Schon öfter ist mir in diversen Backforen und Rezeptsammlungen ein Rezept für einen Kuchen mit Teigboden, Quarkcremefüllung und Mandarinenbelag unter dem Namen „Faule-Weiber-Kuchen“ vor die neugierige Nase geschwappt, klassischerweise mit Eiern, tierischem Quark und Butter. Grundsätzlich sind solche Backwerke ja genau mein Ding und sollten ohne große Schwierigkeit auch mit pflanzlichen Zutaten nachzubacken sein. Aber zuerst wollte ich doch mal wissen, warum diese Leckerei ihren eigentümlichen Namen trägt – und die Begründung sorgte dafür, dass meine linke, feministische Augenbraue mal kurz ein wenig zuckte.
(Angeblich) erfordert dieses Backwerk keinen nennenswerten Arbeitsaufwand und soll schnell und mühelos aus wenigen Zutaten, die man (angeblich) immer zuhause auf Vorrat hat, zusammengebacken sein. Abgesehen davon, dass ich persönlich es gar nicht mal soooo fix und unkompliziert finde, einen Mürbteigboden zusammenzukneten, mit einer Creme zu bestreichen und noch mit mandariner Intarsienarbeit zu dekorieren, fuchst mich der Unterton der Namensgebung: Wenn eine Frau es also nicht schafft, neben Job, Care-Arbeit, Haushalt und dem ganzen Zipp und Zapp, der uns/euch ja gerne mal auf die Schultern geladen wird, ihrer lieben Familie ein aufwändiges Tortenkonstrukt auf der sonntäglichen Kaffeetafel zu kredenzen, ist sie also was? Ein „faules Weib“? Ich glaub‘ es hackt!
Also, Mittelfinger in die Luft und ab in die Küche, um dort einen „Superheldinnen-Kuchen“ zu backen – und die extrem dämliche Bezeichnung „Faule-Weiber-Kuchen“ mit Vollgas in die Versenkung zu schicken. Für alle grandiosen Frauen, die jeden Tag Großartiges leisten – dieser Kuchen ist für euch!
ZUTATEN FÜR DEN TEIGBODEN
80 g Margarine (Alsan) – möglichst kalt aus dem Kühlschrank
70 g Bio-Rübenzucker (jeder andere Zucker geht aber auch)
150 g Mehl (ich nehme wie immer Dinkel Type 630)
1 gestr. TL Weinsteinbackpulver
ZUTATEN FÜR DIE CREME
80 g zimmerwarme Margarine
80 g Bio-Rübenzucker (siehe oben)
1500 g (3 Becher) Sojajoghurt Vanille
80 g Maisstärke (Speisestärke, in jedem Supermarkt erhältlich)
(Wer keinen Vanille-Sojajoghurt mag oder findet, kann auch einen neutralen Kokos- oder anderen pflanzlichen Joghurt nach Geschmack verwenden und die Maisstärke mit 2 Packungen Vanillepuddingpulver (zum Kochen) ersetzen.)
1 kleine Dose Mandarin-Orangen im eigenen Saft
1 Tütchen Tortenguß, klar
UND SO WIRD’S GEMACHT!
Zuerst den Backofen auf 175 Grad vorheizen, dann eine 25 cm-Springform einfetten oder mit Backfolie auslegen. Die Mandarinen über ein Sieb ausgießen (die Flüssigkeit gerne für den Tortenguß auffangen) und abtropfen lassen.
Für den den Teigboden die kalte Margarine in Stücke schneiden, mit Zucker und Backpulver auf dem Mehl verteilen und zügig zu einem Mürbteig verkneten. Das funktioniert mit dem Knethaken des Handmixers genauso gut wie mit den Händen. Den Teig gleichmäßig auf dem Boden der Springform verteilen, andrücken und – wer mag – einen ca. 3 cm Rand hochziehen. Wer keinen Bock drauf hat, kann sich die Randhochzieherei auch einfach schenken und den Teig einfach zu einer Platte flachdrücken. (Und ist trotzdem kein „faules Weib“, sondern effizient und praktisch.)
Für die Creme zuerst Margarine und Zucker schaumig rühren, dann Joghurt und Speisestärke zugeben, gründlich und klümpchenfrei verrühren und über den Teigboden in die Form geben. Dann die Mandarinenhälften kreisförmig und möglichst gleichmäßig auf der Creme auslegen (von wegen „faules Weib!“, ich finde so eine Geduldsarbeit ja immer ziemlich nervig. Hätte der Kuchen nicht fotografiert werden und dafür halbwegs adrett aussehen sollen, hätte ich die Früchtchen vermutlich einfach nur irgendwie draufgeschmissen.)
Dann darf der Kuchen für ca. 60 Minuten in den Ofen wandern – hier darf man auch ruhig eine Viertelstunde vor Ende der Backzeit den Strom abschalten. Das Backwerk gut auskühlen lassen und aus der Form lösen.
Wer dem Backwerk noch ein wenig Glanz und Gloria verleihen möchte, kann den klaren Tortenguß nach Anweisung zubereiten und gleichmäßig auf dem Superheldinnen-Kuchen verteilen. Man kann diesen Arbeitsschritt aber auch auslassen und den Kuchen sofort mit Stumpf und Stil aufessen.
(Und natürlich sollte man „nicht alles allzu ernst nehmen“ und sich „über alles aufregen“… aber man darf durchaus hin und wieder die ein oder andere Begrifflichkeit überdenken, auch wenn es nur ein harmloser Kuchen ist. Patriarchalische Strukturen lauern überall.)

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(Und alle so: „YEAH!“

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