirlig, irgendwie war mein schlechtes Bauchgefühl aber nicht richtig greifbar. Zwei Tage später brauste ich dann mit einem schwerstfiebernden Hundetier zum ersten Mal in die Tierklinik. Eigentlich bin ich kein abergläubischer Mensch. Sämtlicher Eso-Bimbam wie ‘Schicksal’ oder ‘Fügung’ sowie’ schwarze Katzen von links’ und Freitag der 13. können mir gepflegt den Buckel runterrutschen. Trotzdem bereitete mir der Gedanke an den Nette-Schieferpfad seit etwas über einem Jahr immer wieder diffuse Bauchschmerzen und ich habe die Gegend gemieden wie der Teufel was Weihwasser, obwohl dieser zauberhafte Wanderweg ja nun wirklich nicht das allergeringste dafür kann, dass mein Hundetier krank geworden ist.

Somit wäre wohl der Nette-Schieferpfad der perfekte Ort für eine ausgiebige Sorgenteufels-Austreibung. If we can make it there, we’ll make it everywhere. Nämlich.

Die Wettergötter haben am heutigen Freitag offensichtlich ein Herz für ängstliche Exorzisten. Die Landschaft erstrahlt in allergoldenstem Herbstsonnenschein, als wir auf dem Trimbser Dorfplatz einrollen. Hier habe ich seinerzeit auf den Dobermann-Mann und Hündin Jilly gewartet. Heute warten wir auf niemanden, sondern stapfen munter mit den orangen Wegmarkierungen vor der Nase los. Geisterjäger ahoi!

Das Hundetier rast mit wedelnder Strupp-Palme vorweg und ich marschiere mit einem zwar kleinen, aber überflüssigen Sorgenklumpen in der Magengegend hinterher.

“Das Herz hat sich wieder vollkommen erholt, das ist echt ein Wunder” höre ich die Stimme der Kardiologin durch die gelbgoldenen Äste säuseln.
“Und wann muss ich wieder zur Kontrolle kommen?” säuselt meine Stimme misstrauisch hinterher.
“Na, überhaupt nicht mehr. Heidi ist wieder vollkommen gesund, da braucht es keinen Ultraschall und keine Medikamente mehr.”

“Wo bleibste denn, du lahme Kröte?”

Wie um meine Bedenken endgültig zu entkräften, rast Heidi wie ein wilder Watz den ersten Anstieg hoch und grinst mir von oben ungeduldig entgegen. “Wird’s bald?”

“Ja, ja…” schnaufe ich innerlich und denke bei mir, dass solche bescheuerten Gedanken  wie meine wirklich ziemlich schwer wiegen und einem durchaus die Puste rauben können.

Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Scheinbar gewöhnt man sich auch daran, besorgt zu sein und scheinbar kann mein Kopf wohl nur schwer davon lassen. Blödmanns-Kopf, blöder.

Auf dem Feldweg, der danach folgt, ist mir bei der Wanderung im letzten Jahr aufgefallen, dass Heidi ziemlich unlustig hinterher schlufft statt wie gewohnt fröhlich vorwegzurennen. Hier an dieser Stelle lauern also besonders viele Geister zwischen den Grasbüscheln, und ich hatte mir fest vorgenommen, sie ALLESAMT heute kräftig niederzubrüllen und für immer zu verjagen. Aber zum Brüllen fehlt mir ein wenig die Puste, weil das Tier so ein Affenzahn-Tempo vorlegt. Naja.
Vielleicht besser so.

Die Pfade des Nette-Schieferpfades sind mir noch in hübschester Erinnerung, und jetzt in bunten Herbstfarben sind sie gleich noch viel schöner als letztes Jahr im Hochsommer. Der Anblick der zerklüfteten Trimbser Schweiz in einem Bett aus warmen Goldtönen füllt meine Herzkammern nach und nach mit euphorischer Wonne und lockert den Klammergriff um meinen Magen, während das Hundetier wie eine schwarze Bergziege über die Felsen kraxelt.

Ein diffuses Stück Rest-Besorgnis bröckelt bei einer steilen Felsentreppe endgültig in die Tiefe, denn auf diesem durchaus anspruchsvollen Pfad empfiehlt es sich (wie in allen Bereichen des Lebens) den Blick nach vorne zu richten und nicht immer wieder ängstlich nach hinten zu glotzen. Dann könnte man nämlich durchaus mal abrutschen und sich den Hals brechen. Also lieber Augen nach vorn.
Geister der Vergangenheit, am Arsch! Damit ist jetzt echt mal Schluss.

Den Rest der Wanderung genießen wir in vollen Zügen, sorgenfrei, herzgesund und mit allerbester Laune. Und als das Tier zum Ende der Strecke beinahe die Nette leertrinkt, um hernach mit einem Satz ins Auto zu hopsen und in tiefen Schlaf zu fallen, denke ich erstmals nicht “Herrjeh, hoffentlich verkraftet sie das, das Herz, das Herz!” sondern nur
“Leckofatz! Watt’n geiler Tag.”

Und die Geister?
Ähm…welche Geister?


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